Vom Motorsport zum Serienmodell

Audi Sport GmbH: RS3, RS6, R8 – die PS-starken Modelle der Audi-Tochter aus Neckarsulm

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Die Audi-Tochter Audi Sport wurde 1983 gegründet und ist für die PS-starken R- und RS-Modelle zuständig. Auch Motorsport und Accessoire-Handel gehören zu den Geschäftsbereichen.

  • Audi Sport ist die Performance-Tochter des Ingolstädter Autobauers
  • Das Unternehmen ist unter anderem für die R/RS-Modelle verantwortlich
  • Hauptsitz von Audi Sport ist in Neckarsulm

Neckarsulm – Prangt am Heck eines Audis ein rotes Parallelogramm als Logo, dann handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein Fahrzeug aus dem Hause Audi Sport. Die Audi-Tochtergesellschaft wurde 1983 gegründet und hat ihrem Hauptsitz in Neckarsulm – neben Ingolstadt, der zweite große Audi-Standort in Deutschland. Zuständig ist Audi Sport unter anderem für die Entwicklung der Hochleistungsmodelle mit den Kürzeln R und RS. Bis 2015 hieß das Unternehmen quattro GmbH und ist im Prinzip das, was für BMW die BMW M GmbH und für Mercedes-Benz die Tochter Mercedes-AMG ist.

Geschäftsführer der Audi Sport GmbH sind Oliver Hoffmann (43) und Julius Seebach (35). Im Jahr 2018 verkaufte Audi Sport mehr als 28.000 R- und RS-Modelle. Die Audi-Tochter hat rund 1.130 Mitarbeiter. Produziert werden die R- und RS-Modelle aber nicht allesamt in Neckarsulm, sondern auch an den Standorten Ingolstadt, Heilbronn und Györ.

Motorsport: Auch für die Teilnahme an DTM und Formel-E ist Audi Sport verantwortlich

Auch die Motorsportabteilung von Audi gehört zu Audi Sport. Leiter dieses Bereichs ist Dieter Gass – er übernahm den Posten 2017 vom langjährigen Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich. Aktuell tritt Audi Sport in vier Rennserien an: DTM, GT-Sport, World RX (FIA-Rallycross-Weltmeisterschaft) und Formel-E. Ab dem Jahr 2000 trat Audi auch bei den 24 Stunden von Le Mans an und war dort bis zur letzten Teilnahme im Jahr 2016 extrem erfolgreich. Beispielsweise gelang Audi 2006 als erstem Hersteller ein Sieg mit einem Diesel-Fahrzeug – dem Audi R10 TDI.

Ein weiterer Geschäftsbereich der Neckarsulmer Audi-Tochter ist der Kundensport – das sogenannte Customer Racing. Diese Abteilung hat ihre Zentrale in Neuburg an der Donau mit dem sogenannten Driving Experience Center, geleitet wird der Bereich von Chris Reinke.

Auch die Motorsport-Abteilung von Audi gehört zu Audi Sport.

Doch zu Audi Sport gehören noch weitere Geschäftsbereiche, wie beispielsweise das Audi-Exclusive-Programm, bei dem Kunden ihre Fahrzeuge noch wesentlich stärker individualisieren können als durch die Standard-Optionen. Wer sein Auto beispielsweise in der Farbe seines Lieblings-Lippenstiftes oder passend zum Ton des favorisierten Rotweins lackiert haben möchte, kann seinen Wunsch hier erfüllt bekommen – das hat aber natürlich seinen Preis.

Audi Sport Collection: Hier finden die Fans der Marke die passenden Caps, Tassen, Schlüsselanhänger und ähnliches

Auch die sogenannte Audi Sport Collection gehört zu den Geschäftsbereichen der Audi-Tochter mit Sitz in Neckarsulm. Hier können sich Fans der Marke Audi mit allem versorgen, was ein Logo von Audi oder Audi Sport trägt, aber keinen Motor und vier Räder hat: Tassen, Jacken, Caps, Aufkleber, Schlüsselanhänger, Kugelschreiber oder Regenschirme sind nur einige der Beispiele.

Der Sportwagen Audi R8 zahlte viel auf das Image der Marke ein.

