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Lotus: Exige, Evora, Elise – der britische Sportwagenhersteller und seine Modelle

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Von: Sebastian Oppenheimer

Der weiße Lotus Esprit, Baujahr 1976, aus dem James-Bond-Film Der Spion, der mich liebte (1977) mit Roger Moore bei einer Versteigerung von Bonhams in London am 13. November 2008.
Ein James-Bond-Klassiker: Der weiße Lotus Esprit aus „Der Spion, der mich liebte“ (1977). © Andy Rain/epa/dpa

Der britische Sportwagenhersteller Lotus setzt vor allem auf Leichtbau. Das Unternehmen blickt auf eine bewegte Vergangenheit in der Formel-1 zurück.

Hethel – Exige, Evora, Elise, Esprit, Europa – es gibt wohl nur einen Autohersteller auf der Welt, dessen Modelle nahezu alle mit dem Buchstaben „E“ beginnen: Lotus. Der britische Sportwagenhersteller Lotus Cars hat seinen Sitz in Hethel bei Norwich (Norfolk). Gegründet wurde das Unternehmen 1952 vom legendären Formel-1-Konstrukteur Colin Chapman (54, †1982) zunächst als Lotus Engineering. 1959 teilte Colin Chapman das Unternehmen in Lotus Components und Lotus Cars auf.

Im Jahr 1996 wurde Lotus Cars vom malaysischen Konzern Proton gekauft. Sechs Jahre später wiederum wurden Proton und Lotus vom ebenfalls malaysischen Konzern DRB-HICOM übernommen. Im Jahr 2017 sicherte sich der chinesische Konzern Geely 51 Prozent der Firmenanteile. Geleitet wird Lotus aktuell von Feng Qingfeng. Mit dem Hypersportwagen Lotus Evija will Lotus Porsche mit seinem Modell Porsche Taycan Konkurrenz machen.

Ein Lotus Eleven von 1956 auf der Oldtimer-Messe Techno Classica 2018 in Essen.
Ein Lotus Eleven aus dem Jahr 1956. © Roland Weihrauch/dpa

Eine Besonderheit von Fahrzeugen der Marke Lotus ist der Fokus auf ein möglichst geringes Leergewicht. Von Firmengründer Colin Chapman ist der prägende Satz überliefert: „Adding power makes you faster on the straights, subtracting weight makes you faster everywhere.“ Auf deutsch: „Mehr Leistung macht dich schneller auf der Geraden, weniger Gewicht macht dich überall schneller.“

Lotus-Gründer Colin Chapman: Studierter Bauingenieur und Luftfahrttechniker

Den Grundstock für seine Arbeit als Konstrukteur legte Colin Chapman zum einen mit einem Bautechnik-Studium und zum anderen mit einem späteren Studium der Luftfahrttechnik. Zu Beginn seiner Karriere versuchte sich Colin Chapman – wie viele Konstrukteure dieser Zeit – auch selbst als Rennfahrer. In einem seinem Mark I, der auf einem Austin 7 basierte, ging er bei einigen Rennen an den Start.

Das erste erfolgreiche Serienmodell von Lotus war der Lotus Mark VI, der als Bausatz vertrieben wurde. Ungefähr 100 Exemplare wurden gebaut und konnten –unter anderem bei Bergrennen – einige Erfolge feiern.

Im Jahr 1957 produzierte Lotus den ausschließlich für Rennen gedachten Lotus Mark 12, mit dem eine sehr erfolgreiche Zeit für den Lotus-Rennstall in der Formel-1 begann. So gewann etwa Jim Clark (32, †1968) in den Jahren 1963 und 1965 in einem Lotus die Formel-1-Weltmeisterschaft, Graham Hill (45, †1975) wurde im Jahr 1968 ebenfalls mit Lotus Formel-1-Weltmeister.

1972 und 1974 triumphierte der Brasilianer Emerson Fittipaldi (73) mit Lotus am Ende der Formel-1-Saison. Den letzten Weltmeistertitel für den Lotus-Rennstall in der Formel-1 gewann Mario Andretti (80) im Jahr 1978.

Auch den Titel in der Formel-1-Konstrukteurs-Weltmeisterschaft konnte sich Lotus in jenen Jahren mehrfach sichern.

Colin Chapman: Die Konstruktionen des Lotus-Gründers galten als genial – aber auch als lebensgefährlich

Lotus-Gründer Colin Chapman galt als genialer Rennwagenbauer. 1962 entwickelte er beispielsweise mit dem Lotus 25 – den bis zu diesem Zeitpunkt schlankesten und niedrigsten Formel-1-Rennwagen. Colin Chapman war es auch, der die Technik des Monocoques in die Formel-1 einführte, die bis dahin vor allem im Flugzeugbau eingesetzt wurde.

