Die Marke mit den vier Ringen

Audi: Modelle, Bedeutung, Tochterunternehmen – alles über die VW-Tochter aus Ingolstadt

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Die Audi AG aus Ingolstadt gehört zum Volkswagen-Konzern und ist ein Automobilhersteller im Premiumsegment. Das Angebot reicht vom Kleinwagen bis hin zur Oberklasse-Limousine.

  • Der Autobauer Audi produziert in Deutschland Fahrzeuge in Ingolstadt und Neckarsulm
  • Seit April 2020 ist Markus Duesmann Chef des Ingolstädter Autobauers
  • Unter Ferdinand Piëch gelang der Marke Audi der Aufstieg in die Premium-Liga

Ingolstadt – Der Automobilhersteller Audi AG mit Firmensitz im bayerischen Ingolstadt ist eine Tochtergesellschaft der Volkswagen AG in Wolfsburg. 99,64 Prozent der Aktien sind im Besitz von VW, die restlichen 0,36 Prozent im Streubesitz. Innerhalb des Volkswagen-Konzerns deckt Audi mit seinen Fahrzeuglinien A, Q, TT und R einen Teil des Premiumsegments ab. Bei knapp 56 Milliarden Euro Umsatz konnte der Konzern im Geschäftsjahr 2019 einen Gewinn von 4,5 Milliarden Euro erzielen. Hauptkonkurrenten sind die Autobauer BMW, Mercedes-Benz und Porsche.

Die Audi AG wurde am 16. Juli 1909 in Zwickau gegründet. Weil Gründer August Horch (82, †1951) seinen Namen aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht mehr nutzen durfte, war er auf der Suche nach einem neuen griffigen Firmennamen. Seit dem 25. April 1910 firmiert das Unternehmen unter der Bezeichnung Audi, als lateinische Übersetzung des Wortes „horch“. 1932 wurde Audi neben DKW, Horch und Wanderer in die neu gegründete Auto Union AG Chemnitz integriert. Das noch heute gültige Logo mit den vier Ringen symbolisiert diesen Zusammenschluss.

Audi: Unter Ferdinand Piëch schloss Audi zu den Premium-Marken BMW und Mercedes auf

In den folgenden Jahren durchlebte das Unternehmen eine sehr wechselhafte Geschichte und wurde erst 1985 am heutigen Firmensitz in Ingolstadt unter der Bezeichnung Audi AG eine selbstständige Marke. Mit Ferdinand Piëch (82, †2019), dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG, schuf Audi einige technische Innovationen und etablierte sich als Premiummarke innerhalb des Konzerns.

Ferdinand Piëch führte Audi in die automobile Oberklasse.

Ab dem 1. Januar 2019 leitete der Niederländer Bram Schot (58) als Vorstandsvorsitzender die Audi AG. Schot wurde 2018 zum Übergangschef ernannt, nachdem Audi-Chef Rupert Stadler (57) im Zuge des Dieselskandals abgelöst wurde. Bram Schot war zuvor bereits seit 2011 im Volkswagen-Konzern tätig und seit 2017 Vorstand für Vertrieb und Marketing bei der Audi AG. Den Chefsessel räumte er zum 1. April 2020 für den neuen Audi-Chef, den ehemaligen BMW-Manager Markus Duesmann (51).

Das Stammwerk von Audi befindet sich in Ingolstadt – rund 44.000 Menschen arbeiten dort

Inzwischen produziert Audi mit mehr als 44.000 Mitarbeitern am Hauptstandort Ingolstadt Fahrzeuge der Reihen A3, A4, A5 und Q2. Das Werk setzt verstärkt auf digitale Vernetzung und versucht eine möglichst nachhaltige Produktion zu realisieren. Zudem sollen die Produktionskapazitäten für weitere zukünftige Modelle gerüstet sein, unter anderem für Elektrofahrzeuge.

In Ingolstadt wird unter anderem der Audi A3 gebaut.

Neben dem Hauptstandort Ingolstadt betreibt Audi in Neckarsulm einen weiteren wichtigen Produktionsstandort in Deutschland. Weitere Produktionskapazitäten bestehen in Münchsmünster (Komponentenfertigung) und Heilbronn (Böllinger Höfe)sowie in Ungarn (Győr), Belgien (Brüssel), und Mexiko (San Jose Chiapa). Innerhalb des Konzernverbunds mit Volkswagen werden Audi-Fahrzeuge auch in der Slowakei (Bratislava), Spanien (Martorell), Russland (Kaluga), Brasilien, Indien und China produziert.

Für Besucher und Kunden betreibt Audi an den Standorten Ingolstadt und Neckarsulm das sogenannte Audi Forum. Eingebunden in kulturelle und gastronomische Angebote wird den Besuchern die Abholung ihres Neuwagens und/oder eine Werksbesichtigung angeboten.

Mit dem Allradantrieb „Quattro" und Leichtbau mit Aluminium setzte Audi die Grundpfeiler für den Erfolg

Mit dem Claim für „Vorsprung durch Technik“ hat Audi eine Unternehmensstrategie und einen Anspruch an die Fahrzeuge formuliert. Vor allem technischen Innovationen wie der Allradantrieb Quattro oder die Einspritz-Motorentechnik TDI begründeten den heutigen Erfolg von Audi. Zudem setzte das Unternehmen sehr früh auf leichtes Aluminium im Karosseriebau und eine konsequente aerodynamische Karosseriegestaltung.

