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Audi RS Q e-tron für Rallye Dakar: Elektro-Koloss mit 300-Liter-Tank

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Von: Sebastian Oppenheimer

Mit dem gewaltigen RS Q e-tron will Audi durch die Wüste donnern und die Dakar-Rallye bestreiten – natürlich rein elektrisch, jedenfalls fast.

Neuburg an der Donau – Der Koloss aus Carbon, Gitterrohr und Stollenreifen passt kaum in die Montagehalle von Audi Sport in Neuburg an der Donau: 4,50 Meter lang, gigantische 2,30 Meter breit, mehr als zwei Meter hoch und zwei Tonnen schwer – allein beim Anblick des Audi RS Q e-tron dürfte der Konkurrenz Hören und Sehen vergehen. Er will sie schnupfen, wenn er mit Vollgas durch die endlosen Wüsten Saudi-Arabiens donnert – natürlich ökologisch verträglich. Noch nie hat ein Team oder eine Automarke versucht, die schwerste Wüstenrallye der Welt mit einem Elektroauto zu gewinnen. Audi, bisher allein auf allen erdenklichen Rundstrecken hochdekoriert, will die Dakar gewinnen. Zwar nicht beim ersten Versuch, aber wohl 2023 oder 2024, und damit seinem Motorsport-Image einen grünen Anstrich geben und seine Elektro-Submarke nicht nur an der Ladesäule aufladen. (Audi quattro kommt als E-Auto wieder – allerdings nicht von Audi)

Fahraufnahme eines Audi RS Q e-tron
Elektro-Koloss: Mit dem RS Q e-tron will Audi bei der nächsten Dakar-Rallye an den Start gehen. © Audi Sport

Audi RS Q e-tron für Rallye Dakar: Elektro-Koloss mit 300-Liter-Tank

Ein Projekt, das auf den ersten Blick nur mäßig zu Audi zu passen scheint. Schließlich wollen die Ingolstädter in den kommenden Jahren zur elektrischen Luxusmarke mutieren. Da Emotionen und Hightech-Anspruch dabei nicht zu kurz kommen sollen, wurde das Motorsport-Programm neu ausgerichtet. Und man will ab 2023 nicht nur nach Le Mans zurückkehren, wo man die internationale Konkurrenz mehr als ein Jahrzehnt in Grund und Boden gefahren hat, sondern begibt sich mit dem sandigen Untergrund von Saudi-Arabien auf völlig neues Terrain für die vier Ringe.

Bereits bei der nächsten Auflage der Dakar Rallye vom 2. bis zum 14. Januar 2022, ausgefahren in Saudi-Arabien, geht Audi mit drei Fahrzeugen an den Start. Die Fahrerbesetzung könnte mit den Mehrfach-Siegern Stéphane Peterhansel / Edouard Boulanger, Mattias Ekström / Emil Bergkvist und Carlos Sainz / Lucas Cruz kaum besser sein. Für Umsetzung und Entwicklung hat Audi Sport mit Sven Quandt und seinem Q-Rennteam einen der größten Experten in Sachen Dakar-Rallye ins Boot geholt. An der Erfahrung wird es daher nicht liegen und so gilt es jetzt, mit Hochdruck ein konkurrenzfähiges Fahrzeug zu entwickeln. Das erste Modell lief gerade vom Stapel und sein Auftritt ist mehr als imposant. (Audi rüffelt YouTuber – weil er mit schickem Testwagen nach der Flut hilft)

Fahraufnahme eines Audi RS Q e-tron
Die Systemleistung des Audi RS Q e-tron wird in der finalen Version bei rund 300 kW (408 PS) liegen. © Audi Sport

Audi RS Q e-tron für Rallye Dakar: Kein einziger Sponsoring-Aufkleber

Der Wüstenkoloss mit Namen Audi RS Q e-tron fällt nicht allein durch seine schiere Größe auf, sondern auch durch die fehlenden Werbesticker. Während die Konkurrenz oder andere Motorsport-Bereiche auf der Suche nach Sponsorengeldern jeden nur möglichen Quadratzentimeter an ihren Rennwagen mit Werbebannern zukleistern, trägt der RS Q e-tron ein mattes Grau mit grellroten Elementen und dem neuen Markenslogan „Future is an Attitude“. Werbepartner? Fehlanzeige. Audi will das eigene Design und die Technologie puristisch in Szene setzen. Dabei gab es Anfragen genug. Doch Audi wollte nicht und bringt so eine neue Note ins Motorsport-Sponsoring. (Legende Automobiles Turbo 3: Heiße Restomod-Version des Renault 5 Turbo)

