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Mercedes-Benz A-Klasse: W168, W169, W176 – alles über das Kompaktmodell aus Stuttgart

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Von: Sebastian Oppenheimer

Mit der Mercedes-Benz A-Klasse wagt der Stuttgarter Autobauer im 1997 den Einstieg ins Kompaktwagen-Segment. Der Elchtest beschert der ersten Generation jedoch einen Stolper-Start.

Stuttgart – Die Marke Mercedes-Benz stand über Jahrzehnte für hochwertige Fahrzeuge der Mittelklasse, der oberen Mittelklasse und der Oberklasse. Doch in den 1990er-Jahren mussten die Premium-Hersteller ihre Strategie ändern: Um einen neuen Kundenkreis zu erschließen und den veränderten Verkehrsverhältnissen Rechnung zu tragen (volle Innenstädte, Parkplatznot), war plötzlich auch das Segment der Kompaktwagen interessant. Die Volkswagen-Tochter Audi war bereits 1996 mit dem Audi A3 in der Golfklasse an den Start gegangen – 1997 zog nun auch der Stuttgarter Autobauer mit der A-Klasse nach. Der Konkurrent BMW ließ sich mit seinem BMW 1er sogar noch bis 2004 Zeit.

Die Mercedes-Benz A-Klasse war das erste Modell des Herstellers mit Frontantrieb. Neu war auch der eigens für das Modell entwickelte Sandwichboden, der hauptsächlich für die Unterbringung von Komponenten von alternativen Antrieben – beispielsweise Batterien für einen Elektroantrieb – gedacht war. Seinen eigentlichen Zweck erfüllte der Sandwichboden allerdings nie: die Mercedes-Benz A-Klasse kam weder mit E-Antrieb noch mit Brennstoffzelle, sondern ausschließlich mit Verbrennungsmotor auf den Markt. Produziert wird die A-Klasse unter anderem im Mercedes-Benz-Werk in Rastatt.

Mercedes-Benz A-Klasse: Ein beim Elchtest umgekipptes Fahrzeug bringt den Autobauer 1997 in Bedrängnis

Inzwischen ist die A-Klasse fest im Portfolio von Mercedes-Benz verankert – doch der Start des neuen Modells verlief holperig. Beim sogenannten Elchtest – einem Spurwechsel-Manöver bei rund 65 km/h – war die Mercedes-Benz A-Klasse bei Testfahrten durch schwedische Journalisten nur kurz nach der Präsentation im Jahr 1997 umgekippt. Der Vorfall entwickelte sich schnell zu einem PR-Desaster – vor allem deshalb, weil die Manager des Stuttgarter Autobauers versuchten, die Sache kleinzureden: andere Reifen und das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) sollten bei künftigen A-Klasse-Fahrzeuge ein Umkippen verhindern. Schließlich musste Mercedes-Benz jedoch umfangreiche Maßnahmen ergreifen: Die Produktion wurde gestoppt und selbst bereits gebaute A-Klasse-Fahrzeuge wurden mit dem Fahrerassistenzsystem ESP und einem geänderten Fahrwerk ausgestattet.

Ein Überblick über die Generationen der Mercedes-Benz A-Klasse:

BaureiheBauzeit
Mercedes-Benz A-Klasse Baureihe 1681997–2004
Mercedes-Benz A-Klasse Baureihe 1692004–2012
Mercedes-Benz A-Klasse Baureihe 1762012–2018
Mercedes-Benz A-Klasse Baureihe 1772018–heute

Für den erfolgsverwöhnten Autobauer Mercedes-Benz war die Situation ungewohnt: Der Hersteller, der wie kaum ein anderer für Qualität und Sicherheit stand, musste infolge des Elchtest-Vorfalls einiges an Hohn und Spott über sich ergehen lassen. Die Mercedes-Benz A-Klasse bekam Spitznamen wie „Elch-Klasse“ oder „Purzel“ – auch vom „Kleinsten Kipper der Welt“ war gelegentlich scherzhaft die Rede. Schließlich änderte der Stuttgarter Autobauer jedoch seine Strategie: Statt abzuwiegeln, ging man offensiv mit dem Vorfall um und betrachtete ihn sogar mit einem Augenzwinkern. Unter anderem bekamen Mercedes-Kunden einen Stofftier-Elch geschenkt. Durch das verbaute ESP – das zu diesem Zeitpunkt nur deutlich höher positionierte und teurere Fahrzeuge an Bord hatten – wurde auch der Ruf in Punkto Sicherheit schnell wiederhergestellt.

