Neue Studie

Elektroauto: Gehirn unterschätzt die Reichweite

  • Simon Mones
    VonSimon Mones
    schließen

Immer mehr Menschen entscheiden sich für Elektroautos. Doch das Gehirn sorgt immer wieder dafür, dass die Reichweite im Alltag falsch eingeschätzt wird.

Genf (Schweiz) – Die Beliebtheit der Elektroautos in Deutschland nimmt immer mehr zu. Bis zu den von der Bundesregierung angestrebten 15 Millionen Stromern im Jahr 2030 ist es jedoch noch ein langer Weg, dabei können sich immer mehr Autofahrer einen Wechsel vorstellen. Doch nicht immer scheitert der Umstieg an finanziellen und technologischen Hürden, oftmals stehen wir uns einfach selbst im Weg.

Eine Studie der Universität Genf hat nun ergeben, dass es auch einen psychologischen Faktor gibt, der eine schnellere Verbreitung der Elektromobilität verhindert. Dazu befragten die Forscher etwa 900 Menschen aus verschiedenen nordamerikanischen und europäischen Ländern zu Elektroautos.

Das Gehirn verleitet uns dazu, die Reichweite von Elektroautos falsch einzuschätzen. (Symbbolbild)

Elektroauto: Reichweite wird unterschätzt – wegen Gehirn

Die Teilnehmer wurden dabei unter anderem gefragt, welche Strecken sie zurücklegen und sollten entsprechend einschätzen, wie viel Batteriereichweite sie dafür benötigen. Die Ergebnisse, die die Forscher im Fachmagazin Nature Energy veröffentlichten, zeigten, dass ein Großteil die Reichweite des Elektroautos als geringer einschätzten, als sie in Realität ist.

Das hatte den Effekt, dass viele der Teilnehmer davon ausgingen, dass die Reichweite der Stromer nicht ausreicht, obwohl sie ihre üblichen Strecken problemlos rein elektrisch fahren könnten. Hinzu kommt, dass sich das Gehirn eher an seltene Erlebnisse erinnert, als an Aktivitäten aus dem Alltag.

Elektroauto: Kompatibilitätsinformationen bauen Zweifel ab

Beim Kauf eines neuen Autos denkt man also eher an die lange Fahrt in den Urlaub als an den Weg zur Arbeit oder zum Supermarkt. Dadurch kommt es zu der Fehleinschätzung, dass die Reichweite des Stromers nicht ausreicht, obwohl dies in den meisten Fällen nicht der Fall ist.