Diese Modelle hat Audi Sport aktuell im Angebot:

ModellLeistung
Audi RS3 Sportback294 kW (400 PS)
Audi RS3 Limousine294 kW (400 PS)
Audi RS4 Avant331 kW (450 PS)
Audi RS5 Coupé331 kW (450 PS)
Audi RS5 Sportback331 kW (450 PS)
Audi RS6 Avant 441 kW (600 PS)
Audi RS7 Sportback 441 kW (600 PS)
Audi RS Q3294 kW (400 PS)
Audi RS Q3 Sportback294 kW (400 PS)
Audi RS Q8441 kW (600 PS)
Audi TT RS Coupé 294 kW (400 PS)
Audi TT RS Roadster294 kW (400 PS)
Audi R8 Coupé RWS 397 kW (540 PS)
Audi R8 Coupé 419 kW (570 PS)
Audi R8 Coupé performance456 kW (620 PS)
Audi R8 Spyder RWS 397 kW (540 PS)
Audi R8 Spyder 419 kW (570 PS)
Audi R8 Spyder performance 456 kW (620 PS)

Ähnlich breit wie die Palette der Modelle, ist auch die Spanne bei den Preisen. Günstigstes Modell aus dem Hause Audi Sport ist das Kompaktklassefahrzeug RS3 Sportback, den es ab 56.000 Euro zu kaufen gibt. Am oberen Ende der Modellpalette rangiert der R8 Spyder Performance, der mindestens 214.500 Euro kostet. Wer nachschauen will, was sein Traum-R- oder RS-Modell kostet, kann dies im Konfigurator von Audi tun.

Meilenstein: Der Audi RS2 Avant ist 1994 das erste RS-Modell – und entsteht in Kooperation mit Porsche

Das erste RS-Modell war im Jahr 1994 der Audi RS2 Avant. Der Sport-Kombi war eine gemeinsame Entwicklung von Audi und Porsche auf Basis des Audi 80 Avant (B4/8C). Verbaut ist in dem Auto ein Reihen-Fünfzylinder-Turbomotor mit einer Leistung von 169 kW (230 PS). Als das Auto auf den Markt kam, war es der bis dahin schnellste und stärkste Serienfahrzeug von Audi.

Die Karosserie des Audi RS2 Avant ist größtenteils baugleich mit der des Audi 80 Avant, jedoch gibt es auch ein paar Details, die Porsche beigesteuert hat. So sind beispielsweise die Außenspiegel, die Blinkereinheiten und die Felgen Original-Teile der Porsche-911-Baureihen 964 und 993. Auch die 4-Kolben-Hochleistungsbremsanlage stammt von Porsche. Oft wird das Modell deshalb auch als Audi-Porsche RS2 bezeichnet.

Der Basispreis für einen Audi RS2 Avant betrug im Jahr 1994 98.900 D-Mark. Geplant war eine Produktion von 2.200 Einheiten – am Ende rollten 2.891 Exemplare vom Band. Die Produktion des Audi RS2 Avant endete im Jahr 1996, Nachfolgemodell wurde der Audi RS4.

Der Audi R8: Mit dem von Audi Sport entwickelten Mittelmotorsportwagen spielt der Autobauer endgültig in der Top-Liga mit

Eine Sensation war auch die Vorstellung des Mittelmotorsportwagens Audi R8 (interne Typbezeichnung 42) im Jahr 2006. Das Serienfahrzeug ist die Umsetzung des Concept Cars Audi R8 Le Mans. Der Audi R8 wird in der zweiten Generation (seit 2015) bis heute gebaut – einen Nachfolger mit Verbrennungsmotor dürfte der Sportwagen allerdings nicht mehr bekommen.

Produziert wurde die erste Generation von Audi Sport (damals noch quattro GmbH) im Werk in Neckarsulm. Die zweite Generation wird in den Böllinger Höfen im benachbarten Heilbronn gebaut.

Zu Beginn verbaute Audi im R8 den aus dem Audi RS4 bekannt 4,2-Liter-V8-FSI-Motor mit einer einer Leistung von 309 kW (420 PS). Damit beschleunigte der Audi R8 laut Werksangaben in 4,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 301 km/h. Im R8 war von Produktionsbeginn an serienmäßig ein Allradantrieb verbaut.

Audi R8 Coupé: Im Jahr 2006 zeigte der Autobauer auf dem Pariser Autosalon die Serienversion.

