Beim Rasen erwischt

Mit 193 km/h statt 80 geblitzt: Mercedes-AMG wird zwangsverkauft – doch er ist eigentlich ein Andenken

Fahraufnahme eines silbernen Mercedes-Benz E 63 AMG T-Modells (Symbolbild)
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Ein Deutscher wurde in der Schweiz in seinem Mercedes-Benz E 63 AMG T-Modell geblitzt – mit 193 km/h statt 80 km/h. (Symbolbild)
  • Christian Schulz
    vonChristian Schulz
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Ein Raser stellt mit 193 km/h statt 80 einen neuen Rekord auf. Das Gericht nimmt ihm nicht nur seinen Mercedes-AMG weg – sondern noch viel mehr: Denn den Kombi hat er von seiner verstorbenen Frau geerbt.

Leibstadt (Schweiz) – Die Verkehrspolizei staunte nicht schlecht. Außerhalb der Gemeinde Leibstadt im Schweizer Kanton Aargau erwischte sie bei einer Geschwindigkeitskontrolle einen Raser mit Rekord-Geschwindigkeit. 193 km/h statt 80 km/h – so schnell war hier an der Grenze zu Deutschland noch keiner unterwegs. Für den Fahrer des Mercedes-AMG E 63 T hat das heftige Konsequenzen. Denn die Schweiz bekämpft Temposünder im Rahmen des Sicherheitskonzeptes „Via sicura“ mit äußerst harten Bandagen. Wesentlicher Bestandteil ist ein Paragraf, der „Raserdelikte“ als Straftaten definiert. Das hat Folgen. (Blitzer-Weltrekord: Frau rast mit 700 (!) km/h durch Tempolimit – in einem Ford)

Mit 193 km/h geblitzt: Mercedes-AMG T-Modell wird zwangsverkauft – dabei ist er ein Andenken

Bei groben Verstößen kommt es in der Schweiz schnell knüppeldick. Zu schnell fahren ist nicht nur sehr teuer (außerorts kosten bereits 16-20 km/h zu viel 220 Euro), sondern ruckzuck auch Führerschein UND Auto. Zudem drohen Verkehrsrowdys sogar Haftstrafen. Auch den 47-jährigen in der Schweiz wohnhaften Deutschen am Steuer des Mercedes-AMG E 63 T trifft es hart: Er wird von der Polizei angehalten, seine Fahrerlaubnis und die 514 PS starke Luxuskarosse werden eingezogen. (Scheinheilig? Grüner Umweltminister rast mit 180 km/h durch Tempolimit: „Hatte es eilig“)

Ein Gericht in Bad Zurzach verurteilt den Mann laut „Aargauer Zeitung“ zu einer Gefängnisstrafe von 22 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Zudem muss der 47-Jährige satte 2.000 Schweizer Franken (rund 1.850 Euro) Geldbuße berappen. Das für ihn Schlimmste jedoch: Sein Mercedes-AMG E 63 T wird ihm weggenommen und gehört vorerst dem Schweizer Staat. Der Bolide soll verkauft und der Erlös auf die Verfahrenskosten angerechnet werden. Der Richter begründete sein drakonisches Urteil wie folgt: „Es war die höchste je in diesem Bezirk gemessene Geschwindigkeit. Die Tatschwere ist massiv.“ Mit einem solchen Fahrzeug in den Händen des Deutschen könne „eine Gefährdung der Öffentlichkeit“ nicht ausgeschlossen werden. (Mit 308 km/h: Jugendliche brettern über die Autobahn – in Papas Mercedes-AMG)

Mit 193 km/h geblitzt: Mercedes-AMG T-Modell wird zwangsverkauft – ist die Strafe zu hart?

Der verurteile deutsche Raser hätte es eigentlich besser wissen müssen. Denn er wohnt schon seit 16 Jahren auf der Schweizer Seite der Grenze. Der Vater von drei Kindern, der seine Brötchen in der Reinigungsbranche verdient, bedauert seine drastische Geschwindigkeitsüberschreitung. Gegenüber dem Boulevard-Blatt Blick sagt er: „Es ist halt passiert. Ich habe jemanden überholt und bin auf dem Gaspedal geblieben.“ (373 Punkte in Flensburg: So lange muss Rekord-Verkehrssünder in den Knast)

Mit der Höhe der Geldstrafe hat der 47-Jährige – der froh ist, dem Gefängnis entgangen zu sein – kein Problem, wie er sagt: „Die könnte auch höher ausfallen.“ Der Mann, der seinen Fehler einsieht, hadert aus einem ganz anderen Grund mit dem Urteil. Der ist viel dramatischer – und emotionaler Art: „Den Mercedes-AMG habe ich geerbt. Von meiner Frau, die 2018 gestorben ist.“ Es handele sich daher um ein einzigartiges und unwiederbringliches Andenken an gemeinsam verbrachte Zeiten. Dies nehme ihn mehr mit als alles andere – und sei das Unverhältnismäßige an der Strafe. Aus diesem Grund will der Mann auch Einspruch einlegen.

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