Zunächst arbeitete das Formel-1-Team von Lotus in Sachen Motoren mit Coventry Climax zusammen – während dieser Zeit nannte sich das Team Lotus-Climax. Ab 1966 entschied sich Colin Chapman für Motoren der Marke Ford-Cosworth – das Team wurde in Lotus-Ford umbenannt.

Die Konstruktionen von Colin Chapman waren wegen ihrer Zerbrechlichkeit jedoch auch gefürchtet. Oft wurde ihm vorgeworfen, die Sicherheit der Fahrer zu gefährden, weil manche Teile mit dem Ziel der Gewichtsersparnis unterdimensioniert und nicht stabil genug waren. „Wenn du von deinem eigenen Hinterrad überholt wirst, dann weist du, dass du in einem Lotus sitzt“, soll Formel-1-Weltmeister Graham Hill einmal gesagt haben.

Vom legendären Formel-1-Rennfahrer Jochen Rindt (28, †1970) ist der Satz überliefert: „Entweder werde ich bei Lotus Weltmeister oder ich sterbe.“ Beides traf ein: Im Jahr 1970 verunglückte Jochen Rindt mit nur 28 Jahren beim Training zum Großen Preis von Monza in einem Lotus 72 tödlich. Vermutlich geschah der Unfall, weil bei dem Rennwagen die vordere rechte Bremswelle brach.

Der Rennfahrer Jochen Rindt vor dem «Großer Preis von Deutschland» am 2. August 1970 in Hockenheim.
Jochen Rindt verunglückte 1970 in einem Lotus-Rennwagen tödlich. © dpa-Film/dpa

Formel-1-Weltmeister wurde Jochen Rindt dennoch: Bis zum Zeitpunkt seines Todes hatte er so viele WM-Punkte eingefahren, dass ihn im weiteren Verlauf der Saison 1970 keiner seiner Konkurrenten mehr überholen konnte. Jochen Rindt ist bis heute der einzige Formel-1 Rennfahrer, der posthum Weltmeister wurde.

Auch Jim Clark verunglückte mit einem Rennwagen des britischen Autobauers tödlich: 1968 kam sein Lotus 48 bei einem Formel-2-Rennen auf dem Hockenheimring von der Strecke ab und schleuderte gegen einen Baum.

Lotus: Zur Herkunft des Namens des Unternehmens und auch der Modelle gibt es verschiedene Theorien

Wie Colin Chapman auf den Namen Lotus kam, wurde nie offiziell bestätigt. Es gibt eine Theorie, nach der er seine damalige Freundin (und spätere Ehefrau) Hazel als „Lotusblüte“ bezeichnete – und seine Fahrzeugmarke deshalb entsprechende benannte.

Auch der Grund, warum – bis auf wenige Ausnahmen – alle Fahrzeuge von Lotus mit dem Buchstaben „E“ beginnen ist nicht sicher überliefert. Die gängigste Theorie jedoch lautet, dass Firmengründer Colin Chapman der Klang von „Lotus Eleven“ so gut gefiel und sich der Fahrzeugname so gut aussprechen ließ, dass fortan alle neuen Modelle ein „E“ als Anfangsbuchstaben hatten.

Aktuell hat Lotus folgende Fahrzeuge im Angebot:

ModellLeistung
Lotus Elise Sport 220162 kW (220 PS)
Lotus Elise Cup 250181 kW (248 PS)
Lotus Exige Sport 350258 kW (350 PS)
Lotus Exige Sport 410305 kW (416 PS)
Lotus Exige Cup 430320 kW (436 PS)
Lotus Evora GT410306 kW (416 PS)
Lotus Evora GT410 Sport306 kW (416 PS)

Angekündigt hat Lotus außerdem einen vollelektrischen Hypersportwagen namens Lotus Evija. Die Leistungsdaten sind extrem: Mit einer Leistung von 2000 PS und einem Leergewicht von 1680 Kilogramm soll der Lotus Evija eine Geschwindigkeit von mehr als 320 km/h erreichen.

Die Reichweite des Lotus Evija gibt der britische Autobauer mit 400 Kilometern (WLTP) an.

Lotus: Der britische Autobauer bietet auf seiner Homepage keinen Konfigurator an

Die Preise für einen Lotus beginnen bei 50.600 Euro – dafür bekommt man einen Lotus Elise Sport 220 in der Basisausführung. Ein Lotus Exige Sport 350 ist ab 77.500 Euro zu haben, ein Lotus Evora GT410 kostet mindestens 99.900 Euro. Einen Konfigurator wie ihn viele andere Hersteller auf ihrer Website anbieten, gibt es bei Lotus nicht. Es gibt lediglich die Möglichkeit, sich ein Modell aus verschiedenen Perspektiven in verschiedenen Farben zu betrachten.

Lotus bietet auf seiner Website auch Gebrauchtwagen an – hier lassen bereits Fahrzeuge ab rund 30.000 Euro finden.

