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Elektroauto gegen Verbrenner im Vergleich: Mercedes EQC oder GLC – welcher SUV ist besser?

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Von: Rudolf Bögel

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Mercedes GLC Coupé silber Front
Großer Kühler, mächtige Streben. Der Auftritt des GLC Coupé ist, positiv gesehen, ziemlich selbstbewusst. © DaimlerAG - Global Communication

Alte Welt gegen neue Welt. Kann der Elektro-SUV EQC den Verbrenner GLC schlagen? Ein Duell Mercedes gegen Mercedes.

Ausnahmsweise treten zum Vergleichstest zwei Autos aus dem gleichen Konzern an. Zwei SUV‘s*, eine technische Basis – aber zwei verschiedene Antriebstarten. Der Mercedes GLC (seit Ende 2015) fährt wahlweise mit Benzin, Diesel oder neuerdings sogar als Plug-In-Hybrid. Der Mercedes EQC ist ein reines Elektroauto, das erste seiner Art, und seit über zwei Jahren auf dem Markt. Beide sind eng verwandt, denn der E-SUV basiert auf der Konstruktion des GLC.

Mercedes EQC weiß Front
Elegant und ein wenig knuffiger. Der EQC wirkt nicht ganz so agressiv wie so mancher SUV. © Daimler AG - Global Communication

Checkpunkt 1: Wer sieht besser aus?

Schönheit liegt ja immer auch im Auge des Betrachters. Der GLC als Coupé ist nicht umsonst eines der populärsten Autos von Mercedes. Es steht knackig auf der Straße, die nach hinten abschwingende Dachlinie wirkt ziemlich elegant, das Heck stramm. Ein SUV wie er im Buche steht. Es ist diese Art von mächtigem Auftritt, die dieser Fahrzeuggattung auch so viel Kritik einbringt.

Der EQC hingegen weist rundere Formen auf, die Linien sind fließend, irgendwie kommt das Elektro-Auto knuffiger rüber. Was vielleicht auch daran liegt, dass der EQC einen geschlossenen Kühler hat und dadurch auch weniger großmäulig und angeberisch wirkt.

Mercedes GLC Coupé Cockpit
Ziernähte, Runddüsen, Karbon. Die alte Verbrenner-Welt sieht man dem GLC Coupé auch innen an. © DaimlerAG - Global Communication

…und die inneren Werte?

Im Interieur setzen sich diese Designlinien fort. Hier der Klassiker mit viel motzigem Bling-Bling wie gelbe Ledernähte, Karbon auf dem Armaturenbrett und die turbinenartigen verchromten Luftdüsen. Dort die unterkühlte Schönheit eines E-Fahrzeugs. Bei Mercedes hat man sich als Ausdruck dafür die Farbe Rosé-Gold ausgesucht, die man zum Beispiel auf den flach gezeichneten und unaufgeregten Belüftungsklappen findet. Wohnzimmer-Atmosphäre strahlt die Spangen-Optik des Armaturenbretts aus, die bis in die Türen fortgeführt wird und Behaglichkeit ausstrahlt.

Mercedes EQC Cockpit
Modern, aufgeräumt, sachlich. So wirkt das Cockpit des Mercedes EQC, auffälig ist nur die Farbe Rosé-Gold. © Daimler AG - Global Communication

Lesen Sie auch: Elektroautos im Check: Die wichtigsten Fragen zur E-Mobilität.

Checkpunkt 2: Wer hat mehr Power?

An dieser Stelle wird das Duell leider ungleich: Denn hier punktet der EQC voll. Jeweils auf Vorder- und Hinterachse sitzen die beiden E-Motoren, die es gemeinsam auf stattliche 408 PS bringen. Mit der Wucht des sofort einsetzenden Drehmoments von 760 Newtonmetern (Nm) erreicht der Elektro-Benz innerhalb von 5,1 Sekunden die 100 km/h-Marke. Eine erstaunliche Leistung, denn der SUV wiegt schwer. Knapp 2,5 Tonnen bringe er auf die Waage, davon steuert der 80 kWh-Akku alleine schon 650 Kilogramm bei. Dass der EQC eine übergewichtige Wuchtbrumme ist, merkt man beim Fahren überhaupt nicht. Der intelligente Allradantrieb verschiebt die Leistung so geschickt von vorne nach hinten, dass man sich permanent wie in einer Drang- und Sturmzeit fühlt. Die schweren Batteriezellen im Unterboden sorgen für die nötige Bodenhaftung, die Stabilitätsassistenten fangen den elektrischen Schwerenöter in den Kurven immer wieder ein. Selten ein so schweres Auto so leichtfüßig über Stadt- und Landstraßen gelenkt.