Mercedes-Benz A-Klasse: die Studien A und A93 zeigen, wie ein mögliches Kompaktmodell aus Stuttgart aussehen könnte

Fahraufnahme der Studie A93 einem Konzeptfahrzeug zur späteren Mercedes-Benz A-Klasse.

Die Studie A93 gab einen ersten Ausblick auf die spätere Mercedes-Benz A-Klasse. © Daimler AG

Einen ersten Vorgeschmack auf die A-Klasse hatte Mercedes-Benz bereits in den Jahren 1993 und 1994 mit den Konzeptfahrzeugen Studie A und Studie A 93/Vision A 93 gegeben. Die Fahrzeuge unterschieden sich nur in Nuancen und gaben optisch auch nur grob die Richtung vor. Dass Mercedes-Benz sich aber schon viel früher mit sparsamen und kleineren Fahrzeugen beschäftigte, zeigt die bereits 1981 präsentierte Studie NAFA (Spitzname: „Vesperwägele“). Die vier Buchstaben sind eine Abkürzung für Nahverkehrsfahrzeug. Die Idee des NAFA – sprich eines Fahrzeugs im Kleinstwagen- oder Kleinwagensegment zu bauen – wurde allerdings nie umgesetzt. Erst 1997 stieg man dann mit der Mercedes-Benz A-Klasse ins Kompaktsegment ein.

Drei kompakte Mercedes-Benz aus zwei Jahrzehnten: Nahverkehrsfahrzeug NAFA (1981), Studie A (1994) und Mercedes-Benz A-Klasse (1997, Baureihe 168).

Miniaturisierung: Eine Mercedes-A-Klasse, die Studie A (Mitte) und das Nahverkehrsfahrzeug NAFA. © Daimler AG

Mercedes-Benz A-Klasse: die erste Generation erscheint auch als Langversion

Die erste Generation der Mercedes-Benz A-Klasse (Baureihe 168) kam im Jahr 1997 auf den Markt und war ausschließlich als Fünftürer (W 168) erhältlich. Im Jahr 2001 wurde zusätzlich eine Langversion (V 168) mit einem um 170 Millimeter Radstand eingeführt – die Langversionen erhielten bei der offiziellen Modellbezeichnung zusätzlich den Buchstaben „L“ (Beispiel: Mercedes-Benz A 170 CDI L).

Fahraufnahme einer roten Mercedes-Benz A-Klasse der ersten Generation (Baureihe 168).

Im Jahr 1997 wagte Mercedes-Benz mit der A-Klasse den Einstieg ins Kompaktsegment. © Daimler AG

Mercedes-Benz hatte bis zum Start der A-Klasse 1997 auch an einer Elektro-Version gearbeitet. Zusammen mit AEG war die sogenannte Zebra-Batterie mit einer Kapazität von 30 kWh entwickelt worden. Bei einer Geschwindigkeit von maximal 128 km/h wäre damit eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern möglich gewesen. Zu einer Serienproduktion kam es jedoch nie, weil man der Ansicht war, das Modell würde sich wirtschaftlich nicht rechnen.

Mercedes-Benz A-Klasse: die Baureihe 169 gibt es auch als Dreitürer

Die zweite Generation der Mercedes-Benz A-Klasse (Baureihe 169) kam im Jahr 2004 auf den Markt und unterschied sich optisch nur wenig vom Vorgängermodell. In dieser Baureihe wurde die A-Klasse um eine dreitürige Variante ergänzt, die Langversion wurde dagegen aus dem Programm genommen.

