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Ladesäulen-Irrsinn: Pärchen im Porsche Taycan braucht neun Stunden für nur 210 Kilometer

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Von: Christian Schulz

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Ein Paar erlebt mit seinem Porsche Taycan 4S den blanken Horror – und eine irrwitzige Ochsentour. Nur 210 Kilometer nach Hause werden zu einer Odyssee von neun Stunden Dauer.

Kent (Großbritannien) – Ein Ehepaar aus der Grafschaft Kent im Südosten Englands musste jüngst eine unglaubliche Irrfahrt in seinem Porsche Taycan 4S erleben. Eigentlich wollten sich Linda Barnes und ihr Mann mit ihrem neu gekauften Elektroauto lediglich auf den Heimweg aus dem 210 Kilometer entfernten Bournemouth machen. Doch die Reise aus dem für seine Strände berühmten Urlaubsort an der Südküste Großbritanniens entpuppte sich als blanker Horror.

Mit komplett geladenem Akku hätte das Paar sein E-Auto eigentlich gar nicht laden müssen – denn nach Herstellerangaben schafft es der Porsche Taycan maximal rund 400 Kilometer weit. Als die beiden losfuhren, zeigte das Elektrofahrzeug allerdings nur noch 72 Kilometer Restreichweite an. Ein Fakt, bei dem sich die Eheleute aber nichts dachten – bis sie für die sonst vielleicht etwas mehr als zweistündige Fahrt letzten Endes geschlagene neun (!) Stunden brauchten. (Aus für Verbrennungsmotor schon 2025? Die deutsche Autoindustrie fürchtet sich vor ...)

Der vollelektrische Porsche Taycan 4S im Straßenverkehr. (Symbolbild)
In seinem Porsche Taycan 4S wollte ein Paar etwas mehr als 200 Kilometer zurücklegen – es folgte eine böse Überraschung. (Symbolbild) © Porsche

Ladesäulen-Irrsinn: Paar im Porsche Taycan brauchte neun Stunden für 210 Kilometer

Bei der Abfahrt in Bournemouth vertraute das Paar auf das Navigationssystem des Porsche Taycan 4S – und ließ sich von diesem zur nächsten Ladesäule lotsen. Als die beiden ihren Boliden dort ansteckten, passiert jedoch nichts – außer dass ein Parkplatzwächter ihnen erklärte, dass das Ladegerät schon seit Wochen nicht funktioniere. Der nächste Weg führte sie in ein nahegelegenes Porsche-Zentrum – dort bekamen sie wenigstens etwas Strom zur Überbrückung, um es bis zur nächsten Autobahnraststätte zu schaffen. (Porsche Taycan will in Einfahrt parken – doch dann gibt er Gas: „Das sieht teuer aus“)

Als Linda Barnes und ihr Mann dort ankamen, war die einzige Ladesäule besetzt. Die gerade ladende Frau offenbarte ihnen zudem, dass die Säule sich nur mithilfe einer Telefon-Hotline zum Laufen bringen lasse – und deren Betreiber habe bald Dienstschluss. Beim nächsten Stopp hätte sich das Paar in einer Warteschlange für einen „Langsam-Lader“ anstellen müssen – und bekam den Tipp, es stattdessen bei einem Hotel in der Nähe zu versuchen, das über Ladestationen verfüge. Auf telefonische Anfrage konnte allerdings keiner der Mitarbeiter sagen, ob und wie gerade Strom geladen werden könne. (Porsche Taycan: Peinlicher Crash bei Tempo 190, weil der Fahrer ...)

Über zwei weitere, ebenfalls nicht funktionierende Ladestationen entlang der Autobahn gelangte das mittlerweile reichlich genervte Paar im Porsche Taycan 4S zu einer weiteren Service-Station. Dort blinkten ihnen gleich acht nagelneue Ladestationen entgegen – dummerweise waren diese jedoch Tesla-Kunden vorbehalten. Zu ihrem Glück fanden die beiden noch eine funktionierende, markenübergreifende Schnellladesäule, das sie fast übersehen hätten – und gelangten nach zermürbenden Stunden der Irrfahrt endlich nach Hause. (Tesla Supercharger: E-Golf holt sich Gratis-Strom – „neue Betrugssoftware von VW“)

„Irgendwann dachte ich, wir müssen auf einem Autobahnrastplatz übernachten. Wir wären ja in ein Hotel gegangen – wenn nicht in der Nacht der zweite Corona-Lockdown in Kraft getreten wäre“, berichtet Linda Barnes gegenüber der britischen Tageszeitung „The Guardian“.

Der vollelektrische Porsche Taycan 4S in den Straßen einer Stadt. (Symbolbild)
Porsches vollelektrischer Taycan 4S macht im Straßenverkehr eine gute Figur – wenn man die Möglichkeit hat, ihn zu laden. (Symbolbild) © Porsche

Ladesäulen-Irrsinn: Ladeinfrastruktur ist das größte Problem – auch in Deutschland

Am folgenden Tag habe Linda Barnes Ehemann den Porsche Taycan 4S genommen und überprüft, wie es in der näheren Umgebung ihres Wohnortes in Sachen Laden von Elektrofahrzeugen aussieht. Das Ergebnis sei ein weiterer Schock gewesen: Sie hatten bei ihrem Ausflug nicht einfach Pech gehabt. Von drei angesteuerten Ladestationen in der nächstgelegenen Stadt funktionierte keine einzige – ein Besuch der örtlichen BP-Tankstelle brachte dasselbe Ergebnis. (Wallbox: So finden Sie den richtigen Lader für Ihr Zuhause – so viel Geld gibt’s vom Staat)

Linda Barnes sagt, sie wisse jetzt, warum die meisten Fahrer ihre Autos über Nacht zu Hause aufladen und das öffentliche Netzwerk meiden würden: „Unser Porsche Taycan ist wirklich schön zu fahren und Elektroautos sind die Zukunft. Aber jemand muss die Ladeinfrastruktur in den Griff bekommen.(Wegen Infrastruktur-Ausbau: Tankstellen gehen auf Regierung los – „Wo leben wir denn?“)

In diesem Punkt wird ihr auch aus Deutschland beigepflichtet: „Die Lademöglichkeiten der vielen neuen E-Autos sind der Schlüssel zum Erfolg der Elektromobilität. Der ‚Masterplan Ladeinfrastruktur‘ der Bundesregierung gibt das Ziel von einer Million öffentlicher Ladepunkte bis zum Jahr 2030 vor“, betont Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA): „Um das staatlich vorgesehene Ziel zu erreichen, wären 2.000 neue öffentliche Ladepunkte pro Woche nötig. Aktuell werden aber nur rund 200 dieser neuen Ladestationen installiert.“ Den wichtigsten Fragen zur E-Mobilität hat sich tz.de gewidmet* – und sie beantwortet. *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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