Mercedes GLC Coupé Heck
Macht auch von hinten eine gute Figur. Der Mercedes GLC ist der populärste SUV bei den Daimler-Kunden. © DaimlerAG - Global Communication

…da hat der Verbrenner natürlich keine Chance?

Zunächst einmal: So ganz Verbrenner ist das GLC 300 4matic Coupé auch wieder nicht. Denn der Reihen-Vierzylinder ist mit einem Starter-Generator verknüpft. So eine Art elektrischer Hilfsmotor, der zwar nur 10 zusätzliche kW in die Waagschale wirft, aber mit 150 Nm Drehmoment der Beschleunigung noch einen entscheidenden Kick mitgibt. Dabei ist der Zweiliter-Benziner allein schon nicht unbedingt schwach auf der Brust. 258 PS setzt er in den vier Brennkammern frei. Gemeinsam sind die beiden stark – immerhin zischt das Coupé in 6,3 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Hat ja auch weniger zu schleppen.

Mit 1,8 Tonnen ist der GLC schon ein echtes Leichtgewicht, wenn man ihn mit dem EQC vergleicht. Dass der Benziner mit einem Startergenerator zusammenarbeitet (das ganze nennt sich Mild-Hybrid), merkt man beim Fahren nicht, so sauber haben die Techniker die Übergänge gestaltet. Der Motor kommt ein wenig brummig daher, kein Wunder, wenn man aus zwei Litern Hubraum so viel PS kitzelt. Das Fahrverhalten ist ähnlich agil wie beim Elektro-Bruder, auch hier wirkt der Allradantrieb segensreich auf Traktion und Kurvenverhalten.

Bei der Endgeschwindigkeit hat der herkömmliche GLC die Nase weit vorne. Zumindest solange es kein Tempolimit auf den deutschen Autobahnen gibt. Mit 240 km/h in der Spitze lässt er den E-Daimler voll stehen. Denn der zieht nur bis Tempo 180 mit. Nicht weil er nicht kann, sondern weil er nicht darf. Hohe Geschwindigkeiten ziehen zu viel Strom aus dem Akku.

Mercedes-Benz EQC Motorraum
Hier brummt nichts, hier bollert nichts. Unter der Motorhaube des EQC verbirgt sich hauptsächlich die Elektronik. © Daimler AG - Global Communication

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Checkpunkt 3: Wer braucht, wie viel Energie?

Bei den Verbräuchen gibt es immer zwei Welten. Die von den genormten offiziellen Angaben und das, was tatsächlich an Benzin oder Strom aus Tank oder Batterie gezogen wird. Da gibt es keinen Unterschied zwischen Verbrenner und der E-Mobilität. Fangen wir beim Benziner an. Der sollte auf 100 Kilometern so zwischen acht und neun Litern verbrennen. Vielleicht mit eingeschlafenem Gasfuß, denn wir konnten bei unseren Testfahrten nur mit Mühe bei knapp unter zehn Litern landen. Wer die Pferdchen galoppieren lässt, der landet schnell bei zwölf Liter und mehr, je nachdem, wie viele Passagiere und Gepäck mit an Bord sind. Bei einem Benzinpreis um die 1,60 Euro liegt man damit zwischen 16 und 19 Euro Kosten pro 100 Kilometer.

 Mercedes-Benz EQC Aufladen
In 40 Minuten auf 80 Prozent. Mit 110 kW wird der EQC geladen, und holt damit wieder ordentlich Reichweite. © Daimler AG - Global Communication

…und ist das Elektroauto wirklich sparsamer?

Auf dem Papier begnügt sich der EQC mit 21 – 25 kWh, laut dem angeblich realistischerem WLTP-Messverfahren. Doch auch hier zeigt sich in der Praxis: Diese Angaben sind Schall und Rauch. Wir lagen bei einem Streckenmix von einem Drittel Landstraße, einem Drittel Autobahn und einem Drittel Stadt-Betrieb bei über 27 kWh. Dabei blieb der Gasfuß immer schön locker, nur gelegentlich fuhren wir Geschwindigkeiten jenseits der 130 km/h. Denn ab da entwickelt sich ein E-Auto zu einem absoluten Energiefresser.

