Legendär durch James-Bond-Filme

Aston Martin: DB9, Vanquish, Vantage – der britische Sportwagenhersteller und seine Modelle

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Der britische Sportwagenhersteller Aston Martin wurde 1913 gegründet. Bis heute produziert das Unternehmen mit Sitz in Gaydon Sportwagen der Luxusklasse.

  • Aston Martin ist ein britischer Sportwagenhersteller
  • Sitz des Unternehmens ist in Gaydon, Großbritannien
  • Eines der berühmtesten Modelle ist der DB5 von 1953

Gaydon – DB9, Vanquish, Vantage – wer diese Modellnamen hört und sich nur ein wenig für Autos interessiert, weiß: dabei handelt es sich um Fahrzeuge von Aston Martin. Das 1913 gegründete Unternehmen – das heute offiziell Aston Martin Lagonda heißt – gehört zu den exklusivsten Sportwagenbauern der Welt und hat seinen Sitz in Gaydon in der englischen Grafschaft Warwickshire. Geleitet wird das Unternehmen aktuell von Andrew Palmer (57). Im Jahr 2019 verkaufte der britische Autobauer laut Geschäftsbericht 5.862 Fahrzeuge und machte dabei einen Umsatz von 997 Millionen britischen Pfund (1,1 Milliarden Euro). Zu den Hauptkonkurrenten gehören unter anderem die Marken Porsche, Maserati und Ferrari.

Finanziell ist es um Aston Martin derzeit dennoch nicht zum Besten bestellt: Der Betriebsverlust lag 2019 bei 37 Millionen Britischen Pfund (40,8 Millionen Euro). Gefertigt werden die Fahrzeuge im Hauptwerk in Gaydon sowie im neuesten Werk in St Athan in Wales (DBX). Außerdem unterhält das Unternehmen einen Logistikstandort in Wellesbourne in der Nähe des Hauptsitzes in Gaydon und ein Ersatzteillager und Restaurationsbetrieb in Newport Pagnell. Die Zahl der Mitarbeiter lag 2019 bei 2.450.

Aston Martin: Kein aktuelles Modell hat unter 500 PS

Einen Sportwagen aus dem Hause Aston Martin zu fahren, ist ein äußerst exklusives Vergnügen. Die Fahrzeuge des britischen Autobauers sind nicht nur schnell, sondern meist auch sehr luxuriös ausgestattet und dementsprechend teuer – das gilt natürlich auch für die Unterhaltskosten. Aktuell hat der Sportwagenhersteller sechs Modelle im Angebot:

  • Aston Martin DBX
  • Aston Martin Vantage
  • Aston Martin DB11
  • Aston Martin DBS Superleggera
  • Aston Martin Rapide AMR
  • Aston Martin Valkyrie

Keines der Autos hat unter 500 PS. Keines kostet neu unter 150.000 Euro.

Das erste SUV von Aston Martin heißt DBX.

In seiner Geschichte hat Aston Martin fast ausschließlich zweitürige Coupés und Cabrios gebaut. Doch auch der britische Autobauer muss mit der Zeit gehen. Seit Frühjahr 2020 bietet der Hersteller auch ein viertüriges SUV namens Aston Martin DBX an, zum Preis von 193.500 Euro – mindestens. Der Motor – ein V8-Turbobenziner mit 550 PS – wird von Mercedes-AMG zugeliefert.

Im Konfigurator des DBX ist unter anderem ein Haustier-Paket erhältlich. Darin ist eine mobile, akkubetriebene Haustierwaschanlage enthalten – damit kann der Nutzer beispielsweise seinen Hund bis zu 30 Minuten lang abspritzen. Die Individualisierungsmöglichkeiten im Konfigurator von Aston Martin sind schier unendlich – im Gegensatz zu anderen Herstellern sieht der Kunde allerdings im Online-Portal keinen Preis. Die Wunschkonfiguration muss an einen Händler weitergeleitet werden.

Aston Martin Valkyrie: Hypersportwagen mit V12-Saugmotor, Elektroantrieb und 1177 PS

Das extremste Modell in der aktuellen Palette von Aston Martin ist der Valkyrie. Dabei handelt es sich um einen Hypersportwagenwagen, ausgestattet mit einem von Cosworth entwickelten 6,5-Liter-V12-Saugmotor und einem zusätzlichen Elektroantrieb des kroatischen Spezialisten Rimac. Die maximale Leistung des Valkyrie gibt Aston Martin mit 1177 PS an, damit dürfte der Sprint von 0 auf 100 km/ in unter drei Sekunden gelingen und eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 400 km/h möglich sein.

