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Panzer-Fahrzeuge: Darum sind die Mächtigen in ihren geschützten Autos sicher

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Von: Marcus Efler

Gewehrschüsse, Bomben, Sprengfallen? Kein Problem, wenn man in einem gepanzerten Auto sitzt. So schützen die Hersteller Politiker, Manager und Könige.

Detroit (USA) – Die Lage in vielen Regionen in der Welt wird immer unsicherer. Das betrifft insbesondere Politiker, hochrangige Manager und Königshäuser. Die Autoindustrie rüstet derzeit mächtig auf und bringt neue Panzer-Fahrzeuge auf den Markt, die sich von Serienmodellen optisch kaum unterscheiden – aber für maximale Sicherheit sorgen. (Gepanzerte Limousinen: So geschützt fahren Trump, Putin, Merkel & Co. in ihren Autos)

Panzer-Fahrzeuge: Darum sind die Mächtigen in ihren geschützten Autos sicher

Gerade erst hat das US-amerikanische Außenministerium bei GM Defense, einer Tochtergesellschaft von General Motors, neue Panzerversionen für den diplomatischen Sicherheitsdienst bestellt. Im Rahmen dieses Entwicklungsauftrags im Gesamtwert von 36,4 Millionen US-Dollar soll General Motors Defense einen schwer gepanzerten Chevrolet Suburban entwickeln.

Gepanzerter Chevrolet Suburban (Zeichnung)
Fast unauffällig: der geplante Chevrolet Suburban mit Panzerung (Zeichnung) © General Motors

Das SUV ist als Panzerversion Rückgrat des Personenschutzes in den USA und großer Teile von Südamerika. Unter anderem ist der US-Präsident abseits von offiziellen Terminen, in denen ihn sein Spezialfahrzeug mit dem Namen „The Beast“ chauffiert, zumeist mit einer ganzen Flotte von schwer gepanzerten Chevrolet Suburban unterwegs. Eine Vielzahl dieser Fahrzeuge befindet sich im Fuhrpark des Secret Service ebenso wie im diplomatischen Dienst der ausländischen Botschaften. (Gepanzerte Limousine von US-Präsident: Kriegt „The Beast“ einen Elektromotor?)

Panzer-Fahrzeuge: Optisch Luxus-Autos, technisch eher Nutzfahrzeuge

GM Defense nutzt für den neuen Suburban-Schwerpanzer die Basis von GM-Nutzfahrzeugen (Pick-ups und Geländewagen) und verwendet zahlreiche handelsübliche Großserienteile wie Karosserie, Antrieb, Innenraum oder Bremsen. Der Wagen soll über ein neues, einzigartiges Fahrgestell („Body-on-frame“) und eine Aufhängung verfügen, die speziell für höhere Gewichte ausgelegt sind. „Wir freuen uns, in Zusammenarbeit mit dem US-Außenministerium einen voll integrierten, speziell angefertigten HD-Suburban zu entwickeln“, erklärt Steve duMont, Präsident von GM Defense.

Zehn Fahrzeuge sind vorerst geplant, weitere 200 sollen in den nächsten neun Jahren folgen. Dagegen ist der Panzerauto-Markt in Deutschland sehr überschaubar. Mercedes hat gerade seinen neuen S 680 Guard vorgestellt, der im Regierungsfuhrpark den schwer gepanzerten Audi A8 High Security ergänzt. Eine gepanzerte G-Klasse, die bislang als Begleitfahrzeug von Personenschutzkolonnen und Schutzmodell für Armeen sehr beliebt war, soll es indes nicht mehr geben. (Boris Johnson im gepanzerten Jaguar: Diese Sonderausstattung soll den Premier schützen)

Mercedes S 680 Guard, stehend
Sichere Sache: der Mercedes S 680 Guard © Mercedes-Benz AG

