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Auto mit Holodeck: So wird die Frontscheibe zur riesigen AR-Brille

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Von: Marcus Efler

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Videogames als Vorbild: Das Start-up WayRay will Infotainment und Navigation im Auto radikal reformieren. Diese Autohersteller haben schon angebissen.

Zürich (Schweiz) – Auf den ersten Blick sieht der WayRay Holograktor aus wie viele andere Konzeptautos: 4,40 Meter lang, elektrisch, silberglänzend und mit aufschwingenden Flügeltüren. Nur die markante Finne auf dem Dach fällt auf. Spätestens der Blick in den Innenraum verrät, dass die Designstudie doch kein gewöhnlicher Stromer ist: Der einzelne Sitz im Fond ähnelt mit seinen zwei Joysticks einem Gamer-Stuhl und ist platziert wie Captain Kirks Kommandosessel.

Überhaupt scheint das ganze System vom Holodeck des Raumschiff Enterprise inspiriert. Mit ihm will das schweizerisch-russische Start-up WayRay (deutsch: Wegstrahl) das Infotainment und letztendlich das Autofahren revolutionieren. Im Zentrum dieses neuen Weges steht Augmented Reality, also eine künstlich geschaffene Realität, als Teil des sogenannten „Metaverse“: Eine (auch von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg forcierte) Parallelwelt im Netz – inklusive jener Virtual-Reality-Brillen, die bei Videospielern immer beliebter werden. (Sony Car gegen Apple iCar: Hier fährt das Auto des PlayStation-Konzerns)

Prototyp WayRay Holograktor
Nur echt mit dem Buckel: Der WayRay Holograktor. © WayRay

Auto mit Holodeck: So wird die Frontscheibe zur riesigen AR-Brille

Letztendlich soll es so weit kommen, dass der Fahrer gar nicht mehr anwesend sein muss, sondern das Vehikel per Virtual-Reality-Brillen fernsteuert. Dennoch hat das Fahrzeug immer noch ein Lenkrad, das aber bei Bedarf nach vorne wegfährt, um den Passagieren viel Platz zu geben. Dass für diese Vision superschnelles Internet vorhanden sein muss, ist klar: 5G und das zukünftige Weltrauminternet Star-Link sollen die Konnektivität sichern.

„Das mag vielen noch futuristisch und surreal vorkommen. Aber die Technologie ist fertig und bereit, in großen Stückzahlen ausgerollt zu werden“, erklärt WayRay-Gründer Vitaly Ponomarev. Offenbar sehen Autohersteller wie Porsche und Hyundai sowie der chinesische Internetkonzern Alibaba das ähnlich, die bereits Interesse an der Technologie zeigen. (Volvo mit Android im Test: Das kann das Smartphone auf Rädern)

Prototyp WayRay Holograktor aus Fahrer-Sicht
Auf dem Screen oder der Frontscheibe überlagern sich echte und virtuelle Elemente. © WayRay

Auto mit Holodeck: Videokonferenzen während der Fahrt

Deren erster Schritt soll ein Head-up-Display in Serienautos ein, gegen das die Grafik der aktuellen Top-Systeme wirkt wie ein Schwarz-weiß-Foto aus dem Anfang des vergangenen Jahrhunderts: Die holografischen Anzeigen sind nicht mehr auf einen kleinen Bereich der Windschutzscheibe beschränkt, sondern fügen sich nahtlos in die gesamte reale Umgebung des Fahrzeugs ein.

So wird auf einen Zebrastreifen oder einen Krankenwagen, der die Fahrbahn kreuzt, hingewiesen, genauso wie auf Geschäfte oder Menschen, die soeben etwas in den sozialen Netzwerken veröffentlicht haben. Auch Erklärungen zu Gebäuden oder andere Informationen beziehungsweise Interaktionen mit Menschen sind Teil der Technologie. Eine real wirkende Videokonferenz? Kein Problem im aufkommenden Zeitalter des autonomen Fahrens. (Goldmedaille in Gran Turismo: Videospiel-Rennsimulation für PlayStation wird olympisch)

Auto mit Holodeck: So wird die Frontscheibe zur riesigen AR-Brille

Dabei braucht die Technik nur etwa ein Zehntel des Platzes, den ein aktuelles Hightech-Head-up-Display benötigt. Bereits in zwei Jahren sollen die ersten Systeme bei Premiumherstellern auf den Markt kommen, zwei Jahre später sind dann die Volumenhersteller dran.

Interieur des WayRay Holograktor
Der „Königssitz“ ist der zentrale Platz in der Studie. © WayRay

Die gezeigten Elemente werden extrem genau nachgebildet, inklusive des Lichteinfalls. Das Ganze soll so realitätsgetreu sein und die Schwindelgefühle, über die manche Nutzer der Virtual-Reality-Brillen klagen, vermeiden. Die Basis für diese Technik ist ein kompakter Laser, der im Unterboden des Autos verbaut ist und das Signal an die Rechner-Einheit im Armaturenbrett sendet. Dieser projiziert die Grafiken dann in das Sichtfeld der Passagiere. „Allerdings nicht in einen vorgegebenen Bereich, sondern quasi überall hin. Praktisch von null bis zur Unendlichkeit“, erklärt Ponomarev. (Apple-Auto mit Problemen: Steckt das iCar in der Sackgasse?)

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Auto mit Holodeck: Ein Unfall brachte den Gründer auf die Idee

Der 34-jährige Sohn eines russischen Offiziers hat eigentlich eine ökonomische Ausbildung und ist ein Autodidakt, was Software und holografische Systeme angeht. Der Wechsel in die Welt der Bits und Bytes kam durch ein einschneidendes Schlüsselerlebnis zustande: Ponomarev hatte einen Verkehrsunfall, weil er von dem Navigationssystem abgelenkt war. Er entschloss sich, das zu ändern. Das Resultat ist Verschmelzung von Hologrammen und Virtual Reality.

Konsequenterweise haben die kreativen Köpfe hinter WayRay nicht die Technik in das Auto integriert, sondern das Auto drumherum gebaut: In der markanten Finne steckt die Technik für den „Königssitz“ im Fond. Dazu sorgen genau platzierte Luftgardinen („Air Curtains“) dafür, dass sich die Passagiere nicht untereinander anstecken können: Eine Lehre aus der Corona-Pandemie.

Trotzdem soll das Auto, das die Fahrdienstleistungen auf eine neue Ebene heben soll, ansprechend aussehen. Dessen Designer Sasha Selipanov hat schon für Volkswagen gearbeitet und war am Bugatti Chiron sowie dem Lamborghini Huracán beteiligt. Dennoch ist dieses Auto für Way Ray nur der erste Schritt. Das Start-up wird bald eine Dependance im kalifornischen Silicon Valley eröffnen – und dann auch räumlich ganz in der Nähe von Google, Apple und Co sein. (Wolfgang Gomoll/press-inform)

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