Vom Rennstall zur Automarke

McLaren: F1, 570S, 720S – der britische Supersportwagenhersteller und seine Modelle

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Der britische Autobauer McLaren hat seine Wurzeln im Rennsport. Das 1985 gegründete Unternehmen mit Sitz in Woking und fertigt Supersportwagen in Kleinserie.

  • McLaren ist ein britischer Hersteller von Supersportwagen
  • Das Unternehmen ging aus dem Rennstall McLaren Racing hervor
  • Zu den spektakulärsten Projekten zählte der McLaren F1

Woking – Kaum ein Autobauer hat so einen starken Bezug zum Rennsport wie McLaren. Der britische Hersteller von Supersportwagen hat seinen Sitz im britischen Woking, geleitet wird das Unternehmen aktuell von Mike Flewitt (58). Der Autobauer McLaren – McLaren Automotive – entstand im Jahr 1985 aus dem Rennstall McLaren Racing, zunächst als McLaren Cars (bis 2010). Eines der spektakulärsten Fahrzeuge von McLaren ist der von 1993 bis 1997 gefertigte McLaren F1 mit einem V12-Motor von BMW. Aktuelle Fahrzeuge von McLaren sind unter anderem der McLaren 570S, der McLaren 720S sowie der neue McLaren GT. Einen Konfigurator gibt es auf der Website nicht für alle Modelle: wer Interesse an einem McLaren Senna, McLaren Elva oder McLaren Speedtail hat, muss sich direkt an einen Händler wenden.

Im Jahr 2018 lieferte McLaren weltweit 4.829 Fahrzeuge aus. McLaren Automotive ist Teil der von Ron Dennis (72) gegründeten McLaren Group die im Jahr 2018 weltweit 3.798 Mitarbeiter beschäftigte.

Preise für die Fahrzeuge gibt McLaren auf seiner offiziellen Website nicht an. Dennoch ist es kein Geheimnis, dass der Besitz eines McLaren ein exklusives Vergnügen ist: Unter 180.000 Euro ist selbst das Einstiegsmodell McLaren 570S nicht zu haben.

Der McLaren 570s ist das Einstiegsmodell des britischen Supersportwagen-Herstellers.

Einer der prominentesten McLaren-Besitzer ist der Fußballstar Kingsley Coman (23). Eines seiner Exemplare hat der prominente Kicker des FC-Bayern allerdings am 23. 2018 geschrottet. Auf der A95 rutschte sein McLaren 720S in die Leitplanke. Laut Unfallbericht hatte der Franzose offenbar etwas zu heftig aufs Gaspedal gedrückt, der Sportwagen erlitt einen Totalschaden. Kingsley Coman blieb bei dem Unfall unverletzt. Schon wenige Monate später wurde Kingsley Coman in einem neuen McLaren 720S am Trainingsgelände des FC Bayern gesichtet.

Fußball-Mega-Star Cristiano Ronaldo (35) hat in seinem Fuhrpark ebenfalls ein Fahrzeug aus dem Hause McLaren – allerdings hat sich der Portugiese für einen McLaren Senna entschieden.

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Aktuell hat McLaren folgende Fahrzeuge aus vier verschiedene Serien im Angebot:

ModellSerie
McLaren 540C Sports Series
McLaren 570SSports Series
McLaren 570S SpiderSports Series
McLaren 570GT Sports Series
McLaren 600LT Sports Series
McLaren 600LT Spider Sports Series
McLaren 720S Super Series
McLaren 720S Spider Super Series
McLaren 765LT Super Series
McLaren Senna Ultimate Series
McLaren Senna GTR Ultimate Series
McLaren Speedtail Ultimate Series
McLaren Elva Ultimate Series
McLaren New GTNew GT

Die Geburt einer Marke: Bruce McLaren gründet seinen eigenen Rennstall

Gründer und Namensgeber des McLaren-Rennstalls war der neuseeländische Rennfahrer Bruce McLaren (32, †1970). Der Neuseeländer hatte sehr früh mit dem Rennfahren begonnen, schon mit 15 Jahren nahm er an ersten Rennen teil – und wurde auch bald vom australischen Rennfahrer Jack Brabham (87, †2014) entdeckt, der Bruce McLaren 1958 ins Cooper-Werksteam holte.

