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Rendezvous mit dem neuen Alfa Romeo Tonale: Das ist der Preis des schicken Italieners

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Von: Rudolf Bögel

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Alfa Romeo Tonale blau
Fahren durften wir den Alfa Romeo Tonale noch nicht. Wenn er das aber so tut wie er aussieht, dann könnte es spannend werden. © Alfa Romeo

Auferstehung auf Italienisch: Mit dem Tonale schickt Alfa Romeo nach langer Zeit wieder ein neues Modell ins Rennen – einen SUV. Wir durften den kleinen Italiener schon mal anschauen.

Zitate aus einer glorreichen Vergangenheit - auch wenn der Tonale im Grunde genommen ein ganz banaler SUV* ist, der im Segment von BMW X1, Mercedes Benz EQA oder Audi Q3 wildern will: Ganz so einfach darf man sich die Sache dann doch nicht machen. Denn da ist ja noch die DNA des Edel-Italieners. DNS auf gut Deutsch. Desoxyribonukleinsäure. Der Informations-Stoff, der aus einem Zellhaufen ein individuelles Wesen macht. Einzigartig, aber trotzdem erkennbar. Die Nase vom Vater, der Mund von der Mutter, die Haarfarbe vom Opa, die Augen von der Oma. Und so ist es auch beim Tonale.

Die drei Frontlichter auf jeder Seite erinnern an den legendären Brera, die Seitenlinie an den nicht minder berühmten Disco Volante, die waagrechten durchgehenden Rücklichter an den schicken GTV und die Heckscheibe an den mittlerweile unbezahlbaren Alfa 8C. Ganz zu schweigen von den Felgen, die in guter Alfisti-Tradition wie überdimensionale Wählscheiben von alten Telefonen aussehen. Ob Generation Smartphone damit etwas anfangen kann?

Alfa Romeo Tonale blau Detail Frontscheinwerfer
Die drei Frontlichter an jeder Seite sind ein Design-Zitat aus dem eigenen Haus. Wer nicht gleich darauf kommt: Alfa Romeo Brera. © MAX SAROTTO /Alfa Romeo

Italiens Pässe sind für Alfa Romeo einfach die Höchsten

Jede Menge Vergangenheit jedenfalls, die auf jede Menge Zukunft trifft. Denn die Legende Alfa, die zwischenzeitlich schon fast tot war, aber im Geschäftsjahr 2021 zumindest wieder einmal schwarze Zahlen geschrieben hat, lebt. Vor allem dank des neu gebildeten Stellantis-Konzerns, der über 20 Automarken verwaltet und der ähnlich wie bei Volkswagen ein riesiges Technik-Regal zur Verfügung stellt, an dem sich die einzelnen Marken bedienen können, um teure Entwicklungskosten zu sparen.

Und so kommt Alfa auch wieder zu einem dritten Modell. Nach Giulia und Stelvio, die für ordentlichen Umsatz in den Kassen sorgen. Während die Giulia für über 60 Jahre Automobilgeschichte bei Sportlimousinen steht, wurde der Stelvio absatzgetrieben schon strategisch in die SUV-Ecke geschoben. Der Name Stelvio steht für das Stilfser Joch. Ein Pass in 2757 Metern Höhe. Der zweite SUV von Alfa will nicht mehr ganz so hoch hinaus. Er heißt Tonale, so wie der gleichnamige Pass, der die Lombardei mit dem Trentino verbindet – und „nur“ in 1882 Metern Höhe liegt. Unter dem Alfa Romeo Stelvio ist deshalb folgerichtig auch der Tonale positioniert. Ein etwas kleinerer SUV für den etwas kleineren Geldbeutel.

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Alfa Romeo Tonale Innenraum rotes Ambientelicht
Rotes Ambiente-Licht verleiht dem Innenraum des Alfa Romeo Tonale den Touch eines luxuriösen Clubs. © MAX SAROTTO / Alfa Romeo

Hybrid-Antrieb mit 130 oder 160 PS – was darf es sein?

Vorgestellt wurde die Studie zum Tonale schon auf dem Genfer Autosalon 2019. Als es noch so etwas wie Automessen gab. Spektakulär war der Entwurf schon damals. Und die Serienversion ist gar nicht mal so weit davon entfernt. Warum es drei Jahre gedauert hat? Einfach nachschauen im Geschichtsbuch und auf den einschlägigen Wirtschaftsseiten. Die Pandemie und die chronische Halbleiter-Knappheit haben den neuen „Bello“ aus Italien immer wieder ausgebremst. Und tun es heute noch.

Denn zunächst einmal kommt der Alfa nur als reiner Hybrid auf den Markt. Der zusätzliche 15-kW-Elektro-Motor ist im Getriebe integriert, ermöglich Segeln und rein elektrisches anfahren und einparken. Nicht mehr und nicht weniger. Gemeinsame Sache macht er mit einem 1,5 Liter großen Turbo-Benziner, der wahlweise und je nach Geldbeutel 130 oder 160 PS leistet. Wenn das bekannt vorkommt: Ähnliche Setups finden sich zuhauf im weiten Stellantis-Universum. Zum Beispiel beim Jeep Compass 4xe. Wert legt Alfa aber auf das ein oder andere markentypische Spezifikum. Nämlich, dass der Verbrenner einen Turbolader mit variabler Turbinen-Geometrie hat, der das gleichnamige und gefürchtete Turbinenloch auf ein Minimum begrenzen soll. Bleibt abzuwarten, wie schnell der Tonale mit dem unvermeidbaren Vorderradantrieb von 0 auf Tempo 100 rennt.