Legendär: 1987 gewinnt Walter Röhrl mit dem Audi Sport quattro S1 (E2) das Bergrennen am Pikes Peak (USA).

1985 produzierte Audi eine aufsehenerregende Werbekampagne. Um die Überlegenheit des Antriebs zu demonstrieren, ließ der Ingolstädter Autobauer einen Audi Quattro eine Skisprungschanze hinauffahren und sorgte damit für weltweite Aufmerksamkeit. Grund genug für Audi, 2005 den Spot mit einem neueren Modell, dem Audi A6 zu wiederholen.

Legendär ist auch Audis Werbekampagne mit dem Wackel-Elvis an der Windschutzscheibe aus dem Jahr 2001. Damit wollte das Unternehmen ein nahezu ruckelfreies Automatikgetriebe der neuesten Generation bewerben. Die Figur, ursprünglich als Unikat für die Kampagne hergestellt, wurde Kult. Aufgrund der steigenden Nachfrage produzierte Audi mehr als 300.000 Plastikfiguren und verkaufte diese für 16 D-Mark.

Audi: Vom Kleinwagen über Oberklasse-Limousinen bis hin zu SUVs haben die Ingolstädter alles im Angebot

Heute gehört Audi zu den Automarken mit einem Vollsortiment, vom Einstiegsfahrzeug im Kleinwagensegment (Audi A1) über Kompaktwagen (Audi A3), Mittelklassefahrzeugen (Audi A4), Autos der oberen Mittelklasse (Audi A6) bis hin zu Oberklassefahrzeugen (Audi A8), Sportwagen (Audi R8) und SUV (Audi Q3, Audi Q5, Audi Q7, Audi Q8).

Die Fahrzeugpalette des Ingolstädter Autobauers Audi:

ModellSegment
A1Kleinwagen
A3 Kompaktklasse
A4, A6 Mittelklasse, obere Mittelklasse
A8 Oberklasse
A5, A7 Coupés
TT, R8, RS-ModelleSportwagen
Q2, Q3, Q5, Q7, Q8\tSUV
Der Kleinwagen Audi A1 markiert das untere Ende der Modellpalette der Ingolstädter.

Neben der Traditionsmarke Audi gehören unter anderem noch die italienischen Marken Lamborghini, Ducati und Italdesign zu Audi und runden das Angebot im Luxussegment ab. Mit der Marke Ducati hat Audi einen Motorradhersteller in den Konzern geholt und hoffte dabei auf zusätzliche Entwicklungskompetenz im Leichtbau.

Neben technischen Innovationen und hochwertiger Verarbeitung setzte Audi früh auf das Thema Design. Ein wesentliches Designmerkmal der Ingolstädter Autobauer sind klare Kanten und großzügige glatte Flächen. Charakteristisch für die viertürigen Limousinen mit Stufenheck ist das dritte hintere Seitenfenster. Als besonders charakteristisch gilt auch der Kühlergrill (Single-Frame), der vor allem bei den neuen SUV-Modellen zu einem wesentlichen Designmerkmal geworden ist. Der Sauerländer Marc Lichte ist seit Anfang 2014 als Leiter Design für die Formgebung der Fahrzeuge sowohl im Inneren wie Außen verantwortlich.

Der Autobauer Audi hat seinen Hauptsitz in Ingolstadt.

Audi und Lamborghini: Seit 1998 gehört der italienische Sportwagenhersteller zum Ingolstädter Konzern

Seit dem Jahr 1998 gehört der italienische Sportwagenhersteller Automobili Lamborghini S.p.A. mit Sitz in norditalienischen Sant‘Agata Bolognese zum Audi-Konzern und erweitert die Sportwagensparte des Unternehmens. Zudem ist Lamborghini seit September 2000 auch Generalimporteur aller Fahrzeugmarken im Volkswagen-Konzern. Seit 2016 wird Lamborghini von Stefano Domenicali (54) geleitet, dem ehemaligen Teamchef des Formel-Eins-Teams von Ferrari.

Auch die Marke Lamborghini gehört zum Audi-Konzern.

Zunächst war Audi nur als Motorenlieferant für Lamborghini im Gespräch. Die Italiener wollten einen neuen Fahrzeugtyp auf den Markt bringen und benötigten dafür einen Motorenlieferanten. Während der Verhandlungen wurde zunächst Audi zunächst eine Beteiligung angeboten und schließlich die vollständige Übernahme des Autobauers. Durch die Übernahme sollte Lamborghini in die Lage versetzt werden, höhere Stückzahlen zu produzieren. 2016 hat der Deutsche Mitja Borkert die Verantwortung für das Design bei Lamborghini übernommen. Mit dem Terzo Millenio hat Mitja Borkert den ersten elektrischen Sportwagen der Italiener entworfen.

Auf der Automesse IAA 2019 stellt Lamborghini den Hybrid-Sportwagen Sián vor, der mit neuer Technologie nicht nur einen zeitgemäßen Antrieb hatte, sondern zudem als bislang schnellster Lamborghini aller Zeiten gilt. Stefano Domenicali und Mitja Borkert wollen mit dem Sián das Unternehmen in die Zukunft führen. Dafür wurde auf Basis des legendären V12-Motors eine Hybrid-Technologie entworfen, die den Weg in die E-Zukunft ebenen soll, gleichzeitig aber immer noch die Besonderheit eines italienischen Sportwagens sicherstellt.

Thomas Feldhaus

Rubriklistenbild: © Uli Deck/dpa

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