Citroën – Design und Technik

Citroën: Von der Ente über die DS bis zum Berlingo – der französische Hersteller gehört zur Groupe PSA

 Ein Citroen Typ H mit großem Doppelwinkel-Logo
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Ein Citroen Typ H mit großem Doppelwinkel-Logo
  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Citroën fertigt seit 1919 einzigartige Automobile, die in Sachen Design und Technik schon immer gerne ihre eigenen Weg gingen.

Im Jahr 1900 erwarb der Franzose André Citroën (57, † 1935) ein Patent zur Herstellung von Getriebezahnrädern. Nach dem 1. Weltkrieg stieg er in die Automobilproduktion ein und gründete die Automarke Citroën. Das erste deutsche Werk eröffnete 1927 in Köln. Aufgrund Beschränkungen für ausländische Firmen wurde 1935 die dortige Produktion eingestellt. 1959 eröffnete der Automobilhersteller erneut in Köln eine deutsche Zentrale.

Das Logo des französischen Automobilherstellers leitet sich von der Winkelverzahnung der Doppel-V-Getriebe von André Citroën ab, der sich der Optik der Doppelverzahnung bediente. Im Lauf der Jahrzehnte wurde das Citroën-Emblem für die neuen Modelle regelmäßig überarbeitet. Es erschien als Achteck sowie als blaues oder rotes Viereck. Mittlerweile gehört die Marke mit dem bekannten Logo zur Groupe PSA (Peugeot Société Anonyme), die als zweitgrößter Automobilhersteller in Europa folgende Hersteller beinhaltet:

Im Jahr 2014 wurde die Engländerin Linda Jackson (61) CEO von Citroën. Der Hauptsitz der Groupe PSA befindet sich in der Rueil-Malmaison.

Citroën: Die Kultautos „La Déesse“ und „Ente“

Der italienische Designer Flaminio Bertoni (61, † 1964) ist der Erschaffer der berühmten DS, auch „La Déesse“ (die „Göttin“) genannt, und der traditionellen 2CV, besser bekannt als „Ente“. Für den Automobilhersteller Citroën begann er ab 1932 im Bereich Fahrzeug-Design zu arbeiten und kreierte neben den Modellen 2CV, DS auch den Ami 6, den Citroën jetzt als Elektroauto neu aufgelegt hat.

Das avantgardistische Design der DS 19 wurde 1957 als beste industrielle Kunst ausgezeichnet.

Eine DS fährt bei einer Parade anlässlich des 50. Jubiläums des Fahrzeugtyps vor dem Eiffelturm in Paris entlang.

1955 brachte der Hersteller die D-Modelle auf den Markt, wovon sich das französische Wort „déesse“ (Göttin) ableitet. Die DS ist mit einer Hydropneumatik ausgestattet, welche durch Druckluftausgleich das Fahrzeug stabilisiert. Typisch ist das Hochpumpen nach dem Starten des Autos. Die Göttin ist in fast allen bekannten französischen Filmen von 1957 bis in die 1970er-Jahre zu sehen. Viele Jahrzehnte lang war die DS das bevorzugte Fahrzeug französischer Präsidenten und wurde als Botschaftsfahrzeug im Ausland eingesetzt. Der CX galt als Nachfolger der DS und wurde in den Jahren 1974 bis 1991 etwa 1,1 Millionen Mal verkauft.

Citroën: Immer besonders

Bereits 1948 brachte der Automobilhersteller Citroën die 2CV als frontgetriebenen Zweizylinder-Viertakt-Motor (Bimoteur) auf den Markt. Die DS stand als besondere Symbol für traditionelles Establishment und die Ente galt als Wahrzeichen der alternativen Aussteigergeneration. Übersetzt bedeutet der Citroën 2CV „deux chevaux“ (dt.: zwei Pferde) und wurde den Bauern als praktisches Nachkriegsfahrzeug angeboten.

Der französische Hersteller entwickelte seine 2CV bereits im Jahr 1930. Sie ist die Basis für die Modelle Ami und Méhari.

Die Bezeichnung „Ente“ stamm aus den Niederlanden, wo ein Journalist 1948 den Wagen als „de elijke eend“ („das hässliche Entlein“) bezeichnete, nach dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen. Bis 1990 wurden etwa 3,8 Millionen viertürige Limousinen sowie 1,2 Millionen Kastenenten (kleiner Lieferwagen) auf den Markt gebracht. In den 1960er-Jahren wurden 694 limitierte 4x4-Allradfahrzeuge (Sahara-Ausführung) hergestellt. Die Groupe PSA stellte die Fertigung der Ente 1990 ein.

Citroën: Vom Mehari bis zum E-Mehari

Der ursorüngliche Méhari war ein Spaß- und Freiezitmobil, dass es auch als 4x4-Offroad-Fahrzeug gab. Das kantige Gefährt kam schon damals mit einer Kunstsoffkarosserie und wurde nach dem französischen Ausdruck für „Renndromedar“ benannt.

Eigentlich als Nutzfahrzeug gedacht, wurde der Méhari zu einem Lifestyle-Gefährt.

