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Mutter und Tochter filmen eigenen Unfalltod – Audi-Fahrer kommt milde davon

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Von: Jasmin Pospiech

Vor einiger Zeit hat ein tragischer Autounfall Deutschland erschüttert. Eine Dashcam hat alles aufgezeichnet. Nun ist der Unfallfahrer verurteilt worden – und milde davongekommen.

Wriezen (Brandenburg) – Lucija Wiszniewski (59) und ihre Tochter Joanna Berezowska (36) sind gerade in ihrem Škoda unterwegs, als das verheerende Unglück geschieht. Sie sind auf dem Rückweg von Berlin-Lichtenberg in ihre polnische Heimatstadt Moryń nahe der deutschen Grenze, als sie tödlich verunglücken. Auf einer Landstraße fährt vor ihnen ein Mann in einem Audi, den sie überholen wollen. Doch bei dem Manöver geht etwas schief und der Škoda, den Tochter Joanna lenkt, kommt von der Straße ab.

Mutter und Tochter filmen eigenen Unfalltod – Audi-Fahrer kommt milde davon

Schließlich prallt der Pkw der beiden Frauen gegen einen Baum, Mutter und Tochter sterben. Das Makabere daran: Eine Dashcam in ihrem Auto hat die ganze Tragödie aufgezeichnet und den Todescrash gefilmt. Das war im Februar 2019. Nun ist es am Amtsgericht Bad Freienwalde zum Gerichtsverfahren gekommen: Angeklagt war Jürgen W. (41), der Audi-Fahrer von damals.

Dashcam an einer Windschutzscheibe (Symbolbild)
Eine Dashcam wie diese hat den Unfall der beiden Frauen aufgezeichnet. (Symbolbild) © Marius Becker/dpa

Der Mann, der von Beruf Kraftfahrer ist, fährt zum Zeitpunkt der Tragödie hinter einem Lkw auf der Landstraße 33 in Richtung Wriezen (Märkisch-Oderland), als der Škoda ansetzt, ihn zu überholen. Doch als sich Letzterer bereits auf der Gegenfahrbahn befindet, will auch Jürgen W. mit seinem Audi nach links ausscheren und rammt damit die beiden Frauen von der Straße.

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Die verlieren die Kontrolle über ihren Wagen, das Fahrzeug kommt von der Straße nach links ab und rast direkt auf einen Baum zu. Mit dem Aufprall bricht auch die Aufnahme der Dashcam ab. (Tesla prallt gegen anderes Auto – dann wird’s brenzlig (mit Video))

Mutter und Tochter filmen eigenen Unfalltod – Gericht fällt mildes Urteil

Was sich im ersten Moment pietätlos anhört, ist gleichzeitig von entscheidender Wichtigkeit. Denn das Videomaterial diente den Richtern auch als Beweismittel gegen Jürgen W. aus Berlin in der Anhörung. Vor Gericht gesteht der Audi-Fahrer, dass er für einige Sekunden nicht aufgepasst habe und nimmt die Schuld auf sich. (Tesla Model 3 fliegt aus Kurve und prallt gegen Baum – Alarm warnt viel zu spät)

„Wenn man vier Sekunden lang einen überholenden Wagen nicht wahrnimmt, dann ist das grob fahrlässig“, meint hingegen Rechtsanwalt Radoslaw Niecko aus Berlin, der die Hinterbliebenen vertritt, gegenüber der Bild-Zeitung. „Kein Urteil der Welt bringt mir meine tote Frau und meine tote Tochter zurück“, erklärt auch Witwer Jerzy Wiszniewski. (Tödlicher Tesla-Crash: Elon Musk mischt sich persönlich ein – wird Autopilot-Rätsel nie gelöst?)

Mutter und Tochter filmen eigenen Unfalltod – Familie in großer Trauer

Dennoch wird der Angeklagte vergleichsweise milde bestraft. Der Richter verurteilt ihn zu sechs Monaten Haft auf Bewährung. Den Führerschein darf er hingegen behalten, da er als Kraftfahrer darauf angewiesen sei, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, heißt es weiter. Zudem soll der Berliner 1.500 Euro Strafe zahlen, die an eine Einrichtung für Verkehrserziehung geht.

Da stellt sich allerdings die Frage, ob er nicht selbst an einem der dortigen Kurse teilnehmen sollte. Wenigstens zeigt Jürgen W. Reue und soll vor Gericht schließlich gesagt haben: „Ich wollte, ich könnte es ungeschehen machen.“ Und fragt: „Kann ich einen Brief an die Familie schreiben?“ Ob allerdings die Familie der Verstorbenen das auch möchte, bleibt fraglich.

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