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Aral rollt Schnellladesäulen für E-Autos aus – was machen die anderen Tankstellen?

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Von: Sebastian Oppenheimer

Bislang sind nur an wenigen Tankstellen Ladesäulen für Elektroautos zu finden – doch das könnte sich nun ändern. Bei Aral investiert man in Schnelllader mit ordentlich Ladeleistung.

Bochum – Wer ein Elektroauto besitzt und sein Fahrzeug laden möchte, steuert aktuell wohl nur im seltensten Fall eine herkömmliche Tankstelle an. Denn dort bekommt man zwar Diesel, Super und vielleicht noch Autogas – aber eben nur in den wenigsten Fällen Strom. Weil es aber immer mehr Elektroautos gibt, haben sich einige Hersteller, wie etwa BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen und Ford, zu einer Ladesäulen-Allianz namens Ionity zusammengeschlossen. Das Unternehmen baut vor allem entlang europäischer Autobahnen Schnelllade-Stationen auf – Ende 2020 sollen 400 Standorte in Betrieb sein. Mineralölkonzerne dagegen sahen das Anbieten von Ladestrom bislang nicht wirklich als ihre Aufgabe an. Doch das scheint sich nun zu ändern: Die deutsche BP-Tochter Aral will bis Ende Januar 2021 an 25 Tankstellen insgesamt 100 „ultraschnelle Ladepunkte“ betreiben. (E-Auto im Winter: Kälte frisst Reichweite – so verlängern Sie die Laufzeit Ihrer Akkus)

Aral nimmt Schnellladesäulen für E-Autos in Betrieb – was machen die anderen Tankstellenketten?

Gut möglich, dass man in den Chefetagen der Tankstellenkonzerne bislang darauf gehofft hat, dass sich das Elektroauto wohl doch nicht durchsetzt. Doch aktuell sieht es nicht danach aus: Mit Volkswagen setzt einer der größten Autobauer voll auf die Elektrokarte – und der kalifornische Elektroautohersteller Tesla ist aktuell der wertvollste Autobauer der Welt. Selbst viele Supermarktketten wie Lidl, Aldi oder Kaufland bieten teils schon Ladesäulen auf ihren Parkflächen an. Scheinbar hat dies auch bei Aral ein Umdenken ausgelöst – denn die Installation von Schnellladesäulen ist eine enorme Investition. Laut des Mineralölkonzerns können sämtliche Ladepunkte mit 300 oder sogar 350 Kilowatt Ladeleistung Strom in die Akkus pumpen – dabei handelt es sich um reinen Ökostrom, wie man betont. (Ladesäulen-Irrsinn: Pärchen im Porsche Taycan braucht neun Stunden für nur 210 Kilometer)

Aral nimmt Schnellladesäulen für E-Autos in Betrieb – geschieht das Umdenken wirklich freiwillig?

Wie Aral schreibt, könnten Elektrofahrzeuge damit in zehn Minuten Strom für eine Reichweite von bis zu 350 Kilometern laden – „die entsprechende Akkutechnik vorausgesetzt“. Diese Einschränkung ist wichtig, denn dabei handelt es sich eher um einen theoretischen Wert. Viele Elektro-Fahrzeuge sind aktuell noch gar nicht in der Lage, die maximale Ladeleistung der Schnellladesäulen zu verarbeiten. Selbst ein Porsche Taycan kann maximal mit 270 kW laden, ein Audi e-tron höchstens mit 150 kW. Außerdem hängt die Reichweite eines E-Autos auch vom Durchschnittsverbrauch ab, der – wie bei Verbrenner-Modellen auch – sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Auch Shell hat inzwischen an seinen Tankstellen in Deutschland einige Ladesäulen in Betrieb – ebenfalls mit Ökostrom, allerdings mit einer maximalen Ladeleistung von 150 kW. Und auch Total will laut Webseite allein in Deutschland 100 Stationen mit insgesamt 300 „High Power Charging“-Säulen ausstatten. (E-Auto-Fahrer in Supermarkt-Parkhaus gefangen – dann rastet er aus)

Dass das Umdenken der Tankstellenkonzerne so ganz aus freien Stücken geschieht, darf man dennoch bezweifeln. Möglicherweise hat der Schwenk auch mit einer Drohung von Finanzminister Olaf Scholz (62) zu tun: Der SPD-Politiker will den Ausbau von Ladestationen stark vorantreiben: Bis 2030 soll es eine Million Ladepunkte geben. Und dieses Vorhaben müssten auch die Tankstellenbetreiber unterstützen: „Notfalls müssen wir die Ladestationen vorschreiben.“

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