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Autoradio mit Kassette: Durch diese Erfindung ist es immer noch aktuell

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Es gibt Erfindungen, deren Bedeutung erst viel später sichtbar wird. In diese Kategorie fällt wohl auch die eines US-Amerikaners – sie ebnete CD- und MP3-Player den Weg ins Fahrzeug.

Alexandria (Virginia) – Für viele Jugendliche ist das Wort „Kassette“ heutzutage gänzlich unbekannt. Dass es dieses Medium (der exakte Fachausdruck lautet eigentlich Kompaktkassette) war, das vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren die gewünschte Musik ins Auto brachte, wissen sie nicht mehr. Und auch nicht, was es für eine stundenlange Arbeit war, die Lieder von Schallplatten – und später dann CDs – auf Band zu überspielen (das Auffädeln eines Bandsalats nicht mitgerechnet). Ein „Mixtape“ war ein beliebtes Geschenk, zeigte es doch, dass der Macher viel Mühe in etwas investiert hatte. Doch das digitale Zeitalter bedeutete den schleichenden Tod für die Kassette.

Autoradio mit Kassette: Diese Erfindung hält es bis heute aktuell

Das digitale Musikzeitalter läutete die Compact Disc (CD) ein – sie etablierte sich vor allem zunächst in Stereo-Anlagen im Wohnzimmer. CD-Spieler für das Auto kamen erst später auf den Markt – und waren zu Beginn natürlich sehr teuer. Im Laufe der Zeit wurden die CD-Player aber immer kleiner und es gab die ersten tragbaren Geräte (Discman). Was also tun, wenn man so Gerät besaß – und damit auch im Auto Musik hören wollte? Die Lösung dafür kam von einem Tüftler namens Larry Schotz. Der US-Amerikaner ließ sich im Jahr 1986 die Adapter-Kassette patentieren. Zunächst wurde das Gerät von einer Firma namens Recoton vertrieben, wie die Patent-Schrift verrät.

Autoradio mit Kassette: Diese Erfindung ebnete dem Discman den Weg ins Auto

Im Patent selbst wird das Produkt etwas umständlich beschrieben: „Diese Erfindung bezieht sich auf einen Adapter [...] zur Verwendung mit einem herkömmlichen Kassettenwiedergabedeck, um es diesem Deck zu ermöglichen, Signale wiederzugeben, die von einem anderen Gerät (wie z. B., aber nicht ausschließlich, einem Compact-Disc-Spieler) erzeugt werden.“ (Tesla schmeißt Radio per Update aus Autos: Wer’s zurückkriegen will, muss zahlen)

Das Problem: Gerade die frühen tragbaren CD-Player waren extrem schockempfindlich. Das heißt, schon bei leichtem Gerüttel – wie es auf den meisten Autofahrten vorkommt – kam es zu nervigen Aussetzern. Deshalb dürften viele Käufer der Adapter-Kassette schon nach kurzer Zeit das Geld für einen echten Auto-CD-Spieler in die Hand genommen haben, der mit den Vibrationen des Fahrzeugs besser klarkam. Andererseits haben manche Kunden die „Hüpfer“ womöglich gerne in Kauf genommen, weil der Discman gegenüber der Kassette einen ganz entscheidenden Vorteil bot: Es entfiel das Vor- und Zurückspulen des Bandes. Stattdessen konnte man ein weniger ins Herz geschlossenes Lied ganz einfach überspringen. (Konnektivität: Was das Smartphone als Auto-Fernbedienung heute schon kann)

In den 1970er- und 1980er-Jahren feierte die Kompaktkassette in Autoradios ihren Siegeszug.

Adapter-Kassette: Auch heute wird die Erfindung von Larry Schotz noch gekauft

Weil Kassetten-Radios sehr lange verbaut wurden, erlebten viele dieser Autos im Alter auch noch die Blütezeit der MP3-Player. Und da erwies sich die Adapter-Kassette schon wieder als ideal: Sie kostete nicht viel und bot Anschluss, um Tausende von gespeicherten Songs abzuspielen. Und noch immer hat die Erfindung von Larry Schotz nicht ausgedient: Wer ein Auto mit Kassettendeck fährt, kann heutzutage sein Smartphone darüber andocken – und beispielsweise den Navi-Anweisungen von Google Maps über die Lautsprecheranlage folgen. Wer dagegen einen – vor allem in den 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre besonders beliebten – CD-Spieler im Auto verbaut hat, guckt in die Röhre. In diesem Fall hilft aber eine andere Möglichkeit weiter: die Übertragung vom Smartphone per Funksignal ans Radio mit einem sogenannten FM-Transmitter. (Active Noise Cancellation: Technik eliminiert Störgeräusche – und hat weiteren positiven Effekt)

Die Adapter-Kassette war übrigens bei Weitem nicht die einzige Erfindung des Elektro-Ingenieurs Larry Schotz – wie ein Blick auf seine Patentübersicht zeigt. Unter anderem entwickelte er auch sehr früh kabellose Lautsprecher. Was die Adapter-Kassette als Erfindung so besonders macht, ist, dass es sich um eine Überbrückungstechnik handelt: Sie stellt die Verbindung von der analogen zur digitalen Welt her – und ist heute schon ab etwa zehn Euro zu haben. Ob Larry Schotz damals schon geahnt hat, wie bedeutend seine Erfindung einmal werden würde?

Rubriklistenbild: © imago images / agefotostock

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