Wie kann das passieren?

Frau von eigenem Auto eingesperrt – Audi sagt: „Hören wir zum ersten Mal“

  • Christian Schulz
    vonChristian Schulz
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In Österreich saß eine Frau über eine Stunde in ihrem Audi A3 fest – angeblich hatte ihr eigenes Auto sie eingesperrt. Erst der Feuerwehr gelang es, sie zu befreien. Der Ingolstädter Autobauer hält einen technischen Defekt für nahezu ausgeschlossen.

St. Egyden (Kärnten) – Zu einem wahrlich nicht alltäglichen Einsatz musste jüngst die Freiwillige Feuerwehr im österreichischen St. Egyden ausrücken. In der Kärntner Gemeinde südlich des Wörthersees hatte sich ein äußerst seltsamer Vorfall ereignet – und ein gefährlicher obendrein. Eine Frau saß in ihrem Audi A3 (Vorgänger der aktuellen Baureihe) fest, der im Carport des eigenen Anwesens stand – der Wagen hatte sie kurzerhand eingesperrt. Was sie auch versuchte, für die schockierte Mittdreißigerin gab es kein Entkommen.

Frau von eigenem Auto eingesperrt – Audi sagt: „Hören wir zum ersten Mal“

Ein technischer Defekt des Audi A3 sei schuld daran gewesen, dass die Kärntnerin letztlich mehr als eine Stunde lang Gefangene ihres Hybridautos war. Sie wollte gerade losfahren, als sie merkte, dass mit ihrem Wagen etwas nicht stimmte. Die Frau wollte aussteigen – doch das ging nicht mehr. Weder mit dem Schlüssel noch über die Türgriffe des Fahrzeugs war es ihr möglich, aus dem Inneren des Autos ins Freie zu gelangen. (Stinkefinger, Auffahren, Lichthupe – Audi-Rowdy erlebt böse Überraschung)

Da sie alleine zu Hause war und auch die Nachbarn sie nicht hörten, konnte ihr zunächst niemand aus ihrer misslichen Lage helfen. Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn dies bei einem Brand oder Unfall passiert wäre. Gefangen im eigenen Auto – eine Horrorvorstellung. (Audi-Prozess: Angeklagter Motorenentwickler – „Wir waren die Schmutzigen“)

Der Innenraum ihres eigenen Audi A3 wurde für eine Frau aus Kärnten mehr als eine Stunde lang zum Gefängnis. (Symbolbild)

Frau von eigenem Auto eingesperrt – Feuerwehr St. Egyden muss sie retten

Glücklicherweise hatte die Frau ihr Mobiltelefon mit im Fahrzeug: Nachdem sie realisierte, dass sie ausweglos festsaß, blieb ihr keine andere Wahl, als die lokale Feuerwehr zu verständigen. Deren Kommandant Peter Scharnagl hat schon viele Einsätze miterlebt – dieser aber sei sehr speziell gewesen: „Die Türen gingen nicht mehr auf, die arme Frau saß fest und die ganze Zeit schrillte die Alarmanlage ihres Audi. Um welchen technischen Defekt es sich gehandelt hat, können wir nicht beurteilen. Es ist auch für uns unerklärlich, dass sich der A3 nicht mehr öffnen ließ“, erklärt er gegenüber 24auto.de. (Audi E-Tron GT: Gezielter Angriff auf diesen Bestseller aus dem eigenen Konzern)

Letztlich musste die Freiwillige Feuerwehr St. Egyden einen ebenso kreativen wie sicheren Weg finden, um die eingepferchte Audi-Fahrerin zu befreien. „Wir haben schließlich die Fahrertür etwas aufgezwängt, sodass die Frau den Schlüssel unter der Türdichtung durchschieben und wir den Wagen von außen öffnen konnten.“ (Facelift Audi Q2: Wer ihn als Quattro will, muss an dieser Stelle Abstriche machen)

In einem roten Audi A3 war eine Österreicherin ausweglos gefangen – erst die Feuerwehr konnte sie befreien. (Symbolbild)

Frau von eigenem Auto eingesperrt – Kärntnerin erleidet Schwächeanfall, das sagt Audi

Nachdem die Fahrerin endlich befreit war, erlitt sie einen Schwächeanfall. Zur Sicherheit wurde sie anschließend ins nächstgelegene Klinikum gefahren, um dort behandelt zu werden. Dieses konnte sie aber zum Glück bald wieder verlassen. Was bleibt ist der Schock über die unfreiwillige – und äußerst unangenehme – Stunde in ihrem Audi A3. (Audi A8 L Security: So schützt diese Panzer-Limousine die Bundeskanzlerin)

Auch beim Ingolstädter Autobauer gibt man sich ratlos – und sagt, der Fall sei äußerst ungewöhnlich und müsste eingehender untersucht werden. Auf Nachfrage von 24auto.de erklärte Audi-Sprecher Udo Rügheimer, dass es sich um eine komplexe Verkettung von Umständen handeln müsse: Die umfassende Sicherheitskonzeption der Audi-Fahrzeuge schlössen es aus, dass ein Auto einen Fahrer von selbst einsperren würde: „Es gibt die sogenannte ‚Safelock‘-Funktion: Mit ihr kann das Auto durch Drücken am Schlüssel oder einen Schalter in der Tür gegen den unbefugten Zugriff verriegelt werden. Dann geht auch mechanisch nichts mehr, etwa am Türgriff. Man kann dies jedoch immer rückgängig machen.“

„Man gerät manchmal leicht in Panik, da kann man auch mal etwas verwechseln. Aber solange der Schlüssel im Innenraum ist, kommt man immer aus dem Auto heraus. Selbst wenn die Batterie des Schlüssels leer ist, muss man nur den Schlüssel ins Zündschloss stecken und den Motor starten. Dann gehen alle Schlösser sofort auf“, erklärt Rügheimer. Er will der Audi-Kundin allerdings nicht zu nahe treten: „Eine Kombination von technischen Fehlfunktionen mit diesem Ergebnis kann sich aber von unseren Fachleuten niemand erklären. Dass ein Fahrer mit Schlüssel im Auto festsitzt und nicht mehr herauskommt, hören wir zum ersten Mal.“

Rubriklistenbild: © Audi

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