Panzer-Fahrzeuge: Kühlschrank und faustdicke Glasscheiben an Bord

Neben den unsichtbaren Panzerelementen der S-Klasse ist der transparente Bereich der Scheiben ein wesentlicher Bestandteil des Schutzkonzepts: Material und Dicke des mehrlagigen Scheiben-Sandwichs entsprechen den hohen Anforderungen der Klassifizierung VR10. Auf der Innenseite sind die Scheiben mit einem Polycarbonat-Splitterschutz beschichtet. Auf Wunsch gibt es im 390 Liter großen Laderaum einen vom Innenraum aus nutzbaren Kühlschrank. Neben der Panzerzelle schützen faustdicke Glasscheiben und Fensterheber mit einer hydraulischen Notfunktion. Zu den weiteren Sonderausstattungen zählen unter anderem eine Feuerlöschanlage und ein Notfall-Frischluftsystem, das Insassen vor eindringendem Rauch oder Gas schützt und mit Frischluft versorgt. Da die meisten Fahrzeuge in den Dienst von Behörden, Regierungen oder Königshäusern gehen, sind die über 500.000 Euro teuren Guard-Modelle mit Flashern, Signalanlage und Funk ausgestattet.

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Panzer-Fahrzeuge: BMW setzt auf SUV, aber „nur“ Schutzklasse VR6

BMW hat von seinem aktuellen 7er dagegen keine Panzerversion im Programm. Die Bayern bieten den schutzbedürftigen Kunden aus dem Bereich Wirtschaft und Politik eine Panzerversion des BMW X5 der Schutzklasse VR6 an. Dafür wird das Modell vom Werk im US-amerikanischen Spartanburg ins mexikanische Toluca gebracht, wo der Umbau zum Panzermodell rund sechs Wochen dauert. Die Scheiben haben dickere, dunkle Glasrahmen, bestehen aus mehrlagigem, drei Zentimeter dickem Sicherheitsglas und lassen sich nur vorne ein wenig öffnen. Türen, Dach, Seitenrahmen und Stirnwand sind mit Elementen aus hochfestem Sicherheitsstahl verstärkt. Sprengfallen soll ein Splitterschutz im Unterboden absichern, während hinter der Rücksitzbank eine zusätzliche Panzerscheibe gegen Angriffe von hinten schützt. (Gepanzerter BMW X7: Von außen ganz normal, doch dieses SUV hält Handgranaten stand)

Panzer-Fahrzeuge: Sicher gegen Handgranaten und bombenwerfende Drohnen

Die Kombination aus Karosseriepanzerung und Sicherheitsverglasung ermöglicht einen wirksamen Schutz gegen Handgranaten und den Beschuss mit Feuerwaffen bis zum weitverbreiteten Schnellfeuergewehr Kalaschnikow AK-47. Ein spezielles Dach widersteht Sprengladungen, die von Drohnen abgeworfen werden könnten. „Darüber hinaus hält die Fahrgastzelle seitlichen Ansprengungen mit bis zu 15 Kilogramm TNT aus einer Entfernung von vier Metern stand“, so Produktmanager Johannes Lacher.

BMW X5 Protection, stehend
Safety-SUV: der BMW X5 Protection © Fabian Kirchbauer/BMW

Die verschiedenen Panzerungen liften das Gewicht von üblichen 2,4 Tonnen auf rund 3,2 Tonnen, sodass damit nur noch vier Insassen fahren können. Da die Fahrzeuge in den Schutzkolonnen oftmals überaus dynamisch bewegt werden, wird der Bayer aus Mexiko vom aufgeladenen, 530 PS starken V8 aus dem BMW X5 M50i angetrieben. Die Widerstandsklasse VR6 wird insbesondere von Polizei, BKA und LKA sowie als Begleitfahrzeug in Politiker-Kolonnen und im Botschaftsdienst benötigt. Zudem sind einige Sondereinheiten der Polizei in Fahrzeugen dieser Schutzklasse unterwegs. Rund 80 Prozent der Fahrzeuge gehen in den Dienst von Behörden und Organisationen. So viel verrät BMW – aber das war’s dann auch. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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