E-Autos mit Riesen-Display

Byton: Die Elektroauto-Marke der Future Mobility Corporation (FMC) aus China

Das Elektro-SUV Byton M-Byte in der Heckansicht auf einem Messestand.
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E-SUV mit Mega-Display: der Byton M-Byte
  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Der chinesische Elektroauto-Hersteller Byton wurde 2017 gegründet – der Fokus liegt auf Digitalisierung und autonomem Fahren. Erstes Serienauto wird der Byton M-Byte.

  • Byton ist ein chinesischer Elektroauto-Hersteller mit Sitz in Nanjing
  • Geleitet wird das Unternehmen aktuell von Daniel Kirchert
  • Der Name Byton ist eine Abkürzung für „Bytes on Wheels“

Nanjing – In der Welt der Automobilindustrie ist der Name Byton noch ziemlich neu. Das chinesische Unternehmen mit Sitz in Nanjing wurde erst 2017 gegründet und ist eine Tochtergesellschaft der Future Mobility Corporation (FMC). Der Fokus des Herstellers liegt auf Elektroautos, autonomem Fahren und allgemein der Digitalisierung. Dementsprechend steht der Name Byton laut dem Unternehmen auch für „Bytes on Wheels“. Das erste Serienfahrzeug der Chinesen ist ein SUV: der Byton M-Byte.

Mitgründer und auch bis Frühjahr 2019 CEO von FMC – und auch von der Tochtergesellschaft Byton – war der ehemalige BMW-Manager Carsten Breitfeld. Inzwischen wird Byton – sowie die Dachgesellschaft FMC – von Daniel Kirchert geleitet, der zuvor unter anderem für BMW und Infiniti tätig war. Carsten Breitfeld ist inzwischen zu einem anderen chinesischen Auto-Start-up gewechselt: Faraday Future. Von letzterem Start-up machten zuletzt immer wieder Gerüchte um einen drohenden Bankrott die Runde.

Byton: Der chinesische Hersteller von Elektrofahrzeugen unterhält ein Entwicklungszentrum in München

Der Autohersteller Byton sieht sich selbst im Premium-Segment angesiedelt. Das Unternehmen unterhält Entwicklungszentren in China, Nordamerika (Santa Clara) und Europa – letzteres hat seinen Sitz in der bayerischen Landeshauptstadt München. München ist auch ein beliebter Standort bei anderen chinesischen Auto-Start-ups: So betreibt der vor wenigen Jahren gegründete Konkurrent Nio hier ebenfalls ein Designzentrum. Außerdem hat Byton Büros in Peking, Shanghai und Hongkong. Viele Mitarbeiter waren nach Angaben des Unternehmens zuvor für andere innovativen Firmen wie Tesla, Google und Apple tätig.

Byton-Chef Daniel Kirchert präsentiert auf der IAA 2019 die Serienversion des Byton M-Byte.

In Nanjing hat Byton umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro in ein hochmodernes Werk mit einer Fläche von etwa 800.000 Quadratmetern investiert.

Angekündigt hat Byton bislang drei rein elektrische Modelle: ein SUV, eine Limousine und ein MPV (Multi-Purpose-Vehicle). Die ersteren beiden Varianten wurden bereits als Serienfahrzeug (Byton M-Byte, SUV) und Konzeptfahrzeug (Byton K-Byte, Limousine) vorgestellt – über das MPV gibt es bislang keine Informationen.

Mega-Display als Markenzeichen: 2018 präsentiert Byton auf der CES in Las Vegas das Elektro-SUV Byton M-Byte

Der Byton M-Byte wurde als Konzeptfahrzeug auf der Unterhaltungselektronik-Messe Consumer Electronics Show (CES) 2018 in Las Vegas vorgestellt. Das SUV soll das erste Serienfahrzeug des chinesischen Herstellers werden. Auf der IAA in Frankfurt wurde 2019 die Serienversion präsentiert.

Immer wieder große Aufmerksamkeit in den Medien erzielt der Byton M-Byte vor allem wegen seines riesigen 48-Zoll-Displays, das sich einmal komplett quer über das Armaturenbrett erstreckt. Das Display ist allerdings kein Touchscreen – das würde laut dem Hersteller keinen Sinn machen, weil es für eine Touch-Bedienung zu weit weg von Fahrer und Beifahrer ist. Gesteuert wird das riesige Front-Display über zwei Touchscreens am Lenkrad und in der Mittelkonsole.