Audi RS Q e-tron für Rallye Dakar: Batterie-Kapazität von nur 50 kWh

Doch die echte Schau sind nicht die fehlenden Werbebotschaften, sondern der Antrieb. Unter der spektakulären Carbonkarosse gibt es Reglement-bedingt einen Gitterrohrrahmen, der ebenfalls auf einer Carbonplatte aufsetzt. Dazu werkelt an Vorder- und Hinterachse jeweils einen Elektromotor, der sonst in einem Formel-E-Renner seiner Arbeit verrichtet. Leistet er hier aktuell 250 kW / 340 PS, so wird die Systemleistung des Wüstenallradlers wohl bei rund 300 kW / 408 PS liegen. Die genauen Werte hängen am Reglement, das noch nicht finalisiert ist. Gespeist werden die beiden jeweils 33 Kilogramm schweren Elektromotoren vom Typ MGU Formel E S7 von einer nur 50 kWh großen Batterie unter den beiden Rennschalensitzen des e-tron, deren 13 Module aus 266 Zellen bestehen. Das Batteriepaket mit seinen 375 Kilogramm erscheint kaum groß genug, um mit Höchstgeschwindigkeiten von 170 km/h rein elektrisch lange Etappen zu bewältigen. „Auch die Batterie ist eine Eigenentwicklung, die wir gemeinsam mit einem Partner realisiert haben“, erklärt Stefan Dreyer, Entwicklungschef von Audi Sport für die Motorsport-Projekte.

Fahraufnahme eines Audi RS Q e-tron
Die Batterie des Audi RS Q e-tron ist eine Eigenentwicklung. © Audi Sport

Audi RS Q e-tron für Rallye Dakar: DTM-Vierzylinder als Range Extender

Die Charakteristik der Rallye Dakar stellt die Ingenieure dabei vor außergewöhnliche Herausforderungen. Der Marathon-Event dauert zwei Wochen, die Tagesetappen sind bis zu 800 Kilometer lang. „Das ist eine sehr lange Distanz“, betont Andreas Roos, bei Audi Sport für das Dakar-Projekt verantwortlich: „Was wir versuchen, hat noch niemand probiert. Für einen Elektroantrieb ist das die ultimative Challenge.“ Wenn sich das am Start vollgeladene Akkupaket dem Ende neigt, wird es von einem Verbrenner während der Fahrt stetig nachgeladen. Dafür verfügt der Audi RS Q e-tron über das Hochleistungstriebwerk aus der alten DTM-Serie. Der zwei Liter große Vierzylinderturbo wurde leicht modifiziert und arbeitet als Range Extender. Dafür wurde er mit seinen bis zu 600 PS wüstentauglich gemacht. Musste er im Rundstreckenrennen bis zu 9.000 Touren drehen, bevor der Gangwechsel erfolgte, arbeitet der 100 Kilogramm schwere Verbrenner als Energielieferant in dem Dakar-Renner zwischen 4.500 und 6.000 U/min in nur einem Gang, da er besonders effizient laufen soll.

Fahraufnahme eines Audi RS Q e-tron
Ein einst in der DTM eingesetzter Vierzylinder dient dem Audi RS Q e-tron als Range Extender. © Audi Sport

Audi RS Q e-tron für Rallye Dakar: Rund 300 Liter Sprit passen in den Tank

„Der Tank verfügt über ein Volumen rund 300 Litern“, erklärt Sven Quandt, „die anderen Fahrzeuge haben 500 Liter. Wir rechnen aktuell mit einem Verbrauch von 200 Gramm pro Kilowattstunde und hoffen, dass wir noch weiter runterkommen.“ Die Fahrtests von Auto Nummer eins haben gerade begonnen und noch im Sommer soll das zweite Fahrzeug aufgebaut werden. Komplett wird das Rallye-Trio jedoch erst kurz vor Jahresende. Und bevor es zur Dakar 2022 nach Saudi-Arabien geht, will man mit einem oder zwei Fahrzeugen noch ein paar Test-Rallyes in Afrika oder den Vereinigten Arabischen Emiraten absolvieren, um nicht unangenehm überrascht zu werden. „Wir sind sicher, dass wir noch den ein oder anderen Rückschlag erleben werden, lächelt Sven Quandt, „alles andere wäre nicht normal. Doch bisher läuft wirklich alles sehr gut.“ (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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