Eine rote Mercedes-Benz A-Klasse der zweiten Generation (Baureihe 169).

Auch die zweite Generation der A-Klasse hatte einen Sandwichboden – und bot dadurch eine hohe Sitzposition. © Daimler AG

Auch in der zweiten A-Klasse-Generation setzte der Stuttgarter Autobauer wieder auf den Sandwichboden. Dieser war in erster Linie für die hohe Sitzposition der Passagiere verantwortlich – was wiederum das Ein- und Aussteigen ins Fahrzeug erleichterte. In einer Zeit, in der hochbauende SUV noch Seltenheitswert hatten, war das Fahrzeug deshalb vor allem bei Senioren beliebt. Weil ein Fahrzeug im Kompaktsegment aber vor allem eine junge Kundschaft locken soll, um sie langfristig an die Marke zu binden, entschloss sich Mercedes-Benz beim Nachfolger der Baureihe 169 zu einem radikalen Schritt.

Die Mercedes-Benz A-Klasse im Wandel: die dritte Generation bricht mit den Vorgängermodellen

Als im Jahr 2012 die dritte Generation der Mercedes-Benz A-Klasse (Baureihe 176) auf den Markt kam, waren vor allem viele ältere Kunden verärgert. Diesmal hatte der Stuttgarter Autobauer auf den Sandwichboden verzichtet und die Karosserieform grundlegend verändert: die A-Klasse bekam ein deutlich sportlicheres Design. Wer bislang aufgrund der hohen Sitzposition und des bequemen Einstiegs zur A-Klasse gegriffen hatte, musste nun zur teureren Mercedes-Benz B-Klasse greifen oder sich bei einem anderen Hersteller umschauen.

Fahraufnahme einer blauen Mercedes-Benz A-Klasse der dritten Generation (Baureihe 176).

Radikaler Wandel: die dritte Generation der Mercedes-Benz A-Klasse wurde wesentlich sportlicher. © Daimler AG

Das komplett veränderte Fahrzeugkonzept traf jedoch den Nerv der Zeit, das Modell verkaufte sich sehr gut. Ab dem Jahr 2013 wurde die Mercedes-Benz A-Klasse um eine Variante aus dem Hause Mercedes AMG erweitert – das Top-Modell Mercedes-Benz A 45 AMG leistete 360 PS, nach dem Facelift im Jahr 2015 sogar 381 PS. Nun hatte der Stuttgarter Autobauer auch im Kompaktsegment den Konkurrenten BMW und Audi bei sportlichen Modellen etwas entgegenzusetzen. Auch der Allradantrieb 4Matic war in dieser Generation zum ersten Mal verfügbar.

Mercedes-Benz A-Klasse: die vierte Generation erscheint 2018

Die vierte Generation der Mercedes-Benz A-Klasse (Baureihe 177) erschien im Jahr 2018 in zwei Karosserievarianten: Schrägheck und Limousine. Ein Jahr nach Marktstart war nun erstmals eine Variante mit Plug-in-Hybrid-Antrieb im Angebot: der A 250 e. Dabei kombiniert der Stuttgarter Autobauer einen 1,3-Liter-Ottomotor mit einer Leistung von 118 kW (160 PS) mit einem 75 kW (102 PS) starken Elektromotor, die Systemleistung gibt Mercedes-Benz mit 160 kW (218 PS) an.

Fahraufnahme einer silbergrauen Mercedes-Benz A-Klasse der vierten Generation (Baureihe 177)

Die vierte Generation der Mercedes-Benz A-Klasse kam 2018 auf den Markt. © Daimler AG

In der der A-Klasse der Baureihe 177 feierte auch das sogenannte MBUX-System Premiere (Mercedes-Benz User Experience) – eine Art digitaler persönlicher Assistent, der über das Sprachkommando „Hey Mercedes" aktiviert wird. Darüber kann beispielsweise die Klimaanlage geregelt oder der Radiosender gewechselt werden.

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