Legt man einen günstigen Öko-Stromtarif von 0,30 Cent pro Kilowattstunden zu Grunde, landet der EQC im günstigsten Fall bei acht Euro Kosten auf 100 Kilometern. Die können aber auch schnell explodieren, weil die Stromtarife in Deutschland – zum Teil vogelwild – auseinanderklaffen. 0,79 Cent pro kWh sind keine Seltenheit, das macht dann gleich 21 Euro auf 100 Kilometer aus. Apropos Aufladen: Mittlerweile hat Mercedes nachgearbeitet und dem EQC einen 11-kW-Lader für Wechselstrom eingebaut, womit man unter idealen Bedingungen in 7 Stunden 30 Minuten wieder einen vollen Akku zur Verfügung hat. Bei Gleichstrom geht es in 40 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Was für den Verbrauch gilt, das trifft auch auf die Reichweite zu. Von den über 400 Kilometern bleiben in der Praxis meistens nur 300 übrig: So war es zumindest bei unserem Test.

Mercedes GLC Coupé Kofferraum
Beim Platzangebot schlägt der GLC, und sogar das Coupé, den Elektro-Benz EQC um Längen. © DaimlerAG - Global Communication

Checkpunkt 4: Wer hat mehr Platz und wer zieht mehr?

Hier zieht der Elektro-Benz immer den Kürzeren, naturgemäß, weil die Batterie nicht nur schwer ist, sondern Platz beansprucht. Was den Komfort für Passagiere angeht – hier nehmen sich EQC und GLC Coupé eher nichts. Bei beiden wird es hinten in der Höhe ein wenig knapp. Aber schon beim Kofferraum hat der E-Benz das Nachsehen. 355 statt 500 Liter, bei umgeklappter Rücksitzbank sind es immerhin 1.230 Liter, aber immer noch 170 weniger als beim Verbrenner. Auch bei der Zuladung sieht es bitter aus. Elektroauto 380 Kilogramm, Benziner 610 Kilo. Da muss man schon genau abwägen, ob neben dem ein oder anderen vielleicht zu gut genährten Passagier noch ein Koffer mitgenommen werden kann. Auch beim Thema Anhänger verliert der EQC. 2,4 Tonnen darf das GLC Coupe ziehen, der EQC nur 1,8 Tonnen, wenn der Hänger bremsen kann. Was allerdings nicht schlecht ist für einen Elektro-SUV. Und im übrigen auch keine Selbstverständlichkeit.

Mercedes GLC Coupé Geländefahrt
Alleskönner im Gelände. Mit dem Mercedes GLC kommt man fast überall durch, auch dank Allrad. © DaimlerAG - Global Communication

Checkpunkt 5: EQC oder GLC – wer macht das Rennen?

Schauen wir uns das Preis-Leistungsverhältnis einmal genauer an. Wenn man beim EQC Herstellerprämie und Umwelt-Zuschuss vom Bund abzieht, landet man bei knapp 58.000 Euro Anschaffungspreis. Das GLC Coupé landet sogar knapp 2.000 Euro drüber. Im täglichen Betrieb dürfte der E-Mercedes, was den Verbrauch angeht, um einiges günstiger sein, immer unter der Voraussetzung man kann zu Hause zu vernünftigen Preisen laden. Was Platz, Zuladung und Reichweite angeht – so ist der EQC salopp gesagt ein Auto für den Hausgebrauch. Ein ideales Pendler-Gefährt, komfortabel und spritzig je nach Bedarf. Wer allerdings ein robustes, geländetaugliches Familienauto braucht, mit dem er in den Urlaub fahren kann, der muss auf den GLC zurückgreifen – und zwar nicht unbedingt auf das Coupé. Noch einen gravierenden Nachteil hat der das erste reine Elektro-Auto von Mercedes. Um damals schnell auf den Markt zu kommen, musste man von der Entwicklung her auf eine bestehende Fahrzeug-Architektur aufsetzen. Seine Herkunft als einen auf Elektromobilität umgemodelter Verbrenner kann er auch heute nicht verleugnen. (Rudolf Bögel) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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