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Apple Watch mit Unfall-Sensor rettet Autofahrer – er funktioniert also doch

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Von: Marcus Efler

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Fehlalarme und Crashtest-Versagen ließen am Unfall-Sensor von Apple Watch und iPhone zweifeln. Doch jetzt meldete sich ein Autofahrer, den er offenbar rettete.

Update vom 26. Oktober 2022, 9:30 Uhr: Und er funktioniert doch. Nachdem sich die Zweifel an der Funktionalität des Crash-Sensors in iPhone und Apple Watch beziehungsweise Ultra gemehrt hatten, hat er nun offenbar einen verletzten Autofahrer nach einem Unfall vor Schlimmerem bewahrt. Seine Apple Watch 8 habe „letzte Nacht wohl dabei geholfen, mein Leben zu retten“, postet ein Autofahrer auf Reddit.

Apple Watch mit Unfall-Sensor rettet Autofahrer – es funktioniert also doch

Ein Reifen seines Subaru war geplatzt, und der Wagen mit Tempo 50 gegen einen Mast geprallt. „Kopf gegen Lenkrad, ständiges Hupen, Auto qualmt – in der Mitte von nirgendwo“, so die dramatische Schilderung. Dann fühlte der Mann das Summen seiner Watch am Handgelenk. „Das nächste, was ich weiß ist, dass ich im Rettungswagen abtransportiert wurde.“ Spätere Diagnose: Der Boden der Augenhöhle und drei Rippen waren gebrochen. „Aber ich lebe“, so der Autofahrer, und empfiehlt allen anderen Watch-Trägern: „Schaltet die Crash-Erkennung ein!“

Update vom 11. Oktober 2022, 13:26 Uhr: Die Idee hinter dem Crash-Sensor in der neuen Apple Watch und dem iPhone 14 ist sicherlich richtig gut: Bei einem Autounfall sollen automatisch Rettungskräfte alarmiert werden, wenn der Besitzer nicht mehr in der Lage ist, selbst Hilfe herbeizurufen. Doch noch liegen die Geräte ganz offenbar nicht immer richtig: Während kürzlich im Test eines YouTubers Apple Watch und iPhone 14 bei einem Unfall gar nicht anschlugen (siehe weiter unten), löste nun die Apple Watch gleich mehrere Male falsch aus – und zwar in Fahrgeschäften von Freizeitparks.

Eine Achterbahn
Offenbar löst der Unfall-Sensor der Apple Watch in Achterbahnen ungewollten Alarm aus. (Symbolbild) © agefotostock/Imago

Wie das Wall Street Journal berichtet, gingen allein bei der Notrufzentrale nahe des Freizeitparks Kings Island im US-Bundesstaat Ohio bereits sechs automatisch abgesetzte Anrufe von iPhones ein. Auch aus der Joker-Achterbahn im Six Flags Great America Freizeitpark nahe Chicago wurden dem Bericht zufolge ähnliche Notrufe gemeldet.

Die Apple-Geräte hatten offenbar die Fahrt in einer Achterbahn als Crash interpretiert. Zwar besteht bei einer eventuellen Fehl-Auslösung des Unfall-Alarms für den Nutzer theoretisch noch eine Möglichkeit, den Anruf bei der Rettungsstelle zu stoppen – doch von diesem Zehn-Sekunden-Countdown haben die Personen in der Achterbahn während des wilden Ritts vermutlich nichts mitbekommen.

Update vom 4. Oktober 2022, 15:00 Uhr: Es war nur eine Frage der Zeit, bis Auto- oder Gadget-Tester eine der neuen Funktionen der Apple Watch 8, Ultra oder auch des iPhone 14 ausprobieren würden: Die Crash-Erkennung, bei einem Auto-Unfall die Rettungskräfte alarmieren soll. Nun hat der US-amerikanische YouTuber Luke Miani das System ausprobiert – indem der gleich mehrere Geräte in schrottreifen Autos installierte und es sodann mehrfach krachen ließ.

Das ernüchternde Ergebnis: Nicht ein einziges Mal schlugen Apple Watch oder iPhone an – obwohl durchaus auch ein sehr heftiger Aufprall mit einem fahrerlosen, am Seil gezogenen Auto Teil des Programms war, sowie auch ein Überschlag einen Hang hinunter. „Es funktioniert nicht“, resümierten die Apple-Crasher.

