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Missbrauch der E-Auto-Prämie: Fast jeder vierte Tesla „verschwunden“ – „Verlierer ist der Steuerzahler“

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Von: Julian Baumann

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Ein schwarzer Tesla Model 3 mit einer roten Schleife auf der Motorhaube.
Das Tesla Model 3 „geschenkt“? Mancher E-Auto-Käufer nutzte die Umweltprämie über Gebühr aus. (Symbolbild) © Silas Stein/dpa

Weil der staatliche Zuschuss beim Kauf eines E-Autos immer wieder missbraucht wird, verschwinden viele Modelle ins Ausland. Teslas sind laut einem Bericht besonders beliebt.

Stuttgart/Berlin – Wer in Deutschland ein E-Auto oder einen Plug-in-Hybriden kauft, erhält aktuell noch einen finanziellen Zuschuss vom Staat, der bis zu 9.000 Euro ausmachen kann. Ab 2023 bekommen E-Auto-Käufer allerdings nicht mehr für alle Modelle eine Prämie. Dass der staatliche Zuschuss in Deutschland immer wieder ausgenutzt wird, indem vor allem Luxusmodelle nach kurzer Zeit sehr viel teurer ins Ausland weiterverkauft werden, ist kein Geheimnis. Die Regierung kündigte bereits im Februar an, gegen den Missbrauch der E-Auto-Prämien vorgehen und die Mindesthaltedauer von sechs auf zwölf Monate erhöhen zu wollen.

Das Institut Schmidt Automotive Research in Berlin kam nach Recherchen allerdings zu dem Ergebnis, dass die Förderung für E-Autos in Deutschland noch immer im großen Stil ausgenutzt wird. Demnach streichen Käufer die Prämie weiterhin ein, um die batteriebetriebenen Modelle nach kurzer Zeit gewinnbringend in europäische Nachbarländer wie Dänemark weiterzuverkaufen. Besonders beliebt sind junge Modelle des E-Autobauers Tesla, sodass inzwischen sehr viele E-Autos des Unternehmens von Elon Musk wieder aus der Bundesrepublik verschwunden sind, wie bw24.de berichtet.

E-Auto-Prämie: Laut Bericht hat fast jedes vierte Tesla-Modell Deutschland wieder verlassen

Seit Ende März produziert Tesla auch in Deutschland und liefert die beliebten Mittelklasse-Modelle Model Y von der „Giga Berlin“ in die europäischen Automärkte aus. Wer auf dem deutschen Markt ein Tesla-Modell kauft, bekommt dabei aber eben einen staatlichen Zuschuss, den es so in den anderen europäischen Ländern nicht gibt. Da aktuell noch immer eine Mindesthaltedauer von sechs Monaten besteht, werden die Stromer schnell gewinnbringend weiterverkauft. Besonders lukrativ ist ein Weiterverkauf nach Dänemark, da die Kunden dort eine sogenannte Luxussteuer für Anschaffungen bezahlen müssen, was Neuwagen von Tesla und Co. besonders teuer macht.

In Dänemark sind vor allem neuere Modelle von Tesla sehr beliebt, heißt im Bericht von Schmidt Automotive Research, die sich für ihre Analyse auf Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) beziehen. „Nach unseren Recherchen, für die wir Daten des KBA herangezogen haben, hat Tesla bis zum 1. Juli 2022 insgesamt 98.000 Fahrzeuge auf deutschen Straßen neu zugelassen“, sagte Marktanalyst Matthias Schmidt dem Spiegel. Die Gesamtzahl der Tesla-Fahrzeuge habe zum 1. Juli aber nur bei 76.690 gelegen. „Das bedeutet, dass fast jeder vierte Tesla, der in Deutschland erstmals zugelassen wurde, den Markt wieder verlassen hat.“

Missbrauch der E-Auto-Prämie: „Steuerzahlen subventioniert saubere Luft außerhalb Deutschlands“

Neben Modellen von Tesla sind auch E-Autos anderer Premiummarken zum Weiterverkauf nach Dänemark oder andere Länder sehr beliebt. Matthias Schmidt nannte beispielsweise Modelle des Stuttgarter Sportwagenherstellers Porsche. Eben weil die Mindesthaltedauer nur sechs Monate beträgt, können die E-Auto-Modelle quasi beinahe als Neuwagen weiterverkauft werden. „Eine Lösung könnte in jedem Fall sein, die Mindesthaltedauer eines Fahrzeugs auf deutschen Straßen auf vielleicht fünf Jahre zu verlängern, bevor es exportiert werden kann“, sagte Schmidt dem Spiegel.

Die E-Auto-Prämie, die von Steuergeldern finanziert wird, ist eigentlich dafür gedacht, Autofahrer vom Umstieg auf ein batteriebetriebenes Modell zu überzeugen. Dadurch soll der Anteil an elektrischen Fahrzeugen in der Bundesrepublik erhöht, und der CO2-Ausstoß dadurch deutlich reduziert werden. Wenn viele Modelle aber letztendlich im Ausland landen, wird dieser Effekt geschmälert. „Der Verlierer ist der deutsche Steuerzahler, der indirekt saubere Luft in Städten außerhalb Deutschlands subventioniert und nicht in Deutschland selbst“, sagte Schmidt.

Ab 2024 sollen allerdings nur noch E-Autos unter einem Neuwagenwert von 45.000 Euro subventioniert werden. Mercedes, BMW und Audi sind deshalb von der Kürzung der E-Auto-Prämie besonders betroffen, doch auch für Tesla-Modelle dürfte es eng werden. Während deutsche Autofahrer die Kürzung der Prämie laut einer Studie befürworten, warnte Ferdinand Dudenhöffer vor den Folgen. „Die Ampelkoalition zieht der E-Mobilität den Stecker“, sagte der Autopapst.

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