Mega-Display: So soll der Innenraum des Byton M-Byte aussehen.

Aufgrund der Größe des Haupt-Displays im Byton M-Byte lassen sich darauf Filme in einem Format anschauen, wie es bislang in kaum einem anderen Auto möglich war. Aus Sicherheitsgründen lassen sich Filme nur abspielen, während das Auto geparkt ist. So sollen die Kunden beispielsweise die Zeit während des Ladevorgangs überbrücken.

Byton betont, die Inhalte für das riesige Display extra so gestaltet zu haben, dass der Fahrer nicht unnötig abgelenkt wird. Damit die Augen nicht unter dem gigantischen Bildschirm leiden, hat der Hersteller einen Tag- und Nachtmodus integriert, der sich – abhängig von den Lichtverhältnissen – selbstständig an- und ausschaltet.

Digitale Personalisierung: Mittels der Byton ID soll sich jeder Byton M-Byte auf den jeweiligen Fahrer einstellen

Jeder Nutzer des Byton M-Byte bekommt eine sogenannte Byton ID – diese ermöglicht eine Personalisierung des Fahrzeugs auf den jeweiligen Fahrer. So werden etwa bevorzugte Einstellungen abgerufen und spezielle Multimedia-Inhalte für den Besitzer jener Byton ID bereitgestellt.

Der Byton M-Byte soll als 5-Sitzer (also mit 3 Sitzplätzen hinten) und als 4-Sitzer (nur zwei Sitzplätze im Fond) erhältlich sein.

2020 soll der Byton M-Byte in China auf den Markt kommen, 2021 dann auch in den USA und Europa. Zu einem Preis von mindestens 45.000 Dollar soll der Byton M-Byte in den USA erhältlich sein, exakt die gleiche Summe – 45.000 Euro – soll der Byton M-Byte in Europa kosten.

Weltweit gibt für den Byton M-Byte nach Unternehmensangaben bereits 65.000 Reservierungen – 25.000 davon in Europa.

Strom inklusive: Käufer eines Byton M-Byte sollen in den USA für zwei Jahre ihr Fahrzeug gratis aufladen dürfen

Obwohl es das Auto in den USA erst 2021 zu kaufen geben wird, hat Byton dort eigenen Angaben zufolge bereits einen Vertrag mit einem Ladeinfrastruktur-Betreiber abgeschlossen. Im Kaufpreis von 45.000 US-Dollar sollen demnach zwei Jahre kostenloses Laden beim US-Anbieter Electrify America enthalten sein. Für jeweils 30 Minuten können Besitzer eines Byton M-Byte ihr Fahrzeug dort an DC-Schnellladesäulen und für jeweils 60 Minuten an Level-2-Ladesäulen mit Strom betanken können.

US-Kunden sollen durch den Vertrag Zugang zu mehr als 3.500 Ladepunkten an 800 Standorten mit einer Ladeleistung von mehr als 150 kW bekommen. Laut Byton tankt ein ein Byton M-Byte an einer Gleichstrom-Schnellladesäule in 30 Minuten Strom für bis zu 150 Meilen (rund 240 Kilometer).

Auch für den Vertrieb des Byton M-Byte in Europa hat das Unternehmen bereits erste Eckpunkte verkündet. Zunächst soll das chinesische Elektro-SUV in Deutschland, der Schweiz, Norwegen, Frankreich, den Niederlanden und Schweden erhältlich sein. Ab der zweiten Hälfte des Jahres 2020 sollen Kunden den Byton M-Byte gegen einen Anzahlung von 500 Euro vorbestellen können.

Flagship-Store in der Schweiz: 2021 will der chinesische Autobauer einen ersten Byton Place in Zürich eröffnen

Ein erster Flagship-Store von Byton soll im zweiten Quartal 2021 in Zürich in der Schweiz eröffnet werden. Zu finden sein wird der Flagship-Store namens Byton Place in einem Mehrzweckkomplex namens „The Circle“ innerhalb des Flughafens Zürich. Bis Ende des Jahres 2021 plant Byton rund 20 solcher Byton Places in europäischen Großstädten zu eröffnen. Als gesetzt gelten die Städte Berlin, Oslo, Amsterdam und Paris.