Apple Watch mit Unfall-Sensor: Erkennung versagt beim Crashtest

Fairerweise muss man allerdings auch hinzufügen, dass es sich bei den Versuchen nicht um normierte Crashtests handelte, sondern um ein eher unkoordiniertes Herumgebolze. Bei den 407.000 Abonennten des Technik-YouTubers dürfte das entsprechende Video seine Wirkung aber nicht verfehlen. Hier ist es:

Erstmeldung vom 8. September 2022, 13:02 Uhr: Für viele Apple-Fans ist der September der wichtigste Monat im Jahr: Dann stellt der Konzern aus Cupertino seine neuen iPhones vor, und noch so manche andere Gadgets wie die nächste Generation der Watch (auf die Präsentation des iCar dagegen muss man wohl noch ein paar Jahre warten). Gerade die Apple Watch hatte im Livestream aus Cupertino in diesem Jahr ihren großen Auftritt: Emotional berichteten mehrere Kunden von Situationen, in denen die Armbanduhr ihnen vermutlich das Leben gerettet hatte.

Apple Watch 8 mit Unfall-Sensor: So funktioniert er, das kann er

Neben umfangreichen Medizinfunktionen, die etwa Herzrhythmus oder den Sauerstoffgehalt des Blutes überwachen, verfügt die Smartwatch auch über Sensoren, die beispielsweise Stürze von Joggern oder Radfahrern erkennen und Rettungsdienste alarmieren können. Die neu vorgestellte achte Generation fügt denen einen weiteren hinzu: Eine Erkennung von Autounfällen, die „Crash Detection“.

Apple Watch Ultra
Retter in der Not? Apple Watch, hier die Outdoor-Variante Ultra. © Apple

Apple Watch 8 mit Unfall-Sensor: Eine Million Daten ausgewertet

Die aktiviert sich automatisch und nur dann, wenn der Träger der Apple Watch 8 oder Ultra im Auto fährt. Ein überarbeitetes Drei-Achsen-Gyroskop sowie ein neuer Beschleunigungssensor, der bis zu 256 g erfassen kann, erfassen die Umgebung dann 3.000 Mal pro Sekunde. Dazu kommen die Daten von Barometer, Mikrofon und GPS. Ein Algorithmus gleicht seinen Input mit einer Million Crash-Daten ab, die Apple in Simulationen zusammengetragen hat. So kann er vier Arten von Unfällen erkennen:

Passiert etwas davon, löst die Apple Watch einen Countdown über zehn Sekunden aus. Stoppt der Fahrer ihn nicht bewusst, werden automatisch Rettungskräfte alarmiert.

Hintergrund dieses Aufwandes: Fast die Hälfte aller schweren Unfälle passieren in den USA in ländlichen Gebieten, und meistens ist kein anderes Fahrzeug beteiligt. Die verunfallten Autofahrer sind dann auf sich allein gestellt. So betrachtet, ist die Crash Detection eine sinnvolle Ergänzung der Apple Watch.

Apple Watch 8 mit Crash Detection
Nach einem Crash erscheint dieser Hinweis auf dem Display der Apple Watch 8. © Apple

Apple Watch 8 mit Unfall-Sensor: Ergänzung zu eCall

Europäische Autofahrer haben ein ähnliches System allerdings auch ohne diese immer dabei – zumindest, wenn sie in einem einigermaßen modernen Auto sitzen. Denn seit April 2018 ist der sogenannte eCall Pflicht in Neuwagen. Der alarmiert automatisch Einsatzkräfte und übermittelt den Standort, wenn beispielsweise der Airbag auslöst, und lässt sich auch manuell aktivieren. Dazu kommen ähnliche Systeme, die manche Autohersteller wie etwa Mercedes-Benz ebenfalls serienmäßig einbauen. Hier geht der Notruf allerdings zuerst an die eigene Zentrale der Automarke.

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So ist Apples Crash-Erkennung vor allem ein Back-up für schon bestehende Technologien, das aber sicher nichts schaden kann. Und von dem man hofft, dass man es nie benötigt.

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