Bereits ein Jahr später gewann Bruce McLaren im Altern von 22 Jahren und 26 Tagen als bis dahin jüngster Fahrer sein erstes Formel-1-Rennen. 1960 wurde Bruce McLaren Vizeweltmeister in der Formel-1.

Bruce McLaren verunglückte 1970 bei einer Testfahrt mit einem Rennwagen in Goodwood tödlich.

Weitere Erfolge beim Cooper-Team blieben allerdings aus, weshalb Bruce McLaren begann, nebenbei eigene Fahrzeuge zu konstruieren. 1966 schließlich stieg der Neuseeländer bei Cooper aus und gründete seinen eigenen Rennstall.

Die Rennwagen von McLaren waren damals in einem speziellen Orange lackiert – bis heute ist dieses „Papaya-Orange“ die Firmenfarbe von McLaren.

In der Saison 1969 wurde Bruce McLaren Dritter in der Fahrerweltmeisterschaft und galt als einer Favoriten auf den Titelgewinn im Jahr 1970. Jedoch verunglückte der Neuseeländer bei einer Testfahrt eines Rennwagens für die CanAm-Serie am 2. Juni 1970 in Goodwood tödlich.

Im Laufe der 1970er-Jahre beschloss, dass McLaren-Team auf andere Rennserien zu verzichten und beschränkte sich fortan auf die Teilnahme an Formel-1-Rennen. Nach der Scuderia Ferrari ist McLaren heute das am längsten in der Formel-1 vertretene Team.

McLaren in der Formel-1: Große Erfolge unter Teddy Mayer und Ron Dennis

Nach dem Tod von Bruce McLaren übernahm Teddy Mayer (73, † 2009) die Leitung des Rennstalls und erzielte dabei einige Erfolge: 1974 und 1976 gewann McLaren die Fahrerweltmeisterschaft mit dem Brasilianer Emerson Fitipaldi (73) und dem Briten James Hunt (45, †1993). 1974 holte man zusätzlich auch den Konstrukteurstitel. Ende der 1970er-Jahre ließen die Erfolge dann nach.

In den 1980er-Jahren übernahm dann Ron Dennis die Teamleitung des McLaren-Rennstalls. Es folgte eine lang andauernde Ära großer Erfolge: 1984 konnte Niki Lauda (70, †2019) für das McLaren-Team die Fahrerweltmeisterschaft erringen. 1985, 1986, und 1989 holte Alain Prost (65) den WM-Fahrertitel für McLaren. In den Jahren 1988, 1990 und 1991 gewann Ayrton Senna (34, †1994) die Fahrerweltmeisterschaft auf McLaren.

Ayrton Senna gegen Alain Prost: Legendäres Duell zweier McLaren-Piloten in der Formel-1.

Erst 2009 übernahm Martin Witmarsh (62) die Chefposition im McLaren-Rennstall von Ron Dennis. Allerdings konnte das McLaren-Team in der Whitmarsh-Ära keine großen Erfolge verbuchen. Im Jahr 2014 übernahm erneut Ron Dennis das Ruder. Im November 2016 wurde Ron Dennis als Chef der McLaren-Technology-Group – zu der auch das Formel-1-Team gehört – beurlaubt.

McLaren F1: Ein Supersportwagen, wie ihn die Welt bis dahin noch nicht gesehen hatte

Gleich das erste Straßenauto-Projekt von McLaren zog riesige Aufmerksamkeit auf sich: Der McLaren F1 war bei seiner Vorstellung im Jahr 1992 ein Auto der Superlative. Zur Zeit der Einführung kostete ein McLaren F1 rund 1,5 Millionen D-Mark (rund 770.000 Euro) – der Supersportwagen war damals das teuerste Serienauto der Welt. Das erste Fahrzeug wurde im Dezember 1993 an einen Kunden in Monaco übergeben.

