1. 24auto
  2. News

1.800 illegale Ladesäulen in Deutschland – betrieben von Tesla

Erstellt:

Von: Julian Baumann

Kommentare

Ein Tesla an einem Supercharger (Symbolbild)
1.800 Supercharger von Tesla erfüllen in Deutschland nicht die gesetzlichen Anforderungen und sind somit illegal (Symbolbild). © via www.imago-images.de

Das US-Unternehmen Tesla betreibt in Deutschland rund 1.800 Ladesäulen für E-Autos. Diese sind laut einem Gesetz illegal, den Behörden sind aber die Hände gebunden.

Stuttgart - E-Autos von Herstellern wie Mercedes-Benz, Audi oder BMW setzen sich immer mehr gegen die altgedienten Verbrenner-Modelle durch. Durch den stetigen Zuwachs an batteriebetriebenen Fahrzeugen steigt allerdings auch der Bedarf an Ladepunkten in Deutschland. Der E-Autobauer Tesla, der seit Ende März auch in Brandenburg produziert, hat weltweit mit seinen hauseigenen Supercharger-Stationen ein eigenes Lade-Netzwerk errichtet. Zunächst waren die Stationen, die auch in Deutschland immer häufiger zu finden sind, nur für die Tesla-Modelle verfügbar. Inzwischen hatElon Musk die Stationen aber auch für E-Autos anderer Hersteller freigeschaltet, zumindest teilweise, wie bw24 berichtet.

In Deutschland wird das Netz an Ladesäulen für E-Autos zwar immer weiter ausgebaut, ist insgesamt gesehen aber noch immer ein Trauerspiel. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) kritisierte auch, dass es in Baden-Württemberg noch zu wenig Ladesäulen gebe. Durch die Supercharger-Stationen von Tesla sind in Deutschland zwar deutlich mehr Ladepunkte verfügbar, dabei gibt es aber einen nicht unerheblichen Haken. Dem Handelsblatt zufolge sind die 1.800 Tesla-Stationen in Deutschland illegal, da sie über kein System zur Erfassung der genauen Strommenge verfügen. Sie verstoßen damit gegen das sogenannte Eichrecht.

Tesla-Supercharger nicht legal: Behörden sind Hände gebunden - „gäbe einen Aufschrei“

Dieses Recht besagt, dass jede Ladestation in Deutschland, an der Strom nach Kilowattstunde abgerechnet wird, über einen Zähler verfügen muss, der exakt den geladenen Strom misst. Wer sein Auto mit Verbrennungsmotor an einer Tankstelle befüllt, kann dem Tankzähler die genaue Menge an Kraftstoff entnehmen und weiß dadurch auch, wie viel ihn die Tankladung kosten wird. Durch das Fehlen eines solchen Zählers in den Tesla-Superchargern müssen die Kunden demnach darauf vertrauen, dass Tesla ihnen nachfolgend auch die richtige Summe abbucht. Per Gesetz sind die Schnellladesäulen demnach illegal, solange der Hersteller sie nicht mit einem Messzähler ausgestattet hat.

Obwohl Tesla damit gegen deutsches Gesetz verstößt, sind den Behörden die Hände gebunden. „Wir verfahren mit den Tesla-Ladesäulen in Bayern genauso wie mit allen anderen Schnellladesäulen: Der gesetzeswidrige Betrieb wird nicht behindert und nicht sanktioniert“, erklärte Thomas Weberpals, Leiter des Bayerischen Landesamtes für Maß und Gewicht, dem Handelsblatt. Zumal ein Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos in Deutschland auch aktiv gefordert wird. „Wir sollen das geltende Recht durchsetzen und gleichzeitig die Elektromobilität nicht behindern“, sagte Weberpals weiter. „Würden wir das geltende Recht durchsetzen, müssten Tausende Ladesäulen unverzüglich nachgerüstet oder stillgelegt werden. Das gäbe einen politischen und gesellschaftlichen Aufschrei.“

Tesla, Ionity und Co.: Ladesäulenbetreiber müssen Gesetz einhalten - „es gibt keine Ausnahmen“

Tesla hat das Ladenetz an Supercharger-Stationen inzwischen in ganz Europa weit ausgebaut. Elon Musk öffnete die Ladesäulen auch für alle, die mit dem E-Auto aus der Ukraine flüchten. In Deutschland hat Tesla mehr als 1.800 illegale Supercharger in Betrieb, wie eine Umfrage des Handelsblatts bei Ladesäulenbetreibern ergab. Das US-Unternehmen ist damit allerdings nicht allein. Laut einer Erhebung des Förderprojekts „IKT“ haben bislang nur vier Hersteller Schnellladesäulen in Betrieb, die per Gesetz erlaubt sind. Neben ABB, Apitronic und Compleo gehört auch ADSTec dazu, eine Tochter-Gesellschaft von Porsche. Große Hersteller haben dagegen noch immer Probleme, ihre Ladesäulen gesetzeskonform umzurüsten.

Dazu zählt laut dem Bericht auch das Unternehmen Ionity, an dem mit Mercedes-Benz, BMW, VW, Ford und Hyundai einige der bedeutendsten Autohersteller der Welt beteiligt sind. Eine entsprechende Umrüstung der Ladesäulen, um dem Eichrecht zu entsprechen, ist nicht nur zeit-, sondern auch kostenintensiv. Der größte Energieversorger im Südwesten, die EnBW, gab dem Handelsblatt zufolge an, einen mittleren siebenstelligen Betrag in die Umrüstung investiert zu haben.

Die hohen Summen hätten demnach ohne das strenge Gesetz in weitere Ladesäulen investiert werden können. Der Energieverband BDEW bezeichnete den angeblichen Ladesäulenmangel als „völlig falsches Bild“ und erklärte, dass alle Ladesäulenbetreiber die gesetzlichen Vorgaben, die nirgendwo so streng sind wie in der Bundesrepublik, zu befolgen haben. „Da gibt es keine Ausnahmen.“

Auch interessant

Kommentare