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Tankstelle: Neues Poster soll Autofahrer zum Elektromobil bekehren

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Von: Marcus Efler

An größeren Tankstellen werden Autofahrer künftig ein gelbes Poster mit vielen Zahlen entdecken. Das hat es damit auf sich.

Berlin – Wer hat sich nicht schon mal geärgert, wenn er etwas gekauft hat – und kurz darauf feststellt, dass er dasselbe oder ein ähnliches Produkt auch billiger hätte bekommen können? Diesen im Menschen tief verankerten Geiz-Effekt will sich die Bundesregierung künftig zunutze machen, um Autofahrer zur Elektromobilität zu bekehren. Und zwar genau dort, wo jeder Besitzer eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor zwangsläufig regelmäßig vorbeischauen und viel Geld lassen muss: an der Tankstelle. (Benzin-Krise in Großbritannien: Londons Bürgermeister mit drastischer Forderung)

Tankstelle: Neues Poster soll Autofahrer zum Elektromobil bekehren

Zumindest an größeren Stationen (ab sieben Zapfsäulen) müssen seit 1. Oktober nämlich auffällige, gelbe Poster hängen: der sogenannte „Energiekostenvergleich“. Darauf stehen für sieben verschiedene Energieträger, etwa Super E10, Diesel, Strom und Wasserstoff, die Kosten pro 100 Kilometer in Euro und Cent – jeweils (außer bei Wasserstoff) noch mal aufgeschlüsselt nach Klein-/Kompaktwagen und größeren Autos.

Zapfsäule mit verschiedenen Spritsorten (Symbolbild)
Teure Energie: Ein neues Gesetz soll Autofahrer vom Sprit weglocken. (Symbolbild) © Frank Hoermann/Imago

So erfährt der geneigte Dieselfahrer, dass er mit 6,55 Euro für (zum Beispiel) seinen VW Golf TDI zwar billiger unterwegs ist als der Besitzer des Benziner-Modells, der mit mindestens 8,92 Euro dabei ist. Der psychologische Lerneffekt soll sich aber beim Blick auf die Stromzeile einstellen: Für einen elektrischen ID.3 etwa müsste er gerade mal 4,74 Euro kalkulieren. (Elektroauto: Stromkosten viel niedriger als Benzinkosten – so viel kann man sparen)

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Tankstelle: Auf dem Poster stehen nur grobe Mittelwerte

Damit die Zahlen einigermaßen aktuell bleiben, müssen sich Tankstellenpächter alle drei Monate neue Poster von der Homepage des Bundeswirtschafts-Ministeriums herunterladen und ausdrucken. Trotzdem bleibt die Kostenschätzung natürlich nicht nur wegen der fast minütlich schwanken Spritpreise vage: Zur Berechnung wird der Durchschnittsverbrauch der jeweils drei meistverkauften Automodelle beider Größen gemittelt. Für das eigene Auto kann der Wert ganz anders aussehen. (E-Auto mit Strom laden: Der Staat kassiert mit – und zwar nicht gerade wenig)

Poster zum Energiekostenvergleich
Künftig an großen Tankstellen: das gelbe Kostenposter © BMWI

Tankstelle: Nur jede zehnte Station muss Poster aufhängen

Darüber hinaus findet der Mineralölwirtschaftsverband e. V. (MWV), dass der Strompreis viel zu niedrig angesetzt sei: Er bezieht sich nämlich auf den noch immer recht preiswerten Haushaltsstrom. „Öffentliches und vor allem schnelles Laden ist meist teurer und das reduziert den Preisunterschied zum Benziner erheblich“, reklamiert der Verband.

Kleiner Trost für die genervten Sprit-Verkäufer: Laut Schätzung des Zentralverbandes des Tankstellengewerbes e. V. (ZTG) sind nur etwa 1.500 der 14.500 Tankstellen in Deutschland, also etwa jede zehnte, so groß, dass sie die gelben Poster überhaupt aufhängen müssen. Ob die Autofahrer überhaupt hinschauen, ist obendrein fraglich. Ob sie sich über die „verschwendeten“ Mehrkosten für ihren Verbrenner tatsächlich so ärgern, dass sie zuhauf Elektroautos bestellen, erst recht.

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