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Das Logo von BMW zeigt gar keinen Propeller, sondern ...

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Von: Christian Schulz

Das Emblem des Münchner Automobilkonzerns BMW zeigt einen stilisierten Propeller – denken die meisten von uns. Doch die Wahrheit hinter dem längst zur Ikone gewordenen Herstellerlogo ist eine ganz andere.

München – Es ist etwas mehr als 100 Jahre her, seit die Buchstaben BMW erstmals öffentlich erschienen sind. Seitdem repräsentieren sie eine der renommiertesten Automarken der Welt. Die Geschichte der Ursprünge von BMW reicht weit zurück – und hat ihre Wurzeln bei den 1913 von Karl Rapp gegründeten „Rapp Motorenwerken“. Dieser Hersteller von Flugzeugtriebwerken ist sicherlich dafür verantwortlich, dass sich noch heute im Logo von BMW ein stilisierter Propeller als Hommage an die Luftfahrtvergangenheit des Unternehmens befindet – oder ist alles ganz anders?

Das Logo des Münchner Autobauers BMW auf einem Auto

Das Logo des Münchner Autobauers BMW kennt fast jeder. Doch viele missverstehen seine Bedeutung. © Sina Schuldt/dpa

Das Firmenlogo von BMW zeigt gar keinen Propeller, sondern vielmehr ...

Erst mal ist wichtig, etwas über die Geschichte der „Rapp Motorenwerke“ zu wissen. Denn diese wurden schon im Jahr 1917 von einem gewissen Franz-Josef Popp übernommen, der unzufrieden mit der bisherigen Unternehmensleitung des Flugzeugmotor-Spezialisten war. Popp verpasste der Firma umgehend einen neuen Namen: Fortan handelte es sich um die „Bayerische Motorenwerke GmbH“ – kurz: BMW. Als diese neue Bezeichnung im Juli 1917 ins Register eingetragen wurde, besaß das Unternehmen noch kein Firmenemblem. (98 km/h drüber: Raser im BMW 7er liefert sich Duell mit Autobahn-Polizei)

Links das Logo der „Rapp Motorenwerke“, rechts ein frühes Logo von BMW

Aus dem Emblem der „Rapp Motorenwerke“ wurde schon bald das ikonische Logo der Weltmarke BMW. © BMW

Einige Monate später diente das Symbol der früheren „Rapp Motorenwerke“ BMW als Grundlage für ein eigenes Logo. Die Idee des schwarzen Rings wurde abgekupfert und auch der Schriftzug mit den drei heute weltbekannten Buchstaben wie bei Rapp in diesen integriert. Popp wollte, dass sich die bayerische Herkunft des Unternehmens auch in seinem Signet wiederfindet. Daher zeigen die Viertelkreise im Inneren des Rings die Landesfarben des Freistaats: Weiß und Blau. Dies allerdings in umgekehrter Reihenfolge. Der Grund hierfür: Gemäß des damaligen Markenschutzgesetzes war es verboten, Staatswappen oder Hoheitszeichen für kommerzielle Zwecke zu verwenden. (BMW M4: Designer kritisiert Optik – die Niere ist nicht mal das Problem)

Im Laufe der Jahre änderte der Konzern sein Logo mehrfach – so wurden beispielsweise die goldenen Ringe schließlich weiß. Doch auch wenn sich das BMW-Emblem stetig weiterentwickelt hat: Eine Legende hat alle Jahrzehnte überdauert. Die meisten von uns denken, dass das Markenzeichen von BMW den Propeller eines Flugzeugs darstellt. (Dieter Zetsche: Ausgerechnet dieses BMW-Video machte den Ex-Daimler-Boss legendär)

Eine Werbung für BMW-Flugzeugmotoren aus dem Jahr 1929

Eine frühe Werbung von BMW aus dem Jahr 1929 wirbt für die Flugzeugmotoren des Unternehmens. © BMW

Das Firmenlogo von BMW: Das bayerische Unternehmen stellte lange Flugzeugmotoren her

Der Grund für diese Annahme hat ja auch einiges für sich: Parallel zur späteren Produktion von Automobilen blieb BMW dem Flugzeugmotorenbau lange Zeit treu. So wurde etwa im Zweiten Weltkrieg das deutsche Kampfflugzeug „Focke-Wulf Fw 190“ von einem „BMW 801“-Motor angetrieben. Gerade im angestammten bayerischen Firmensitz war das Geschäftsfeld Luftfahrt lange das Kerngeschäft. (BMW M440i xDrive Coupé – dieser Trick am linken Schaltpaddel zündet ein Feuerwerk)

Doch mit Übernahme der „Fahrzeugfabrik Eisenach“ bot sich bereits ab dem Jahr 1928 die Möglichkeit, mit dem Modell „Dixi“ an den erfolgreichen Kleinwagenbau der thüringischen Traditionsmarke „Wartburg“ anzuknüpfen. Ab 1933 produzierten die „Bayerischen Motorenwerke“ dann mit dem „BMW 303“ das erste Auto mit Sechszylindermotor und dem berühmten Kühlergrill in Nierenform, der bis heute die Wagen der Marke kennzeichnet. Was kaum jemand weiß: Bis ins Jahr 1945 wurden die Pkw aus dem Hause BMW keineswegs in München gebaut – sondern ausschließlich in Eisenach. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung Deutschlands verlagerte sich diese Produktion nach Bayern. (Neuer BMW M3: JP Kraemer hat ihn schon gefahren – „Da wurde das Sams gehäutet ...“)

Ein BMW-Emblem wird im BMW-Werk Regensburg auf ein Fahrzeug der BMW 3er Reihe geklebt.

Wie hier beim BMW 3er ziert der vermeintliche „Propeller“ seit jeher den Kühlergrill mit der weltberühmten BMW-„Niere“. © Armin Weigel/dpa

Das Firmenlogo von BMW: Der Konzern ist für den „Propeller-Mythos“ mitverantwortlich

Am Mythos des BMW-Propellers ist der bayerische Automobilhersteller allerdings nicht ganz unschuldig – denn das Firmenlogo wurde des Öfteren in diesem Kontext verwendet: 1929 zum Beispiel zeigte eine Werbung ein Flugzeug mit dem BMW-Emblem im sich drehenden Rotor des Propellers. Der Hintergrund: Zu Beginn der Weltwirtschaftskrise wollte das Unternehmen einen neuen Flugzeugmotor bewerben. Die Propeller-Darstellung sollte dabei nochmals die besondere Kompetenz im Flugzeugbau unterstreichen. (BMW 530e: Den Plug-in-Hybrid gibt’s nur mit dieser massiven Einschränkung)

Ähnliche Darstellungen finden sich zuhauf. Dies ist der Grund für einen weitverbreiteten Irrtum. „Viele Leute glauben, beim BMW-Logo handle es sich um einen stilisierten Propeller. Aber die Wahrheit ist eine andere: Es sind die bayerischen Farben“, erklärt Fred Jakobs, der Leiter des historischen Archivs der BMW Group, in einem detaillierten Beitrag des Münchner Unternehmens zur Geschichte seines Emblems: „BMW selbst hat sich nie darum bemüht, dies aufzuklären. Und wer weiter am Mythos BMW-Propeller festhalten möchte, liegt damit ja nicht ganz daneben.“

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