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Experten testen Fahrerüberwachungssysteme: Großteil nutzlos

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Von: Sebastian Oppenheimer

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Experten der US-Verbraucherorganisation Consumer Reports haben Fahrerüberwachungssysteme getestet. Unter anderem fielen BMW und Tesla dabei durch.

Yonkers (USA) – Nahezu alle Autohersteller bieten inzwischen umfangreiche Fahrerassistenzsysteme an. Je nach Preisklasse ist das Auto dann – in bestimmten Fahrsituationen – in der Lage, kurze Zeit die Aufgaben des Fahrers zu übernehmen. Weil es sich aber bei diesen Systemen eben nicht um echte „Autopiloten“ handelt, muss der Fahrer den „steuernden Computer“ ständig überwachen – um sofort eingreifen zu können. Das Problem: Sind diese Systeme aktiviert, pfeifen viele Lenker auf die Überwachung – und widmen sich anderen Dingen – was in schlimmen Unfällen enden kann. Immer wichtiger werden deshalb sogenannte Fahrerüberwachungssysteme, die sicherstellen sollen, dass die Person hinter dem Lenkrad auch bei aktivierten Assistenzsystem wirklich aufmerksam ist.

Experten testen Fahrerüberwachungssysteme: Großteil nutzlos

Der Mensch soll also den Computer überwachen – und der wiederum den Menschen. Klingt im ersten Moment natürlich etwas paradox, ist aber im Moment durchaus wichtig. Denn immer wieder treiben Autobesitzer allerlei Blödsinn mit diesen Systemen – wie etwa in diesem Fall, als ein Hund hinter dem Steuer eines fahrenden Teslas saß. Denn beispielsweise bei Tesla lassen sich die Überwachungssysteme, die genau so etwas verhindern sollen, leicht austricksen, wie Experten zeigten.

Ein Mann schläft hinter dem Lenkrad
Schlafen bei Benutzung des „Autopiloten“? Fahrerüberwachungssysteme sollen das verhindern. © Agefotostock/Imago

Experten testen Fahrerüberwachungssysteme: Noch nicht alle setzen die Technik ein

Die US-Verbraucherorganisation Consumer Reports (CR), die jährlich im Februar ihre „Top Picks“ – also eine Liste der besten Autos – veröffentlicht, legt deswegen nun bei ihrer Bewertung verstärkt Wert auf die Fahrerüberwachungssysteme. Laut CR verwenden die meisten Hersteller Infrarotkameras, um die Kopf- und Augenbewegungen des Fahrers zu überwachen. Stellen diese eine Unaufmerksamkeit fest, können sie den Fahrer „wachrütteln“ mittels Bremseingriff oder akustischen Warnsignalen. Den Experten zufolge wäre es ideal, wenn der Alarm bei Nichtreaktion immer weiter eskaliert wird. Falls der Fahrer immer noch nicht reagiert, sollte das System das Fahrzeug im Idealfall „so sicher wie möglich“ zum Stehen bringen.

Wie CR berichtet, haben aber bislang nur eine „Handvoll Autohersteller“ solche Systeme an Bord – darunter BMW, Ford, GM, Tesla und Subaru. Und genau diese fünf Systeme haben sich die Experten angeschaut.

Experten testen Fahrerüberwachungssysteme: Tesla antwortet nicht auf Fragen

Das Ergebnis war eher ernüchternd: Nur zwei der fünf Systeme erfüllten überhaupt die „Standards für die Wirksamkeit“. Unter anderem fiel Teslas-Autopilot durch. In den getesteten Modellen Y und S mit der Softwareversion 11.0 hätten die Tester festgestellt, dass Fahrer den „Autopilot“ nutzen konnten, obwohl die Kabinenkamera vollständig abgedeckt gewesen sei. Dies mache den Zweck des Überwachungssystems zunichte, so die Experten. Bemerkte die Kamera, dass die Augen des Fahrers nicht auf die Straße gerichtet waren, verkürzte die Tesla-Fahrzeuge den Zeitraum, in dem der Fahrer die Hände vom Lenkrad nehmen konnte. Aber solange der Fahrer die Hände am Lenkrad ließ, warnte das Fahrzeug gar nicht – egal ob der Fahrer auf die Straße schaute oder nicht. Auf Fragen von CR antwortete Tesla nicht. (Unfall mit Autopilot: Tesla-Fahrer wegen Totschlags angeklagt)

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Experten testen Fahrerüberwachungssysteme: BMW kann nicht überzeugen

Aber auch der bayerische Hersteller BMW konnte die US-Tester nicht überzeugen. Zwar würden die Münchner bei Verwendung des Stauassistenten die Fahrerüberwachungskamera aktivieren – jedoch nur bei Geschwindigkeiten unterhalb von 40 Meilen pro Stunde (rund 64 km/h). Bei höheren Geschwindigkeiten hätten sich im getesteten BMW X7 der adaptive Tempomat und der Spurhalteassistent mit abgedeckter, beziehungsweise ausgeschalteter Kamera aktivieren lassen. Ein BMW-Sprecher erklärte gegenüber CR, dass das System so konzipiert sei, dass bei Geschwindigkeiten jenseits von 40 Meilen pro Stunde kein vollständig freihändiges Fahren möglich sei. (Sammelklage gegen BMW: Getränkehalter angeblich mangelhaft)

Experten testen Fahrerüberwachungssysteme: GM und Ford schneiden zufriedenstellend ab

Und auch das Subaru-System fiel durch – unter anderem, weil es sich per Menü vollständig abschalten ließ. Halbwegs brauchbar seien laut den CR-Testern nur die Systeme von Ford (BlueCruise) und GM (SuperCruise) gewesen. Im getesteten Ford Mach-E GT hätte sich das System nicht aktivieren lassen, wenn die Kamera abgedeckt gewesen sei. Sobald der Fahrer die Augen schloss, oder 5 Sekunden von der Straße wegschaute, warnte das System optisch und akustisch. Reagierte der Fahrer immer noch nicht, bremste das Fahrzeug kurz, um den Fahrer wachzurütteln – passierte weiter nichts, bremste das System das Auto bis zum Stillstand. Beim GM-System, das die CR-Experten an mehreren Chevrolet und Cadillac-Fahrzeugen testeten, war es den Angaben zufolge ähnlich.

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