In mehreren europäischen Ländern hat Byton für den Byton M-Byte bereits Handels- und Servicepartnerschaften mit großen Händlern geschlossen. In Deutschland gibt es momentan allerdings noch keine solche Partnerschaft. Byton erklärt, es gäbe aber für Deutschland dennoch „mehrere Optionen“.

Was das Laden in Europa angeht, hat Byton nach eigenen Angaben eine strategische Partnerschaft mit Digital Charging Solutions (DCS) aus München geschlossen, einem Anbieter von e-Mobilitätsdiensten (eMSP). Dadurch sollen Byton-Kunden per Roaming Zugang zu den großen Lade-Netzwerken in mehr als 28 europäischen Ländern bekommen. Dadurch werden 150.000 Ladepunkte für AC- und DC-Schnellladung verfügbar.

Das Stromtanken soll sowohl über die Byton App sowie auch über das große 48-Zoll-Display namens Byton Stage abgewickelt werden können. Bezahlt wird bargeldlos über die Byton ID oder eine RFID-Karte mit Vertrag und Rechnung.

Verfügbare Ladestationen sollen den europäischen Byton-Kunden auf einem entsprechenden Routenplaner angezeigt werden.

Laden in der Garage: Byton bietet eine fest installierbare 22-kW-Wallbox an – vorausgesetzt, der Hausanschluss gibt das her

Die Preise für den Strom werden vom Betreiber der jeweiligen Ladesäule festgelegt. Ein All-Inklusive Paket wie in den USA, bei dem die Käufer eines Byton die ersten zwei Jahre kostenlos Laden können, wird es in Europa voraussichtlich nicht geben.

Für das Laden in der privaten Garage bietet Byton unter anderem ein 22-kW-Mobilladegerät an, das während der Fahrt im Kofferraum aufbewahrt wird. Zudem ist eine fest installierbare Wallbox mit einer Ladeleistung von 22-kW erhältlich. Damit soll der Byton M-Byte mit der 95-kWh-Batterie in viereinhalb Stunden voll aufgeladen sein. Natürlich erreicht so ein Gerät nur die volle Ladeleistung, wenn auch der Hausanschluss entsprechend ausgelegt ist.

Für gewerbliche Kunden bietet Byton sogar ein 150-kW-DC-Schnellladegerät an, das den Byton M-Byte mit der 95-kWh-Batterie in rund 35 Minuten von 0 auf 80 Prozent aufladen soll. Als Ladestandard ist der Byton M-Byte in Europa mit dem CCS2-Standard (Combined Charging System) ausgestattet.

Sämtliche Ladegeräte sind per drahtloser Verbindung (Bluetooth, Wifi und 4G) mit einem Cloud-Server verbunden, der beispielsweise digitale Funktionen wie Fernstart-Stopp ermöglicht.

Technische Daten Byton M-Byte (Hinterradantrieb):

Motor/Antrieb: Elektromotor, Hinterradantrieb
Leistung/Drehmoment: 200 kW (272 PS) / 410 Nm
Vmax/0–100 km/h: 190 km/h / 7,5 s
Batteriekapazität: 72 kWh / 95 kWh (Extended Version)
Reichweite: 360 km (WLTP) / 460 km (WLTP, Extended Version)
Länge/Breite/Höhe: 4.875 / 1.970 / 1.665 mm
Kofferraumvolumen: 550 / 1.450 Liter
Leergewicht: 2.315–2600 kg
Basispreis: 45.000 Euro

Technische Daten Byton M-Byte (Allradantrieb):

Motor/Antrieb: Elektromotor, Allradantrieb
Leistung/Drehmoment: 300 kW (408 PS) / 725 Nm
Vmax/0–100 km/h:190 km/h / 7,5 s
Batteriekapazität: 95 kWh
Reichweite: 435 km (WLTP)
Länge/Breite/Höhe: 4.875 / 1.970 / 1.665 mm
Kofferraumvolumen: 550 / 1.450 Liter
Leergewicht: 2.315–2600 kg
Basispreis: 45.000 Euro

Byton K-Byte: Für die Elektro-Limousine des chinesischen Herstellers wurde bereits ein Konzeptfahrzeug präsentiert

Nach dem Byton M-Byte will das chinesischen Unternehmen eine Limousine namens Byton K-Byte auf den Markt bringen. Hier gibt es allerdings noch keine Serienversion sondern bislang nur ein Konzeptfahrzeug.

Der Byton K-Byte soll für das autonome Fahren auf Level 4 ausgerüstet sein.

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