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BMW plant Wasserstoff-Auto – gehört dann der iX3 mit Akku zum alten Eisen?

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Von: Marcus Efler

Ist das Elektroauto mit Brennstoffzelle die bessere Alternative? Auch BMW plant einen X5, der Wasserstoff tankt. Ändern die Bayern jetzt ihre E-Strategie – von Toyota inspiriert?

München – Der Auto-Antrieb der Zukunft entwickelt sich zur Glaubensfrage. Derzeit setzen die meisten Autokonzerne auf Elektro-Autos mit Akku, kurz BEV genannt (Battery Electric Vehicle); der Volkswagen-Konzern etwa möchte die komplette Branche und den Staat überzeugen, sich allein darauf zu fokussieren und Alternativen nicht weiter zu verfolgen. Die gibt es aber durchaus: etwa den Antrieb per Wasserstoff und Brennstoffzelle, den beispielsweise Toyota derzeit favorisiert. BMW gehört zu den wenigen Herstellern, die zweigleisig fahren: Schon auf der IAA 2019 zeigten die Bayern ein FCEV (Fuel Cell Electric Vehicle), also ein Auto mit Brennstoffzelle, in Gestalt eines X5. (Hyperion XP-1: In dieser Brennstoffzellen-Flunder steckt NASA-Technologie)

BMW X5 als Prototyp i Hydrogen Next, stehend
Saubere Sache: BMW X5 mit Brennstoffzelle © BMW AG

BMW plant Wasserstoff-Auto – gehört der iX3 mit Akku bald zum alten Eisen?

Was damals noch nach technologischer Fingerübung aussah, wird nun immer konkreter. So schickte BMW das i Hydrogen Next genannte Modell bereits auf Erprobungsfahrten über öffentliche Straßen; kürzlich bekräftigten die Münchner Planungen für einen Serienstart Ende nächsten Jahres. Auch die technischen Eckdaten des sauberen X5 sind schon bekannt: Zwei 700-bar-Tanks speichern den Wasserstoff, der in der Brennstoffzelle mit Sauerstoff reagiert und damit eine elektrische Leistung von 125 kW erzeugt. Der Strom wird in Akkus zwischengespeichert und speist dann den Elektromotor mit einer kurzzeitigen Maximalleistung von 275 kW (374 PS). (Benziner-Comeback: Frustrierte E-Auto-Fahrer kehren zum Verbrenner zurück)

Technischer Aufbau eines Brennstoffzellen-Antriebs mit Wasserstoff-Tanks
Technik-Einblick: Wasserstoff-Tanks mit Brennstoffzelle © BMW AG

BMW plant Wasserstoff-Auto – und nimmt auch Nachteile in Kauf

Gegenüber reinen Akku-Autos bietet ein solches Modell zwei beachtliche Vorteile: Das Tanken von Wasserstoff dauert kaum länger als bei einem Sprit-Modell, und auch die Reichweite entspricht ungefähr der eines Benziners. Deshalb möchte BMW seinen Hydrogen-X5 vor allem Viel- und Langstreckenfahrern andienen. Eine komplette Änderung der Strategie, vorrangig auf Akku-Autos und Plug-in-Hybride zu setzen, bedeutet das freilich nicht. Denn erstens wachsen auch die Reichweiten von üblichen Elektromobilen wie dem BMW iX3 (hier geht‘s zum Fahrbericht), und zweitens hat die Brennstoffzelle auch erhebliche Nachteile: Das Tankstellennetz ist sehr dünn, und der Wirkungsgrad, also die Energie-Effizienz, von Wasserstoff schlechter als die Stromspeicherung im Akku. Auch wird derzeit nicht so viel Wasserstoff erzeugt, dass sich damit die Energiewende im Verkehr betreiben ließe. (Früherer BMW-Designer ätzt über neuen iX: „Auto, das seine Seele verloren hat“)

BMW plant Wasserstoff-Auto – da war doch schon mal was...

Außerdem ist BMW in Sachen Wasserstoff nach früheren, gescheiterten Versuchen einer Serienproduktion etwas vorsichtig geworden: Schon seit Anfang des Jahrtausends experimentieren die Bayern damit – allerdings verzichteten sie bislang auf eine Brennstoffzelle und verbrannten den Wasserstoff direkt im Motor. Ein durchaus interessantes Konzept, das sich aber nicht durchsetzen konnte. Jedenfalls bislang nicht. Toyota versucht es aktuell wieder mit genau diesem Prinzip: Ein Corolla mit 1,6-Liter-Verbrennungsmotor soll das 24-Stunden-Rennen von Fuji vom 21. bis 23. Mai 2021 mit Wasserstoff bestreiten. BMW wird sich das bestimmt ganz genau ansehen.

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