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Autonomes Fahren: Waymo Roboter-Taxi macht Straße dicht – und will vor Helfern flüchten

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Von: Christian Schulz

YouTuber Joel Johnson filmt seine kuriose Fahrt im Waymo-Taxi.

Ein YouTuber war quasi Gefangener eines verwirrten Waymo-Taxis – und zeigt die kuriosen Aufnahmen. © YouTube (JJRicks Studios)

Autonome Irrfahrt: Ein Roboter-Taxi von Waymo legt den Verkehr lahm. Der Fahrgast ist eingesperrt. Als ein Service-Team des Fahrdienstes eintrifft, will das Auto flüchten.

Phoenix (Arizona) – In den USA können sich interessierte Kunden bereits von selbstfahrenden Roboter-Taxis der Google-Tochter Waymo umherkutschieren lassen. Das funktioniert auf manchen Strecken erstaunlich gut – geht allerdings bei Weitem noch nicht immer ohne Fehler, heikle Fahrmanöver oder kuriose Szenen ab. Jüngst gelang es einer Baustelle, ein Waymo-Auto so sehr zu verwirren, dass es mitten auf der Straße stehenblieb und den gesamten Verkehr blockierte. Nichts ging mehr. Menschliche Helfer des firmeneigenen Service-Dienstes mussten gerufen werden. Doch als diese eintrafen, ergriff das autonome Mobil die Flucht – mitsamt des Fahrgastes.

Autonomes Fahren: Waymo Roboter-Taxi blockiert Straße – und flüchtet vor Helfern

Waymo betreibt seit dem Jahr 2017 zu Testzwecken den fahrerlosen Taxi-Service „Waymo One“ in Teilen des fast vier Millionen Einwohner zählenden Ballungsgebiets der Metropole Phoenix im US-Bundesstaat Arizona. Das Unternehmen zur Entwicklung von Technologien für autonome Fahrzeuge setzt die Arbeit des Projekts „Google Driverless Car“ (dt.: „Google fahrerloses Auto“) der Schwesterfirma Alphabet fort. Die Autopilot-Version der Roboter-Taxis, bei denen es sich in der Regel um Chrysler Pacifica Plug-in-Hybride handelt, heißt „Waymo Driver“ – und beruht auf der Systemsoftware „Google Chauffeur“. (Autopilot-Wettrennen: Tesla gegen Waymo-Taxi – wer von beiden liegt vorne?)

Ein begrenzter Kreis von zuvor registrierten Kunden kommt bereits heute in den Genuss, von einem autonom agierenden Automobil herumkutschiert zu werden. Eigens hierfür wurde eine Waymo-Testzone von etwa 130 Quadratkilometern Fläche eingerichtet. Diese umfasst auch die Vorstädte Chandler, Mesa und Tempe. Innerhalb des abgesteckten Bereichs fahren die Taxis von „Waymo One“ ohne Sicherheitspersonal an Bord – das heißt, es gibt keinen menschlichen Fahrer mehr. (Autonomes Fahren: Drei Modi statt sechs Stufen – Level-Bezeichnungen werden einfacher)

Ein selbstfahrendes Auto der Google-Tochterfirma Waymo fährt über die Straße.

Google-Tochter Waymo arbeitet an der Technik des autonomen Fahrens – auf vorab kartografierten Routen. © Andrej Sokolow/dpa

Autonomes Fahren: Waymo Roboter-Taxi blockiert Straße – YouTuber filmt Irrfahrt

Wenn das Autopilot-System von Konkurrent Tesla sich überfordert fühlt, weist es die Person hinter dem Steuer mittels optischer wie akustischer Warnsignale darauf hin – und übergibt an den menschlichen Fahrer. Rechtlich trägt dieser ohnehin während der gesamten Fahrt die Verantwortung und soll das auftretende Problem auf klassische Art und Weise lösen. Doch auch die vom Elektroauto-Hersteller von Tech-Milliardär Elon Musk erdachte Vorgehensweise funktioniert nicht immer: Teilweise kommt es zu schrecklichen Unfällen – und der Tesla-Autopilot sowie die Funktionalität „Full Self Driving“ (FSD; dt: „vollständig autonomes Fahren“) des kalifornischen Autobauers stehen heftig in der Kritik. Waymo hingegen verlässt sich grundsätzlich auf den Computer und bietet einen selbstfahrenden Robotaxi-Dienst an, dessen Fahrzeuge ausschließlich vom „Waymo Driver“ gesteuert werden. (Tödlicher Tesla-Crash: Elon Musk mischt sich persönlich ein – wird Autopilot-Rätsel nie gelöst?)