Mit dem Valkyrie konkurriert Aston Martin mit Herstellern von Extremsportwagen wie Pagani oder Koenigsegg. Der Basispreis für den Valkyrie liegt bei knapp drei Millionen Euro. Dennoch sind alle 150 Straßenversionen und alle 25 Rennmodelle bereits verkauft.

Die Anfänge: Gründung von Aston Martin durch Lionel Martin und Robert Bamford

Die Geschichte des britischen Sportwagenherstellers Aston Martin reicht zurück bis ins Jahr 1913 – damals wurde das Unternehmen von Lionel Martin (67, †1945) und Robert Bamford (59, †1942) gegründet. Die Firma mit Namen Bamford & Martin Ltd. begann als Händler für Fahrzeuge der Marke Singer. Lionel Martin startete mit diesen Autos – die er selbst tunte – bei verschiedenen Rennen. Schließlich beschloss er aber, eigene Fahrzeuge zu bauen. Diese sollten vor allem renntauglicher sein.

Aston Martin: So entstand der Name der britischen Sportwagenmarke

Der Name Aston Martin (zunächst wurde er mit Bindestrich geschrieben) ist eine Mischung aus dem Nachnamen von Lionel Martin und dem Aston-Hill-Climb, einem Bergrennen, das er auf einem Singer gewonnen hatte. Im März 1915 entstand am Henniker Place in West Kensington der erste Aston Martin: ein Prototyp mit Spitznamen „Coal Scuttle“ („Kohlenkasten“).

Fünf Jahre später bezog das Unternehmen ein neues Domizil an der Kensingtoner Abingdon Road – und es entstand ein zweiter Prototyp. Weil er wenig in Interesse an einer geplanten Serienfertigung von Automobilen hatte, verließ Robert Bamford zu diesem Zeitpunkt das Unternehmen – seine Stelle nahm der amerikanische Millionärssohn Graf Louis Vorow Zborowski (29, †1924) ein. Er half Aston Martin auch immer wieder mit Finanzspritzen auf die Beine. Bereits im Oktober 1924 verunglückte Graf Louis Vorow Zborowski in Monza beim Großen Preis von Italien tödlich.

Die Pleite: Mitgründer Lionel Martin verlässt im Jahr 1925 Aston Martin

Lionel Martin rutschte mit seinem Unternehmen daraufhin immer tiefer in finanzielle Probleme. Obwohl sich neue Geldgeber fanden, ließ sich der Konkurs von Aston Martin nicht mehr verhindern – 1925 war das Unternehmen pleite. Lionel Martin verließ daraufhin den Autobauer. Der Mitgründer von Aston Martin hatte nicht nur eine große Liebe zu Autos, sondern auch zu Fahrrädern. 20 Jahre nach dem Ausscheiden aus der Firma starb Lionel Martin bei einem Verkehrsunfall in der Gloucester Road in Kingston, als er auf einem dreirädrigen Fahrrad unterwegs war.

Nach dem Ausstieg von Lionel Martin übernahm Lord Charnwood das Unternehmen. Er hatte Aston Martin bereits zuvor des öfteren finanziell unter die Arme gegriffen. In den folgenden Jahren war Aston Martin sehr erfolgreich in verschiedenen Rennserien unterwegs. Doch die Weltwirtschaftskrise setzte dem britischen Autobauer schwer zu, so dass erneut eine Pleite kurz bevor stand. Ende 1932 sicherte sich Sir Arthur Sutherland die Mehrheit die Anteile am Unternehmen und setzte seinen Sohn Gordon Sutherland als Geschäftsführer ein.

Aston-Martin-Fans gründen den ersten automobilen Markenclub der Welt – den Aston Martin Owners Club

Der Transfer vom exzellenten Rennsport-Image auf die Straßenmodelle gelang so gut, dass sich im Mai 1935 begeisterte Anhänger zum ersten automobilen Markenclub der Welt zusammenschlossen. Im The Grafton Hotel an der Londoner Tottenham Court Road gründeten sie den Aston Martin Owners Club (AMOC), der heute weltweit knapp 5.000 Mitglieder zählt.