Auf der Automesse Detroit Motor Show stellte Audi 2008 ein R8-Konzeptfahrzeug mit einem 6,0-Liter-V12-Dieselmotor und einer Leistung von 368 kW (500 PS) vor. Weil der Ingolstädter Autobauer auch bei den 24 Stunden von Le Mans mit der Dieseltechnik sehr erfolgreich unterwegs war, sollte der hochgezüchtete Selbstzünder nun auch im R8 eingesetzt werden. Laut Audi hätte das Fahrzeug in 4,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt, eine Höchstgeschwindigkeit von 325 km/h erreicht und dabei unter 10 Liter Diesel auf 100 Kilometer verbraucht. Zu einer Umsetzung in ein Serienfahrzeug kam es jedoch nie.

Mehr Power: Ab dem Jahr 2009 gibt es den Audi R8 auch mit einem 5,2-Liter-V10-Motor

Im Jahr 2009 war dann eine stärke Version mit einem 5,2-Liter-V10-FSI-Motor verfügbar. Dieser Motor leistete 386 kW (525 PS) und beschleunigte den Audi R8 laut dem Autobauer in 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h, zudem war eine Höchstgeschwindigkeit von 316 km/h möglich. Ein Jahr darauf war eine leistungsgesteigerte Variante erhältlich: Der Audi R8 GT brachte es auf 560 PS, eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 3,6 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h. Ab 2010 war der R8 auch als offenes Roadster-Modell namens „Spyder“ erhältlich.

Die erste Generation des Audi R8 wurde entweder mit einem manuellen Sechsgang-Schaltgetriebe oder einem automatisierten Schaltgetriebe namens R Tronic ausgeliefert. Ab dem Jahr 2012 wurde die R Tronic durch das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe S Tronic ersetzt.

Seit dem Jahr 2008 ist auch eine Rennversion mit der Bezeichnung Audi R8 LMS erhältlich. Das Fahrzeug ist speziell für GT-Rennserien konzipiert und hat statt Allradantrieb beispielsweise nur einen Heckantrieb verbaut. Eine Straßenzulassung besitzt der Audi R8 LMS nicht.

Die zweite Generation des Audi R8 hat noch mehr Leistung und ist auch mit reinem Heckantrieb erhältlich

Im Jahr 2015 kam die zweite Generation des Audi R8 (interne Bezeichnung 4S) auf den Markt. Diese wurde nicht mehr mit V8-Motor sondern nur noch mit dem stärkeren 5,2-Liter-V10-Motor angeboten. Den R8 der zweiten Generation gibt es wie den Vorgänger auch als Spyder-Variante. Neu dazu kam 2018 der R8 RWS (Rear Wheel Series), bei dem ausschließlich die Hinterräder angetrieben werden. Der R8 RWS ist das erste Serienfahrzeug von Audi, das über einen Heckantrieb verfügt.

Die Leistungsspanne beim Audi R8 der zweiten Generation reicht von 397 kW (540 PS) beim Audi R8 RWS über 419 kW (570 PS) beim Audi R8 Coupé bis hin zu 456 kW (620 PS) beim Audi R8 Coupé performance.

Aufbruch in ein neues Zeitalter: Der Audi e-tron GT soll ab 2021 Audi Sport in die E-Auto-Ära katapultieren

Andeutungen des ehemaligen Audi-Chefs Bram Schot zufolge, wird der Audi R8 keinen Nachfolger bekommen. Der Hersteller hat sich für die Zukunft der Entwicklung und Produktion von Elektrofahrzeugen verschrieben. Audi Sport hat bereits ein Produkt angekündigt, das den Audi R8 zumindest teilweise ersetzen könnte: den Audi e-tron GT.

Der Audi e-tron GT concept gab einen Ausblick auf die Serienversion.

Das Hochleistungs-Batteriefahrzeug ist ein Schwestermodell des Porsche Taycan und soll laut Audi 2021 auf den Markt kommen. An Leistung verspricht Audi Sport 434 kW (590 PS), das Fahrzeug verfügt über permanenten Allradantrieb inklusive Torque Vectoring. In 3,5 Sekunden soll der Spurt von 0 auf 100 km/h gelingen, die Höchstgeschwindigkeit wird im Sinne der Reichweite auf 240 km/h limitiert.

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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