Verbaut wurde beim McLaren F1 so ziemlich alles, was zu dieser Zeit technisch möglich war. So besteht die Karosserie des Supersportwagens aus einem Monocoque aus carbonfaserverstärktem Kunststoff (CFK). So etwas hatte es zuvor bei keinem anderen Serienfahrzeug gegeben. Um noch mehr Gewicht zu sparen, wurden die Aufhängungen für Fahrwerk und Motor des McLaren F1 aus Aluminium und Magnesium gefertigt. Das Leergewicht des Fahrzeugs liegt – je nach Ausführung – dadurch maximal bei 1138 Kilogramm.

Extrem selten, extrem teuer: der Supersportwagen McLaren F1.

Der Mittelmotorsportwagen ist mit einem 6,1-Liter-V12 von BMW ausgestattet, der – je nach Ausführung – bis zu 500 kW (680 PS) leistet.

Im McLaren F1 sitzt der Fahrer mittig im Auto – das hat verschiedene Gründe

Außergewöhnlich ist beim McLaren F1 die Sitzposition des Fahrers: Er sitzt nicht auf der rechten oder der linken Seite, sondern mittig im Auto. Diese Positionierung hat mehrere Gründe: Zum einen soll sie die Sicht und das Fahrgefühl des Piloten verbessern, zugleich aber auch die Gewichtsverteilung perfektionieren (zumindest, wenn keine Beifahrer an Bord sind). Der mittige Sitz hat aber noch einen technisch bedingten Grund: Er soll verhindert, dass der Fahrer mit dem Kopf an die seitlichen Dachholme stößt.

Nach hinten versetzt sind rechts und links vom Fahrersitz zwei Beifahrersitze verbaut. Der McLaren F1 gehört damit zu den wenigen dreisitzigen Mittelmotorsportwagen der Welt. Statt normaler Türen sind in dem britischen Supersportwagen Scherentüren verbaut.

Zur Zeit der Produktion galt der McLaren F1 als schnellstes Serienfahrzeug der Welt. Bis heute gilt der britische Supersportwagen als schnellstes Serienfahrzeug, das von einem Saugmotor angetrieben wird. 1995 holte die Rennversion eines McLaren F1 sogar den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans.

Der McLaren F1 wurde offiziellen Angaben zufolge – inklusive GT1-Rennversionen und Prototypen – 106-mal gebaut. Davon wurden 72 Fahrzeuge als straßenzugelassene Versionen verkauft. Jeder Käufer bekam als Präsent zu dem Fahrzeug eine spezielle Uhr der Marke TAG Heuer und ein passendes Golfbag. Auch als Gebrauchtwagen ist der McLaren F1 ein teures Vergnügen: Zuletzt versteigerte Spezialversionen des britischen Supersportwagens erzielten Preise von weit über zehn Millionen Euro.

Sündhaft teurer Schrott: Der damalige BMW-Chef Bernd Pischetsrieder fliegt 1995 mit einem McLaren F1 von der Straße ab

Wie viele McLaren F1 heute noch existieren ist nicht bekannt. Einen McLaren F1 etwa zerstörte 1995 der damalige BMW-Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder (72). Bei einer privaten Ausfahrt war er – vermutlich aufgrund überhöhter Geschwindigkeit – auf einer bayerischen Landstraße in der Nähe von Rosenheim in einer Kurve von der Fahrbahn abgekommen. Das Fahrzeug erlitt dabei einen Totalschaden.