Eine Auswahl der bekanntesten Aston-Martin-Fahrzeuge:

BauzeitModell
1948–1950Aston Martin 2-litre-Sports (DB1)
1963–1965Aston Martin DB5
1972–1989Aston Martin V8
1976–1989 Aston Martin Lagonda (drei verschiedene Serien)
1980Aston Martin Bulldog (Einzelstück)
1989–1994Aston Martin Virage
1994–2000Aston Martin DB7
2001–2004Aston Martin V12 Vanquish
2004–2016Aston Martin DB9
2007–2012Aston Martin DBS
2011–2013Aston Martin Cygnet (Toyota-iQ-Klon)
2012–2018Aston Martin Vanquish
2013–2017Aston Martin V12 Vantage S
2015-2016Aston Martin Vulcan
2016–2018Aston Martin Vanquish Zagato
2018–heuteAston Martin DBS Superleggera
2019–heuteAston Martin Valkyrie
2020–heuteAston Martin DBX

Während des Zweiten Weltkriegs produzierte Aston Martin dann Rüstungsgüter. Die dadurch generierten Einnahmen reichten jedoch nicht aus, um ein komplett neues Serienmodell für die Zeit nach dem Krieg zu entwickeln. Gordon Sutherland bot das Unternehmen deshalb zum Kauf an. Für 20.000 Pfund erwarb im Jahr 1947 der britische Geschäftsmann David Brown (89, †1993) die Aston Martin Motors Ltd. und später auch Lagonda. David Brown verdiente damals gutes Geld mit der Herstellung von Traktoren.

Schon 1948 startete die Produktion des neuen Aston Martin 2-Litre Sports als Drophead Coupé. Inoffiziell wird dieses Modell auch Aston Martin DB1 genannt – wobei die beiden Buchstaben DB für David Brown stehen. In den folgenden Jahren widmete sich der Autobauer verstärkt dem Rennsport – unter anderem durchaus erfolgreich bei den 24 Stunden von Le Mans.

Aston Martin DB5: Ein Meilenstein für den britischen Autobauer

Ein echter Meilenstein gelang Aston Martin 1963 mit dem DB5. Die Käufer konnten bei dem Modell zwischen einer Dreistufen-Automatik und einem 5-Gang-Schaltgetriebe wählen. Vor allem zwei James-Bond-Filme machten das Fahrzeug auf der Leinwand unsterblich: Der DB5 diente 007 in „Goldfinger“ (1964) und „Feuerball“ (1965) als Dienstwagen – selbstverständlich mit der entsprechenden Sonderausstattung von Q versehen.

Schon 1965 folgte der DB6, den Aston Martin auch als Cabrio-Version „Volante“ anbot. Zwei Jahre später kam der Aston Martin DBS auf den Markt, der mit den bis dahin prägenden italienischen Linien brach. Die finanzielle Lage des britischen Autobauers wurde jedoch – wieder einmal – zunehmend kritischer. Zur Brisanz der Lage trug auch bei, dass Besitzer David Brown mit dem Verkauf seiner Traktoren immer weniger Geld verdiente. Im Jahr 1972 entschloss sich David Brown daher, Aston Martin Lagonda zu verkaufen.

Neuer Besitzer wurde 1973 Company Developments, ein Zusammenschluss von Geschäftsleuten aus Birmingham. Sie erwarben Aston Martin Lagonda damals für gerade einmal 100 Pfund. Der rasante Abstieg von Aston Martin Lagonda war aber trotz Sparmaßnahmen wie Personalkürzungen nicht aufzuhalten. Die Rettung in letzter Minute kam 1975 durch den US-amerikanischen Unternehmenssanierer Peter Spraque und den kanadischen Restaurantbesitzer und Rolls-Royce-Händler George Minden. Das Duo übernahm die Führung bei Aston Martin Lagonda und brachte den britischen Autobauer nach und nach finanziell wieder auf die Spur.

Seiner Zeit voraus: Aston Martin verbaut im Lagonda ab 1976 neueste Elektronik – doch die hat ihre Tücken

Einer der wichtigsten Schritte war der erneute Versuch, ein Modell mit Namen Lagonda zu etablieren. 1976 wurde der Lagonda (Series 2) vorgestellt – in einer ersten von drei Serien. Das Fahrzeug stach nicht nur durch seine absolut außergewöhnliche Optik, sondern auch durch die verbaute Technik heraus. Unter anderem installierten die Ingenieure im Innenraum aufwendige Elektronik wie digitale Anzeigen auf dem Armaturenbrett und Sensortasten zur Steuerung.

Der Aston Martin Lagonda hatte im Innenraum aufwendige – aber auch anfällige – Elektronik verbaut.

Doch die Technik war damals extrem störanfällig und bescherte Aston Martin hohe Kosten in der Entwicklung. Trotz der großen Probleme zum Start, gilt der digitalisierte Innenraum des Aston Martin Lagonda bis heute als technischer Meilenstein im Automobilbau.

