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Betrug mit Maske bei Führerscheinprüfungen

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Theoretische Führerscheinprüfung
Theoretische Führerscheinprüfung: Mancher Prüfling zeigt sich kreativ und manipuliert seine FFP2-Maske mit einer versteckten Minikamera. © Rolf Vennenbernd/dpa

Der Weg zum Führerschein ist mühsam. Er führt über mehr als 1000 Theoriefragen - und am Ende stehen viele Neulinge mit leeren Händen da. Für den Erfolg beim Test greift der eine oder andere auch zu betrügerischen Mitteln - und die Pandemie ist hilfreich.

Stuttgart - Masken sollen schützen und Viren abwehren. Eigentlich. Aber ab und an dienen sie auch zu anderen Zwecken. Denn auf dem Weg zum ersehnten Führerschein zeigt sich mancher Prüfling durchaus kreativ und manipuliert für den Theorieteil seine vorgeschriebene FFP2-Maske mit einer versteckten Minikamera.

„Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagt Marcellus Kaup von TÜV Süd. „Und es ist kaum zu glauben, was für ein Aufwand getrieben wird, um durch so eine Prüfung durchzukommen.“

Pandemie macht es möglich

Es sei zwar immer schon versucht worden, auf die eine oder andere illegale Weise an den Führerschein und hinter's Steuer zu gelangen. „Aber für diese Leute, die nicht lernen wollen oder zu viel Geld haben, ist die Pandemie zumindest bei der Prüfung geradezu ein Vorteil“, sagt der Leiter der Technischen TÜV-Prüfstelle Baden-Württemberg in Filderstadt bei Stuttgart.

Sein Kollege vom TÜV Rheinland kennt die Masche nur zu gut: Im vergangenen Jahr kamen die Experten 134 Prüflingen in Rheinland-Pfalz dabei auf die Schliche, im Jahr zuvor waren es nach TÜV-Angaben 96. Auch beim TÜV Nord ist die Zahl gestiegen.

Wie viele allerdings Jahr für Jahr mit dem Kamera-Betrug durchkommen, ist schwer einzuschätzen: „Die Prüfer sind mittlerweile geschult darauf, aber einen 100-prozentigen Erfolg gibt es sicherlich nicht. Weder für uns, noch für die Betrüger in den Prüfungen“, sagt Kaup.

Prüfung in elf Sprachen ablegbar

Die Nachfrage sei groß, da ist sich der baden-württembergische Fahrlehrerverband sicher. „Es scheint einen riesigen Markt zu geben“, sagt Verbandschef Jochen Klima. Auch aus seiner Sicht ist es weniger die sprachliche Hürde beim Test, die zum Betrug reizt: „Man kann die Prüfung in 11 Fremdsprachen ablegen, auch in Hocharabisch“, sagt Klima.

Mogeln statt Büffeln, das hat durchaus Kosten: Eine in die Maske eingenähte Kamera leihen sich Prüflinge über Kontaktbörsen oder die illegalen Ecken des Internets für gut 1000 bis 2000 Euro aus, schätzt Kaup - inklusive des Komplizen. Der sitzt dann meist vor der Fahrschule im Auto und liest über das Kamerabild auf dem Laptop die Fragen auf dem Prüfbogen mit. Wenn es heißt „Kamera ab, Ton läuft“, flüstert er die richtigen Antworten über einen kaum zu sehenden Kopfhörer, der im Ohr des Führerscheinanwärters versteckt ist.

Deutlich preiswerter werden Kamera-Sets auch online angeboten, inklusive Anleitung zum Betrug. „Probleme bei der Prüfung und der Termin rückt immer näher?“, wird dort unter anderem für das Hightech-Kamera-Set eines Anbieters aus Essen geworben. Der kabellose Spion-Kopfhörer sei kleiner als ein 1-Cent-Stück.

Andere Betrüger arbeiten laut TÜV bereits mit Impulsen, die auf Oberschenkeln oder den Bauch übertragen werden, wenn der Prüfling mit der Computermaus über die richtige Antwort fährt. „Es gibt sogar Fälle, da wird versucht, die Prüf-Software zu hacken“, sagt TÜV-Experte Kaup. Nach bestandener Prüfung wird das Honorar gezahlt und man geht wieder getrennte Wege.

„Es gibt richtige Banden, die das organisieren“, berichtet Kaup. „Da kaufen Sie den Betrug quasi im Paket.“ Auch Sicherheitsbehörden sprechen von einem „Rundum-Service“ organisierter Banden.

Alte Masche

Die Betrugsmasche mit einer Kamera bei der Führerscheinprüfung ist aber auch nicht neu. „Früher war es die Knopfkamera, jetzt ist es die FFP2-Maske. Was kommt als nächstes?“, sagt ein Sprecher des TÜV Rheinland. Berüchtigt sind zudem Kameras in Brillengestellen, Krawatten und Haarspangen.

Aber nicht nur die Betrüger sind kreativ, auch die Prüfer lassen sich etwas einfallen. Sie nutzen unter anderem Detektoren, die die verbotene Technik erkennen sollen. Außerdem sensibilisiert der TÜV seine Prüfer dafür, auf auffälliges Verhalten der Fahrschüler zu achten.

Die Kamera muss dann aber auch noch wirklich entdeckt werden - und das ist kompliziert. Denn selbst in einem solchen - nach wie vor vergleichsweise seltenen - Fall darf der Prüfer niemanden durchsuchen. Die Hintermänner sind ohnehin über alle Berge. Und ein enttarnter Kandidat hat nicht viel zu befürchten: Sein Vorgehen gilt weder als Straftat noch als Ordnungswidrigkeit.

Nach aktueller Rechtslage darf er den Test nach Freigabe durch die Führerscheinstelle bei der nächsten Prüfung sechs Wochen später wieder versuchen. „Völlig unzureichend“, ein „Sicherheitsrisiko“, moniert der Fahrlehrerverband.

Wer erwischt wird, wird gesperrt

Erst kürzlich hat der Bundesrat allerdings einem Gesetz zugestimmt, nach dem Fahrschüler, die erwischt werden, künftig bis zu neun Monate für eine neue Prüfung gesperrt werden können. „Wir begrüßen, dass eine mögliche Sperrfrist von neun Monaten nun in der Verordnung ausdrücklich erwähnt wird“, sagt Marc-Philipp Waschke vom TÜV-Dachverband. Behörden müssten nun rigoros den Spielraum ausnutzen und beim Verhängen einer Sperrfrist auch berücksichtigen, wie schwer die Täuschungshandlung gewesen sei.

Waschke kritisiert allerdings eine Lücke im Gesetzentwurf: „Der Täuschung überführte Bewerber können die verhängte Sperrfrist einfach durch einen neuen Antrag bei einer anderen Behörde umgehen“, erklärt er.

Aus seiner Sicht wird zu selten untersucht, ob ein erwischter Führerscheinanwärter eigentlich geeignet ist: „In vielen Fällen stellt sich die Frage, ob die Personen überhaupt die erforderliche Eignung für das Führen eines Kraftfahrzeugs haben. Wir müssen davon ausgehen, dass Fahranfänger, die in Prüfungen betrügen, wichtige Verkehrsregeln nicht kennen und Regeln bewusst missachten.“

Dennoch scheint für manche das Mogeln der erfolgversprechendste Weg zu bleiben, um den Führerschein zu bekommen: Nach Angaben des Kraftfahrzeugbundesamtes ist im Jahr 2020 jeder Dritte bei den bundesweit insgesamt 1,7 Millionen theoretischen Prüfung durchgefallen. dpa

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