Elektroautos: Das sind die zehn beliebtesten Modelle in Deutschland

BMW i3
Platz 10: BMW i3. Schon seit 2013 auf dem Markt, und immer noch recht beliebt: 12.178 BMW i3 wurden 2021 neu zugelassen. Trotzdem läuft die Produktion des City-Stromers mit knapp 300 Kilometern Reichweite nach insgesamt 250.000 Einheiten dieses Jahr ohne Nachfolger aus. Preis: ab 39.000 Euro. © BMW
Fiat 500
Platz 9: Fiat 500. Das aktuelle Modell des Kleinstwagens, auch als Fiat 500e oder Fiat 500 Elektro bezeichnet, wird ausschließlich als E-Auto angeboten. 2021 fand er 12.516 Kunden. Je nach Akku-Größe schafft der kleine, aber charakterstarke Cityflitzer aus dem Stellantis-Konzern 190 bis über 300 Kilometer. Preis: ab 26.790 Euro. © Fiat/Stellantis
VW ID.5
Platz 8: VW ID.4. Die Crossover-Variante des braven Grundmodells ID.3 mit größerem Innenraum und etwas Off-Road-Fähigkeit wurde im vergangenen Jahr 12.734 mal zugelassen. Die Reichweite der Top-Version gibt VW reichlich optimistisch mit 518 Kilometern an. Preis: Ab 46.515 Euro. © Ingo Barenschee/VW
Skoda Enyaq iV
Platz 7: Škoda Enyaq iV. Der technische Ableger des VW ID.3 und ID.4 auf der MEB-Plattform ist mit 4,65 Metern etwas länger, und erfüllt somit das übliche Marken-Image als Alternative für die Familie. 13.026 Käufer und Leasingnehmer überzeugte das E-SUV mit offiziell bis zu 500 Kilometern Reichweite. Preis: ab 46.515 Euro. © Skoda Auto a.s.
Hyundai Kona Elektro
Platz 6: Hyundai Kona Elektro. Im Gegensatz zum neuen Ioniq 5 bietet Hyundai den seit Kona mit verschiedenen Antriebsversionen an, das seit 2018 verkaufte Elektroauto brachte es auf 17.240 Neuzulassungen. Die Motoren leisten 136 oder 204 PS, die Reichweite beträgt maximal 484 Kilometer. Preis: ab 35.650 Euro.  © Hyundai
Smart EQ fortwo Edition Bluedawn smart EQ fortwo edition bluedawn: stylish and electrifying eye-catcher
Platz 5: Smart EQ Fortwo. Wie beim BMW i3 ist auch das Ende des Elektrozwergs besiegelt. Künftig kommen die Elektroautos aus China und als größere SUV daher. Das Original fand trotz seiner mickerigen Reichweite von offiziell 153 Kilometer noch 17.413 Abnehmer. Preis: ab 21.940 Euro. © Mercedes-Benz AG
Renault Zoe
Platz 4: Renault Zoe. Beim Crashtest versagte die aktuelle Version des französischen City-Stromers (null Sterne!), aber mit 24.736 Neuzulassungen war er hierzulande durchaus beliebt. Dank bis zu 395 Kilometern maximaler Reichweite eignet er sich auch für längere Trips. Preis: ab 33.140 Euro. © Renault
VW ID.3
Platz 3: VW ID.3. Das Grundmodell des „Modularen E-Antriebs-Baukastens“ des VW-Konzerns gilt längst als elektrischer VW Golf, auch wenn sich manch Stromer-Fan einen etwas aufregenderen Auftritt gewünscht hätte. Europaweit brachte es der ID.3 mit seinen offiziell bis zu 553 Kilometern Reichweite schon auf über 100.000 Verkäufe, auf Deutschland entfielen 26.693 Zulassungen. Preis: ab 36.960 Euro. © VW
VW e-Up
Platz 2: VW e-Up. Seine große Beliebtheit führt zu seinem größten Nachteil: Immer wieder ist der kleine, 30.797 mal zugelassene Stromer ausverkauft, was letztendlich auch zu einer kräftigen Preissteigerung führte. Bis zu 260 Kilometer Reichweite gehen für diese Größe ok. Preis: ab 26.895 Euro. © VW
Tesla Model 3
Platz 1: Tesla Model 3. Das Einstiegsmodell des Elektroauto-Pioniers sicherte sich mit 35.262 Neuzulassungen klar die Pole-Position, und schaffe es wochenweise sogar an die Spitze der Gesamt-Charts aller Pkw. Die Reichweite beträgt laut Werksangabe bis zu 547 Kilometer. Preis: ab 52.965 Euro. © Tesla

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie im kostenlosen Newsletter von 24auto.de, den Sie gleich hier abonnieren können.

Diese kognitive Verzerrung könnte nach Einschätzung der Forscher der Universität Genf abgebaut werden, wenn Kompatibilitätsinformationen bereitgestellt würden. So könnten die Kunden leichter beurteilen, ob ein Elektroauto zu ihnen passt. Im Rahmen der Studie konnten die Bedenken so deutlich reduziert und Kaufbereitschaft gesteigert werden. Bei Menschen, die viel Geld für ein Auto mit Diesel- oder Ottomotor ausgeben, war der Effekt demnach besonders stark.

Rubriklistenbild: © Michael Gstettenbauer/Imago

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema