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City-Maut: Dürfen bald nur noch Reiche mit dem Auto in die Stadt?

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Von: Marcus Efler

Auch in Deutschland sollen Städte für die Fahrt mit dem Auto die Hand aufhalten – fordern Verkehrsexperten auf der IAA Mobility. Pikant ist dabei vor allem ein Detail.

München – Die Preistreiberei beim Autofahren beschleunigt sich. Neuwagen und Sprit werden ständig teurer und wer per Pkw in die Stadt fährt, wird für das Parken immer kräftiger zur Kasse gebeten. Nun plädieren Verkehrsexperten für eine weitere Kostenhürde, um den Bürgern die Fahrt im eigenen Auto zu verleiden: Ausgerechnet auf der Münchner IAA Mobility sprachen sie sich für eine City-Maut in deutschen Großstädten aus.

Eine solche Gebühr ist in einigen anderen Ländern schon üblich: So kassiert London, von Kameras überwacht, an Werktagen zwischen 7 und 18 Uhr für die Fahrt in der City zehn Pfund (ca. 11,70 Euro). Und Manhattan lässt sich vom Rest New Yorks mit dem Auto nur erreichen, wenn man für Tunnel oder Brücken die entsprechenden Gebühren entrichtet hat. (Paris führt Tempo 30 auf fast allen Straßen ein – gibt’s jetzt noch mehr Stau?)

City-Maut: Dürfen bald nur noch Reiche mit dem Auto in die Stadt?

Für deutsche Städte wie München empfiehlt Prof. Oliver Falck, Leiter ifo Zentrum für Industrieökonomik und neue Technologien, einen Tarif von sechs Euro pro Tag: „Das würde den Verkehr um 23 Prozent reduzieren“, glaubt der Professor. Andere Experten plädieren eher für dynamische Preismodelle je nach Tageszeit oder Verkehrslage.

Maut-Schild in London (Symbolbild)
Vorbild London: Kommt auch für deutsche Städte eine City-Maut? (Symbolbild) © Chris Young/dpa

Eine City-Maut sei „die letzte große Waffe, um die Verkehrsprobleme in den Griff zu kriegen“, sagte Verkehrstechnik-Experte Prof. Klaus Bogenberger von der TU München. Sogar Autohersteller und IAA-Mitgastgeber BMW schließt sich dieser Meinung an: Eine Stadtgebühr sei besser als der jetzige Zustand und auch als komplette Fahrverbote. „Ich bin überzeugt, dass wir das in den nächsten Jahren sehen werden in Deutschland“, erklärte Carl Eckhardt, Leiter BMW-Kompetenzzentrum Urbane Mobilität. (Führerschein gegen Busticket: Großstadt wagt Experiment – doch es gibt ein Problem)

City-Maut: Stadt wie München würde 600 Millionen Euro jährlich kassieren

Besonders pikant: Auch Anwohner sollen zahlen, wenn sie mit ihrem Auto in die eigene, in der Innenstadt liegende Wohnung möchten. Die Gebühr käme dann auf die teils erheblichen Kosten für Tiefgaragenplätze oder das Anwohnerparken am Straßenrand noch hinzu. Für eine Stadt wie München ergäbe die Maut ohne Ausnahme immerhin einen warmen Geldregen von ca. 600 Millionen Euro jährlich, rechnet Experte Oliver Falck vor.

Dass sich dann nur noch Wohlhabende eine Fahrt in die City leisten können, geben die Maut-Befürworter unumwunden zu: „Wer sich einen BMW leisten kann, kann sich auch eine Anti-Stau-Gebühr leisten“, so Klaus Bogenberger. Bei wem es dagegen nur zu einem Dacia reicht, muss mit dem dann wohl draußen bleiben.

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