Von 1968 bis 1987 wurden 144.953 Méhari gefertigt, darunter 1.200 Allrad-Versionen (AYCE). Da die Modelle aus brennbaren Teilen bestanden, erhielt der Wagen in Deutschland nur über strenge Einzelabnahmen eine allgemeine Betriebserlaubnis. Der E-Méhari holte das Konzept zwischen 2016 und 2019 in einer Kleinserie in die Moderne. Als vollelektrische fahrzeug zählte der E-Méhari bei PSA zu den ersten Fahrzeugen mit E-Motor. Die Kunststoffkarosserie und das Planverdeck hat er von seinem Vorgänger übernommen, hat aber zusätzlich fest montierte Überrollbügel. Das Modell lehnt sich an den C4 Cactus an und besitzt einen Lithium-Polymer-Akku mit einer Reichweite zwischen 100 und 200 Kilometern. Die Ladezeit beträgt je nach Steckdose oder Ladesäule 8 bis 13 Stunden. Eine Schnellademöglichkeit gibt es nicht.

Der ebenfalls vollektrische Citroën C-Zero fällt mit seinen 3,48 Metern deutlich länger aus als sein neuer kleiner Bruder Ami. Beide Fahrzeuge sind klassische Stadtautos im E-Betrieb. Die vergleichbaren Modelle C1 und C3, die vom Hersteller jeweils als Viersitzer mit 3 oder 5 Türen auf dem europäischen Markt zu haben sind, sind multifunktionale Stadtfahrzeuge mit herkömmlichen Verbrennungsmotor. Das C5 Aircross SUV bietet Citroën als Hybrid an.

Citroën: Praktische Hochdachkombis, SUV und Lieferwagen

Mit dem Hochdachkombi Berlingo gewann Citroën 1997 prompt der Titel „Van of the year“. Die Namensbezeichnung bezieht sich auf das französische Wort „berlingot“ und steht für die Kutschenform „Berline“.

Vielseitiges Utility-Gefährt – der Citroën Berlingo

Der Berlingo ist wahlweise mit Schiebetüren, Heckklappe oder Heckflügeltüren sowie als Kastenwagen und mit viel praktischem Zubehör erhältlich. Und so glänzt er nicht nur als beliebtes Familienauto, sondern auch im Einsatz als Nutzfahrzeug für Kleinunternehmer und Handwerker. Zeitweise gab es den Berlingo auch als vollelektrischen Berlingo électrique. Weitere kompakte Modelle des Automobilherstellers mit dem Doppelwinkel-Logo sind:

  • C4 Cactus: als Crossover-Schrägheck-Kombi-Limousine in der Kompaktklasse unübersehbar durch seine auffälligen Airbumps. Seine polyurethanummantelten Luftpolster lassen sich einfach austauschen und schützen das Fahrzeug vor Kratzern, Dellen und Stößen an den Seiten, der Front und am Heck.
  • C5 Aircross SUV: seit 2018 auf dem Markt. Dieses Modell markierte den Start der Marke „Low Emission Vehicles“ von Citroën und ist auch als Plug-in-Hybrid erhältlich.

Citroën: Kulttransporter Typ H

Als reiner Lastentransporter wurde der Typ H konzipiert, dessen kantiges Design an den 2CV erinnert. Citroën stellte den frontgetriebene Lieferwagen im Herbst 1947 auf dem Pariser Autosalon erstmals vor, ein Jahr vor der 2CV. Diese Modelle griff Citroën nach dem 2. Weltkrieg in seiner Lieferwagen-Produktion wieder auf. Der Typ H löste ab 1947 die Vorkiegsmodelle TUB und Typ 32 ab. Sein Markenzeichen war die selbsttragende Karosserie aus gewelltem Blech sowie das Fahrwerk mit Doppelquerlenkern und Drehstabfederung. Dadurch lag die Ladekante nur 35 Zentimeter über dem Boden. Abhängig von der zulässigen Zuladung nutzte Citroën beim Typ H die verschiedene verwendet H, HY, HX, HW, HZ und 1600.

Kantig und mit Wellblech beplankt – der unverkennbare Citroën Typ H.

Ab Werk gab es nur den Lieferwagen und das Fahrgestell mit Fahrerhaus. Daher waren Aufbauten von verschiedensten Karosseriebauern extrem beliebt. Große Verbreitung fand der Typ H im öffentlichen Dienst, beispielsweise bei Polizei, Feuerwehr, Post oder auch als Krankenwagen – von Letzeren existierten einige mit der hydropneumatischen Federung der DS an der Hinterachse.. Das Angebot der Karosseriebauer richtete sich vor allem an mittelständische Betriebee und so gab es unter anderem Planenwagen (auch mit Doppelkabine), Autotransportern, Verkaufswagen, Kleinbusse, Kühlwagen, Wohnmobilen, Tiertransportern oder Bestattungswagen. Bis 1981 baute Citroën den Typ H. Heute sind die noch vorhandenen Exemplare begehrte Oldtimer.  Abgelöst wurde der Typ H vom Citroën C25 (heute Citroën Jumper) einem Joint Venture-Projekt von Fiat und PSA.

Citroën: Erfolgreich im Rallye-Sport

Gemeinsam mit dem französischen Rennfahrer Sébastien Loeb (46) trat die Groupe PSA erfolgreich zu verschiedenen Rallye-Weltmeisterschaften an. Dabei gewann Loeb zwischen 2004 und 2012 für die französische Marke neun Fahrertitel in Folge sowie von 2003 bis 2012 acht Titel für den Hersteller. Die Racing-Sparte von Citroën ist auf Instagram mit einem eigenen Kanal vertreten:

Erstmals seit 2001 wird 2020 allerdings kein Citroën-Werksteam bei der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) antreten.

Von Sabine Kreft

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