Diese Prominenten besitzen oder besaßen einen McLaren F1:

NameBeruf
Rowan Atkinson Schauspieler („Mr. Bean“)
Ralph LaurenModedesigner
Jay LenoUS-Talkmaster und Moderator
Wyclef JeanMusiker
Elon MuskTesla-Gründer
Ron Dennis Gründer der McLaren Group
Missy Elliot Musikerin
Nick Mason Musiker

McLaren F1: Hoher Kaufpreis, exorbitante Unterhaltskosten

Leisten können sich einen McLaren F1 nur Superreiche – und zwar nicht nur wegen des Kaufpreises von inzwischen mehreren Millionen Euro für ein gebrauchtes Exemplar: auch Unterhaltskosten eines McLaren F1 sind exorbitant. In einem sehenswerten Youtube-Video berichtet Bruce Weiner, Gründer des 2013 geschlossenen Microcar Museums in Madison, Georgia – der nach eigenen Angaben eine kurze Zeit einen McLaren F1 besaß, – von absurden Summen für die Wartung.

Manche Teile des Fahrzeugs wie die Reifen oder die Kupplung (die angeblich ohnehin nur nach wenigen tausend Kilometern ersetzt werden muss) müssen nach einem bestimmten Zeitraum ausgetauscht werden – egal, ob man das Fahrzeug fährt oder nicht. Nach den Berechnungen von Bruce Weiner hätte ihn sein McLaren F1 pro Jahr rund 50.000 Dollar Unterhalt gekostet – auch, wenn er das Fahrzeug dabei nicht einen Kilometer gefahren hätte.

Ein Vorbesitzer seines McLaren F1 hatte das Fahrzeug nach Angaben von Bruce Weiner im britischen Werk neu lackieren lassen – Kostenpunkt der sechs Monate dauernden Prozedur: 250.000 britische Pfund. In dem Video berichtet Bruce Wiener noch von weiteren absurden Kosten, wie einem Reifenwechsel für rund 50.000 Dollar.

Gemeinsames Projekt: McLaren und Mercedes-Benz entwickeln den Supersportwagen SLR

Ein weiteres spektakuläres Projekt war der Mercedes-Benz SLR McLaren, der von Mercedes-Benz und McLaren gemeinsam entwickelt wurde. Der Supersportwagen wurde von 2003 bis 2009 im englischen Portsmouth (Rohkarosserie) und in Woking (Montage) produziert. Der 5,5-Liter-V8-Motor des Fahrzeugs stammt von Mercedes-AMG und leistet 460 kW (626 PS), damit beschleunigt das Auto in 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Die Karosserie des Fahrzeugs besteht aus carbonfaserverstärktem Kunststoff (CFK), optisch soll das Auto in Details an einen Formel-1-Rennwagen erinnern. Statt gewöhnlicher Auspuffendrohre am Fahrzeugheck hat der Mercedes-Benz SLR McLaren sogenannte Sidepipes – das bedeutet, das Auspuffsystem mündet in Endrohren seitlich hinter der Vorderachse. Die Höchstgeschwindigkeit lag laut Werksangaben bei 334 km/h. Der Heckspoiler ist elektrisch verstellbar und kann auch als Luftbremse wirken.

Als letzte Variante des Mercedes-Benz McLaren SLR wurde im Jahr 2009 der SLR Stirling Moss angeboten. Diese Variante verfügte weder über ein Dach noch über eine Windschutzscheibe. Als Motor wurde die leistungsgesteigerte Variante des SLR 722 Edition mit einer Leistung von 650 PS verbaut.

Leistungsexplosion: Der McLaren Speedtail soll es auf 1070 PS bringen und eine Höchstgeschwindigkeit von 403 km/h erreichen

Aktuelles Spitzenmodell der Marke McLaren ist der Speedtail – ein dreisitziger Supersportwagen, dessen Produktion gerade erst anläuft. Angetrieben wird das Fahrzeug von einem 4,0-Liter-Biturbo-V8 in Kombination mit einem Hybridsystem.

Laut McLaren kommt das Fahrzeug auf eine Leistung von insgesamt 1070 PS, in 13 Sekunden soll der Speedtail von 0 auf 300 km/h beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit des Speedtail gibt McLaren mit 403 km/h an. Einen Preis für den Speedtail hat McLaren noch nicht genannt.

Rubriklistenbild: © Jason Szenes/epa/dpa

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