YouTuber Joel Johnson hat kürzlich eine besonders interessante – und verstörende – Waymo-Fahrt auf Video festgehalten. Zwar testet er den Service der Selbstfahr-Taxis regelmäßig – aber so etwas hat auch er noch nicht erlebt. Ein Verkehrschaos, ausgelöst von einem autonom fahrenden Auto, das vor unlösbare Schwierigkeiten gestellt zu sein scheint. Insgesamt steckt er eine gute Viertelstunde wie gefangen in dem Fahrzeug fest. Was ist passiert? (Tesla Model 3 ohne Fahrer: Frau erschrickt zu Tode – und will das E-Auto aufhalten)

Wie auf den Aufnahmen, die der Videoblogger auf seinem YouTube-Kanal JJRicks Studios veröffentlicht hat, zu sehen ist, lauert hinter einer Rechtskurve etwas, mit dem der „Waymo Driver“ einfach nicht klarkommt: eine nicht verzeichnete Baustelle. Das liegt daran, dass Waymos Autopilot sich auf eine exakte Vorab-Kartierung der zu befahrenden Straßen verlässt. Tritt etwas Unvorhergesehenes auf, was im Straßenverkehr ständig passieren kann, bekommt das System ein Problem. Weil es in seinen Reaktionen noch nicht flexibel genug ist.

Ein fahrerloses Roboter-Taxi von „Waymo One“ von innen

Ein noch immer bizarr wirkendes Bild: Ein fahrerloses Roboter-Taxi von „Waymo One“ kutschiert einen Beta-Tester durch die Nacht. © YouTube (Whole Mars Catalog)

Autonomes Fahren: Roboter-Taxi blockiert Straße – Baustelle ist zu viel für „Waymo Driver“

Das Roboter-Taxi weiß mit den zur Baustellenmarkierung aufgestellten Verkehrshütchen nichts anzufangen – und kennt sich nicht mehr aus. Die Pylonen sperren die rechte Fahrspur einer zweispurigen Straße ab, auf die das Waymo-Auto abbiegen möchte. Über diese unerwartete Situation muss der Bordcomputer offensichtlich kräftig nachdenken – denn der Van hält lange vor der Kreuzung inne. Der Waymo-Support greift ein und nimmt per Videocall mit dem auf dem Rücksitz sitzenden YouTuber Kontakt auf. („Autopilot“ weiterhin nicht vollautonom: Tesla-Mitarbeiter kassiert Aussagen von Elon Musk)

Noch währenddessen kommt plötzlich Bewegung in die Sache: Das Waymo-Taxi hat sich entschieden und biegt nach rechts ab. Nach nur wenigen Metern hält es allerdings wieder unvermittelt an – und verweigert erneut die Weiterfahrt. Zweit weitere Fahrversuche schlagen ebenfalls fehl. Dass Straßenarbeiter die aufgestellten Leitkegel entfernen, trägt offenbar zusätzlich zur Verunsicherung des Robotaxis bei. (Experten blamieren Tesla-Autopilot: Benutzt Elon Musk „Kunden als Entwicklungsingenieure“?)

Waymo muss ein Service-Team zum Ort des Geschehens schicken. Doch als sich ein Mann in gelber Warnweste dem Chrysler Pacifica nähert, zuckt das Lenkrad des autonomen Fahrzeugs – und es will auf und davon. Fast scheint es, als wolle es den Helfer ärgern – denn das Auto stoppt und wiederholt sein Spielchen mit dem Waymo-Mitarbeiter. Dann ist endlich ein Klacken zu vernehmen und der Bildschirm-Support verkündet, dass die Türen entriegelt sind. Der Service-Mann steigt ein, entschuldigt sich – und bringt die Fahrt ganz menschlich zu Ende.

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