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Alfa Romeo Tonale blau Detail Hecklichter
Licht ist das neue Chrom. Auch beim Alfa Tonale gibt es weniger Edelmetall, dafür aber auffällige Licht-Signaturen wie die am Heck. © MAX SAROTTO / Alfa Romeo

In der Stadt soll der PHEV immerhin 80 Kilometer schaffen

Die Top-Motorisierung mit einer Systemleistung von 275 PS bleibt dem PHEV vorbehalten, der im vierten Quartal 2022 auf den Markt kommen soll. Plug-In-Hybrid-Electric-Vehicle. So lautet das Akronym ausgeschrieben. Das aufladbare Kombi-System aus einem 1,3 Liter großen Dreizylinder-Benziner mit stattlichen 180 PS und einem E-Motor mit 80 kW (109 PS) auf der Hinterachse verfügt in dieser Konstellation über einen Allradantrieb mit den entsprechenden Dynamik-Eigenschaften. In der Stadt soll er damit bis zu 80 Kilometer rein elektrisch kommen. Mit einer Gesamtreichweite von 600 Kilometern. Und in rasanten 6,2 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Die Ansprüche jedenfalls sind hoch. Denn auch der PHEV soll ein echter Alfa sein.

Die Gewichtsverteilung von 50:50 auf Vorder- und Hinterachse könnte ein Hinweis auf besonders sportliche Eigenschaften sein. Genauso wie bestimmte technische Anforderungen, die man sich selbst gesetzt hat. So will man die direkteste Lenkung in diesem Segment anbieten und auch bei den Bremsen für die Maßstäbe sorgen. Brake by wire heißt hier das Zauberwort. Einfach übersetzt heißt das: Der Mensch legt mit dem Tritt auf das Bremspedal nur die Stärke der Tempo-Reduzierung fest, die Umsetzung erfolgt möglichst variabel und damit auch möglichst stabil via Computer auf die einzelnen Räder.

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Alfa Romeo Tonale blau  Seitenansicht
Ciao - ich bin der Neue. Neben Giulia und Stelvio hat Alfa Romeo jetzt wieder ein drittes Modell im Portfolio. Den Tonale. © MAX SAROTTO / Alfa Romeo

Blockchain-Technologie für den fälschungssicheren Fahrzeugschein

Soweit so besonders. Das setzt sich im Interieur aber nur bedingt fort. Das Layout mit getrenntem Tacho- und Infotainment-Bildschirm variiert nur noch in der Größe, sonst sind sich die meisten Auto-Hersteller da ziemlich ähnlich. Es sei denn sie haben die Screens geschickt zu einem einzigen Breitleinwand-Bildschirm vereint. Bei Alfa wird strikt getrennt. Das Tacho-TFT-Display kommt dem eines analogen Armaturenbretts ziemlich nahe. Auf dem Tacho und dem Drehzahlmesser wurden die Zahlen gedreht - wegen der besseren Lesbarkeit. Die Idee kommt aus dem Motorsport, damit der Pilot schnelle Informationen erhält. Schon in historischen Alfa-Serienmodellen hat man diesen Gag übernommen.

Ansonsten bietet Alfa beim Tonale eine gute Mischung zwischen digitaler Bedienung via Touch-Screen (AndroidAuto und AppleCarPlay sind selbstverständlich mit an Bord) und den guten alten Tasten für Klima etwa und Laustärke. Danke für das geriffelte und schnell auffindbare Chrom-Rad in der Mittelkonsole. Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal des Tonales kann man nicht sehen. Als erstes Serienauto generiert es via Blockchain-Technologie ein digitales Protokoll, über alles, was man über das Auto wissen muss. Dieser fälschungssichere und nur für den Besitzer einsehbare sich immer wieder aktualisierende „Fahrzeugschein“ soll die Historie lückenlos dokumentieren und den Widerverkauf eines solchen Autos wertsteigernd beeinflussen. Apropos: Preise hat Alfa noch nicht bekannt gegeben. Man kann aber davon ausgehen, dass die Einstiegsvariante so um die 35.000 Euro kosten wird, das Top-Modell dürfte dann bei rund 50.000 Euro liegen.

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Alfa Romeo Tonale blau Heck Autor Rudolf Bögel
Zumindest vom Design überzeugt: Unser Autor Rudolf Bögel durfte den Alfa Romeo Tonale zumindest schon mal genau ansehen. © FCA Germany AG

Unser Fazit zur Erstbegegnung mit dem Alfa Romeo Tonale

Ist er schön? Oder gar atemberaubend? Oder so gewöhnlich wie der 197. SUV, der wieder einmal neu erfunden wurde? Die Frage ist schwer zu beantworten. Auf der einen Seite haben uns die Design-Zitate aus der glorreichen Alfa-Zeit beeindruckt. Das billige Plastik auf dem Armaturenbrett hingegen katapultiert uns ins Hier & Heute der Belanglosigkeit eines Giga-Konzerns. Welche Richtung wird gewinnen? Aber vielleicht kann uns eine Probefahrt im Tonale vom Besseren überzeugen. (Rudolf Bögel)*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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