1978 begann die Serienfertigung des Aston Martin Lagonda. Das aus damaliger Sicht sehr futuristische Fahrzeug verkaufte sich vor allem im Nahen und Mittleren Osten sehr gut, und sicherte so den Fortbestand des Unternehmens in den folgenden Jahren. Doch schon bald darauf folgten wieder einige Besitzerwechsel und die Entwicklung neuer Modelle geriet ins Stocken. Aston Martin wurde erneut zum Sanierungsfall.

Erneuter Absturz: Ford übernimmt 1987 das Ruder bei Aston Martin

Ungeachtet der prekären Lage von Aston Martin übernahm im Jahr 1987 Ford die Mehrheit der Anteile des britischen Sportwagenherstellers. Mit dem Aston Martin Virage stand ab 1989 ein neues Modell bereit, das später auch als Volante- und Vantage-Version erhältlich war. Außerdem profitierte Aston Martin von einer Entwicklung der damaligen Ford-Tochter Jaguar. Weil dort die Entwicklungskosten für ein Sportwagenprojekt aus dem Ruder gelaufen waren, übergab man das Modell an Aston Martin, weil diese Marke für ein Auto einen viel höheren Preis verlangen konnte. Das war die Geburtsstunde des Aston Martin DB7, der schließlich mit mehr als 6000 gebauten Fahrzeugen der bis dahin erfolgreichste Aston Martin wurde.

Auch bei den Motoren bediente sich Aston Martin bei Jaguar: Der von Cosworth überarbeitete V12 wurde unter anderem im Aston Martin Vanquish (2002) und Aston Martin DB9 (2004) verbaut. Auch als James-Bond-Dienstwagen wurde wieder ein Aston Martin eingesetzt: In „Stirb an einem anderen Tag“ (2002) fuhr 007-Darsteller Pierce Brosnan (67) einen als Vanish bezeichneten Vanquish – natürlich mit entsprechender Ausstattung durch „Q“. 2007 trennte sich Ford von der Mehrheit seiner Aston-Martin-Anteile: Sie wurden von zwei vorwiegend kuwaitischen Investorengruppen übernommen – Investment DAR und ADEEN Investment.

Wenig ruhmreiches Kapitel: Aston Martin produziert den Kleinstwagen Cygnet

Als eher unrühmliches Kapitel der Marke Aston Martin dürften eingefleischte Fans die Produktion des Luxus-Kleinstwagens Cygnet ab dem Jahr 2011 einstufen. Im Prinzip handelte sich beim Aston Martin Cygnet um nichts anderes als ein mit viel Handarbeit im Werk in Gaydon veredeltes Modell des japanischen Herstellers Toyota: einen Toyota iQ – mit einem 1,3-Liter-Vierzylindermotor als Standardaggregat.

Der Aston Martin Cygnet war im Prinzip ein vom Sportwagenhersteller veredelter Toyota iQ.

Zunächst war die Rede davon, dass nur Aston-Martin-Kunden einen Cygnet erwerben könnten, die bereits zuvor ein anderes Modell der Marke gekauft hatten. Doch am Ende konnte jeder einen Aston Martin Cygnet kaufen, der über genügend Kleingeld verfügte. Möglicherweise wurde die strenge Verkaufsregelung gelockert, weil sich das Kaufinteresse doch offenbar sehr in Grenzen hielt.

Nach knapp zwei Jahren wurde die Produktion des Aston Martin Cygnet wieder eingestellt. Ein Grund für die Zurückhaltung der Kunden dürfte auch der hohe Preis für das Fahrzeug gewesen sein: knapp 38.000 Euro verlangte Aston Martin für einen Cygnet im Jahr 2011. Zum Vergleich: Ein Toyota iQ kostete damals rund 12.000 Euro.

Besonders den Innenraum des Cygnet hatte Aston Martin im Gegensatz zum Toyota iQ deutlich aufgewertet.

Im Jahr 2013 übernahm die Daimler AG fünf Prozent der Aktien von Aston Martin. Seitdem besteht eine technische Partnerschaft. Unter anderem bekommt der britische Sportwagenbauer Motoren von Mercedes-AMG geliefert (zum Beispiel für den Aston Martin DBX). Im Jahr 2018 ging Aston Martin an die Börse, seitdem ist die Aktie des Unternehmens unter dem Namen Aston Martin Lagonda Global Holdings plc and der London Stock Exchange notiert.

Rubriklistenbild: © Doak/epa/dpa

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