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Elektroautos: Darum müssen sie in Zukunft wieder Lärm machen

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Von: Marcus Efler

Schluss mit Ruhe: Bald schon müssen Elektroautos einen Warnton erzeugen. Dabei gäbe es eine bessere Technologie, um Fußgänger zu schützen.

Brüssel – Solche Situationen entstehen mittlerweile immer öfter: Man spaziert oder radelt nichtsahnend durch die Anwohner-Straße, wechselt mal eben die Straßenseite oder weicht in großem Bogen einem geparkten Auto aus und wäre – ups! – fast unter einem fahrenden Pkw gelandet. Einem Tesla oder anderem Elektroauto, das nahezu lautlos über die Straße surrt, weil ihm das Geräusch eines Verbrennungsmotors fehlt. (Nächster Porsche Macan wird elektrisch – letzte Chance für den Benziner)

Darum müssen auch Elektroautos künftig wieder Krach machen

Um solche Situationen zu entschärfen, müssen laut EU-Gesetzgebung neue Modelle, die rein elektrisch fahren können, ab 1. Juli einen Warnton von sich geben. Bis zu einem Tempo von 20 km/h soll ein elektrisch erzeugter Sound akustisch signalisieren: Hoppla, hier kommt was! Fährt ein Auto schneller, übernehmen das die Abrollgeräusche der Reifen, das dann ohnehin auch Verbrenner-Geräusche übertönen würde. Doch in Wohngebieten, vor allem verkehrsberuhigten Zonen („Spielstraßen“), wo für Autos Schritttempo gilt, wird es wohl nichts mit neuer Ruhe durch alternative Antriebe. (Mini Cooper SE im Test: Neues Multitone-Dach ist ein Hingucker)

Der BMW Vision M Next in der Absorberhalle auf dem BMW-Testgelände in Aschheim bei München (Symbolbild)
Der BMW Vision M Next in der Absorberhalle auf dem BMW-Testgelände in Aschheim bei München (Symbolbild) © BMW AG/Daniel Kraus

Wie Elektroautos künftig klingen werden: Sound als Markenzeichen

Immerhin: Das simulierte Brüllen eines V8 bleibt Anwohnern erspart. Denn das AVAS (steht für Acoustic Vehicle Alert System; dt.: „Fahrzeug-Warngeräusch-Generator“) darf nicht mehr Krach machen als ein vergleichbarer Pkw mit Verbrennungsmotor. Für Autohersteller bietet sich immerhin die Chance, einen charakteristischen Sound zu entwickeln, der die typischen Geräusche von Dieseln oder Benzinern ersetzen kann. So arbeitet etwa BMW für sein Sound-Design mit dem deutschen Filmmusik-Komponisten Hans Zimmer zusammen. Und dass Sportwagen anders klingen sollten als Cityflitzer, ist den Programmierern ebenfalls klar. (Klänge für Elektroautos: „Sound ist das neue Licht“)

Elektroautos mit Sound: Für die Geräusche gelten Vorschriften

Aber egal ob Raumschiff-Enterprise-Swoosh oder Bummelbahn-Gebimmel: Die Geräusche müssen gewisse Voraussetzungen erfüllen. So dürfen sie nur den mittleren Frequenzbereich benutzen. Denn hochfrequente Töne retten zwar den Pudel, nicht aber sein älteres Frauchen mit ermüdetem Gehör. Und tiefe Frequenzen à la Subwoofer lassen sich räumlich nicht orten. Auch kann der Fahrer nicht mehr, wie bei früheren Elektroautos, das Außensound-System dauerhaft ein- und ausschalten: Beim Starten wird es künftig automatisch aktiviert. (Ford Mustang Mach-E steht still: Software-Fehler macht E-Auto unbrauchbar)

Elektroautos mit Sound: Wäre eine andere Technologie sicherer?

Allerdings könnte eine andere Technologie den Sound zum Fußgänger-Schutz bald schon wieder überflüssig machen: Anti-Kollisions-Systeme, wie sie Volvo als einer der ersten Hersteller eingeführt hat, erkennen Menschen auf der Straße und können das Auto rechtzeitig stoppen. Solche Technologien setzen sich derzeit großflächig durch. Ob die Hersteller dann aber wieder ihre schönen neuen Töne verstummen lassen wollen oder dürfen, darf bezweifelt werden.

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