Einer der bekanntesten Lotus-Typen ist der 1972 erstmals vorgestellte Mittelmotor-Sportwagen Lotus Esprit, dessen erste Entwürfe aus der Feder von Giorgetto Giugiaro (82) stammen. Produziert wurde der Lotus Esprit mit der markanten Keilform und den Klappscheinwerfern von 1976 bis 2004 in vier Generationen – insgesamt wurden rund 10.500 Exemplare gebaut.

In der ersten Serie des Lotus Esprit ist ein Fünfgang-Schaltgetriebe von Citroën verbaut, ab 1987 setzt Lotus im Esprit das Getriebe des Renault 25 ein. Die stärkste Version mit einem V8-Motor erschien 1996 – damit leistete der Lotus Esprit dann 260 kW (354 PS).

Legendärer Lotus: James Bond steuert in „Der Spion, der mich liebte“ 1977 einen Lotus Esprit

Ein echter PR-Coup für den von Colin Chapman gegründeten Autobauer war die Platzierung eines Lotus Esprit im James-Bond-Film „Der Spion, der mich liebte“ (1977). Der berühmteste Geheimagent der Welt– in diesem Fall gespielt von Roger Moore (89, †2017) – lenkte die weiß lackierte Flunder darin über sardinische Küstenstraßen. Der Clou: Gegen Ende des Streifens rast der Lotus Esprit ins Meer – und verwandelt sich anschließend in ein U-Boot.

Ein Verkaufserfolg wurde der Lotus Esprit zunächst allerdings trotzdem nicht – was vor allem mit dem schwachen Motor zu hatte: der verbaute Reihenvierzylinder mit gerade einmal 110 kW (150 PS) war Sportwagenfans einfach zu wenig.

1981 war James Bond dann noch einmal im Lotus Esprit unterwegs, diesmal in der Turbo-Version, die es auf immerhin 157 kW (214 PS) brachte. In dem Streifen „In tödlicher Mission“ demonstriert Lotus zudem die Vielseitigkeit des Wagens mit aufs Dach – beziehungsweise aufs Heck – geschnallten Skiern.

James Bonds Lotus Esprit, den er in dem Film „In tödlicher Mission“ (1981) fährt, in London. Der metallic-bronzefarbene Lotus Turbo Esprit ist mit einem Skiträger ausgestattet.
Diesen Lotus Esprit fuhr James Bond in dem Streifen „In tödlicher Mission“ (1981). © Rain/epa/dpa

Richard Gere und das Schaltgetriebe: Filmfigur Edward Lewis fährt in „Pretty Women“ (1990) einen Lotus Esprit SE

Und es gibt noch einen weltberühmten Filmauftritt eines Lotus Esprit, der allerdings oft vergessen wird: Auch Schauspieler Richard Gere (70) lenkt in der Kult-Schmonzette „Pretty Woman“ (1990) einen Lotus Esprit. Weil der Leinwand-Millionär Edward Lewis nicht mit dem Schaltgetriebe klarkommt und sich die Fahrt durch Beverly Hills ziemlich holprig gestaltet, muss schließlich sogar die von Julia Roberts (52) gespielte Prostituierte Vivian Ward das Lenkrad übernehmen. Bei dem Fahrzeug im Film handelt es sich um einen Lotus Esprit SE mit immerhin 197 kW (268 PS).

Lotus Omega: 1991 motzt der britische Hersteller einen Opel Omega auf 377 PS auf

Ein für Lotus sehr ungewöhnliches Fahrzeug wurde 1991 vorgestellt: der Lotus Omega. Dabei handelt es sich um eine Kleinserie einer Sportlimousine auf Basis des Opel Omega A. 988 Exemplare davon wurden produziert.

Verbaut ist ein 3,6-Liter-Reihensechszylinder-Motor von Opel, der von Lotus überarbeitet wurde. Durch Aufladung mit zwei parallel geschalteten Turboladern erreicht das Aggregat eine Leistung von 277 kW (377 PS). Die Kraft wird über ein Sechsgang-Schaltgetriebe von ZF übertragen, das auch in der Corvette C4 zum Einsatz kam. Laut Werksangaben beschleunigt der Lotus Omega in 5,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 283 km/h.

Zum Zeitpunkt der Vorstellung galt der Lotus Omega nach dem Alpina B10 Biturbo (291 km/h) als schnellste Serienlimousine der Welt. Bei der Beschleunigung jedoch war der Lotus Omega besser. Vertrieben wurde der Lotus Omega in Deutschland über das Opel-Händlernetz, das Fahrzeug kostete damals 125.000 D-Mark (rund 64.000 Euro). In Großbritannien erhielt das Auto eine andere Bezeichnung: Der Lotus Omega hieß dort Lotus Carlton, weil auch der Opel Omega dort als Vauxhall Carlton vermarktet wurde.

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