Fragwürdige Automodelle

Autonamen-Fails: Die größten Pannen – was die Modellbezeichnungen tatsächlich bedeuten

  • Arne Roller
    vonArne Roller
    schließen

Die Ureinwohner Amerikas können über den Jeep Cherokee gar nicht lachen. Franzosen über Audis Elektroautos umso mehr. Und der Name des Mitsubishi Pajero ist bekanntermaßen ziemlich zweideutig.

  • Viele Autos vor allem durch ihre fragwürdigen Namen auf
  • Fremdsprachen sorgen bei Autonamen immer wieder für ungewollte Doppeldeutigkeiten
  • Auf der sicheren Seite fahren dagegen Bezeichnungen wie A6, E-Klasse oder 5er

München – Ein gutes Auto zu konstruieren, ist die eine Sache. Ihm einen wohlklingenden Namen zu geben, die andere. Die Geschichte des Automobils ist voll von gescheiterten, peinlichen oder skurrilen Benennungsversuchen. Dass die Modell-Terminologie auch heute noch ein Minenfeld sein kann, zeigen jede Menge Beispiele der Automobilgeschichte.

Eigentlich ist es ein normaler Vorgang: Geländewagenspezialist Jeep bringt ein neues Modell auf den Markt und bedient sich bei der Namensgebung an der eigenen Geschichte. Das neue Kompakt-SUV, mit dem die Marke neue Kundenkreise jenseits beinharter Offroad-Fans erschließen will, heißt Cherokee. Mit dem Namen will man nicht nur an den bis 2002 angebotenen Vorgänger anschließen, sondern auch vom Erfolg des seit 20 Jahren gebauten Luxus-SUV Grand Cherokee profitieren. Eigentlich bezeichnet der Name aber einen Stamm der Ureinwohner Amerikas.  

Der Ur-Cherokee kam 1974 auf den Markt.

Autonamen-Fails: Die größten Pannen – was die Modellnamen tatsächlich bedeuten

Grund genug für Kritiker, die Renaissance des eigentlich schon ausgemusterten Namens als Rückgriff auf ethnische Stereotypen zu verurteilen. Auch die Cherokee-Stammesmitglieder selbst sind laut „New York Times“ wenig begeistert, kämpfen sie doch seit Jahren gegen die Vereinnahmung ihrer Kultur. Auch der Grand Cherokee wird kritisiert, genießt aber so etwas wie Bestandsschutz. (Jeep Renegade 4x4 PHEV: Kleiner Weltenbummler unter Strom)

Bislang waren der Ureinwohner-Stamm mit dem Kampf um ihre Namensrechte durchaus erfolgreich. Und auch zahlreiche College-Sportteams haben in den vergangenen Jahren bereits ihre Maskottchen mit Feder-Kopfschmuck eingemottet und die Namen ihrer Football- und Baseball-Teams neutralisiert. Diverse Konsumgüter-Unternehmen haben ebenfalls Anspielungen an die Ureinwohner Amerikas aus ihren Produktbezeichnungen und Logos getilgt – so auch die ehemalige GM-Tochter Pontiac, die seit 1957 auf den federgeschmückten Kopf ihres Namensgebers (eines Häuptlings) verzichtet.

Autonamen-Fails: Ethnische Gruppen beschweren sich erfolgreich

Jeep-Mutter Fiat-Chrysler wird sich von den Protesten jedoch wohl kaum irritieren lassen, würde doch eine Umbenennung des Modells einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Doch das Beispiel zeigt, wie sensibel das Thema Autonamen immer noch ist. Die Amerikaner haben in dieser Beziehung durchaus eine eigene Historie. Zu den bekanntesten Missgriffen zählt die Benennung der 1929 gegründeten General-Motors-Tochtermarke Viking, die zu Protesten unter skandinavischen Einwanderern führte. Kaum ein Jahr später wurde sie wieder eingestellt, wobei allerdings auch die Wirtschaftskrise eine Rolle gespielt haben dürfte.

General Motors
SitzDetroit (USA)
Gründung1908
CEOMary Barra
Aktuelle MarkenChevrolet, Cadillac, Buick, GMC, Holden
Ehemalige MarkenPontiac, Plymouth, Viking, Oldsmobile uvm.

Skurril ist die Geschichte des Studebaker Dictator, der 1937 aus dem Programm genommen wurde, als Hitler und Mussolini den Amerikanern zunehmend unheimlich wurden. Eigentlich sollte der Name postulieren, dass das Modell den Standard für den künftigen Automobilbau „diktiere“.

Autonamen-Fails: Vor allem die Franzosen haben was zu lachen

Es gab und gibt immer wieder Namensprobleme, weshalb von der Industrie vermehrt Namensagenturen beauftragt werden anstatt selbst zu suchen. Einerseits geht es dabei um Political Correctness, aber auch um die Vermeidung linguistischer Verwirrungen. Zu den neueren gehört zweifelsohne Audis Wortschöpfung E-Tron, bedeutet „étron“ auf französisch doch so viel wie Kothaufen. Ähnlich unerwünschte Konnotationen weckte der Toyota MR2, dessen Modellbezeichnung in Frankreich wie „merde“ ausgesprochen wird – und etwas Ähnliches bedeutet wie étron. (Audi Q4 e-tron Sportback: Dieses Extra wird ein echter Hingucker)

Der Toyota MR2: Eigentlich ein gutes Auto, auch wenn der Name in Frankreich anderen Impressionen weckt.

Im spanischen Sprachraum hatte der Mitsubishi Pajero ein vergleichbares Problem, deutet die Modellbezeichnung doch auf jemanden hin, der sich dem Liebesspiel am liebsten solo hingibt. (Mitsubishi: Rückzug vom europäischen Markt – war’s das für immer?)

Autonamen-Fails: Mehr kuriose Beispiele und Doppeldeutigkeiten

  • Fiat Uno – „Uno“ heißt in Finnland so viel wie „Trottel“
  • Ford Kuga – „Kuga“ ist kroatisch für „Pest“
  • Ford Pinto – Ist im Portugiesischen eine verächtliche Bezeichnung für das männliche Geschlechtsteil
  • Mitsubishi iMIEV – Klingt für deutsche Ohren nach schlechtem Geruch
  • Toyota Opa – War nur in Japan erhältlich und die Zielgruppe eher jung
  • Volkswagen Phaeton – Phaeton war der Sohn von Sonnengott Helios und fuhr Papas Wagen zu Schrott

Kein Wunder also, dass Kunstwort-Bezeichnungen wie etwa Lexus, Infiniti oder Lavida (Volkswagen-Modell in China) bei Neubenennungen hoch im Kurs stehen. Vor allem Premiumhersteller schreiben gerne auch abstrakte Ziffernkombination auf den Kofferraumdeckel – denn damit besteht kaum die Gefahr von Missverständnissen. Und Zahlen unterstreichen gleichzeitig Ingenieursanspruch und Technikaffinität. (Holger Holzer/SP-X)

Rubriklistenbild: © Toyota/Mitsubishi/Audi

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema