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Abarth: Logo, Konfigurator, Modelle – die Sportwagen der Fiat-Tochter

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Von: Arne Roller

Von Carlo Abarth gegründet, machte sich das Unternehmen im Rennsport verdient und ist heute als Teil von Stellantis sportliches Aushängeschild von Fiat.

Update vom 16.01.2021, 12:30 Uhr: Seit der Fusion der Peugeot Société Anonyme (PSA) mit Fiat Chrysler Automobiles (FCA) gehören auch die Marken der ehemaligen FCA Group – darunter etwa Abarth, Fiat, Jeep und Alfa Romeo – zum neu entstandenen Auto-Riesen Stellantis mit Sitz in Amsterdam (Niederlande), dem damit nach Volkswagen zweitgrößten Autokonzern in Europa. Die frühere Dachfirma FCA existiert nicht mehr.

Erstmeldung vom 25.05.2020, 14:22 Uhr: Turin – Den Geist von Gründer Carlo (eigentlich Karl) Abarth, einem in Italien lebenden Österreicher, zeigt sehr gut eine Anekdote, die man sich über seine Jugend erzählt: Als kleiner Junge sei er auf den Straßen seiner Heimatstadt Wien gegen andere Kinder auf ihren „Trottinetts“ Rennen gefahren. Um schneller zu sein, habe er einen Ledergurt um die Räder seines Rollers gewickelt, damit die Holzräder auf dem rutschigen Kopfsteinpflaster mehr Grip bekommen. Es zeigt perfekt seinen Erfindergeist und seine Anlage dafür, aus jeder Technik durch Optimierung das Beste herauszuholen. Wenn auch stimmt, was man hört, und die Nachbarskinder älter und deswegen größer und kräftiger waren als er, dann ist es das perfekte Sinnbild für das, was Abarth später mit seinen Autos tat: mit kleinen Fahrzeugen die Großen ärgern. Mit wenig „Kubik“ zu viel Kraft. 

Carlo Abarth: Karriere als Motorradrennfahrer

Carlo Abarth, 1908 als Karl Abarth in Wien geboren, nimmt er nach der Annexion Südtirols durch Italien die italienische Staatsbürgerschaft an und ändert seinen Vornamen. Als junger Mann fährt er zunächst Radrennen und beginnt, als Motorradmechaniker zu arbeiten. Beim Rennteam Motor Thun springt er spontan für einen ausgefallenen Fahrer und ist auf Anhieb schneller als die Werksfahrer. 1928 gründet er daraufhin schließlich sein erstes eigenes Team.

Ein Unfall und eine bleibende Knieverletzung zwingen ihn schließlich auf Seitenwagenrennen umzusteigen. Durch Tuning am Auspuff kitzelt er mehr Leistung aus seinen Maschinen. Außerdem baut er sein Motorrad mit Beiwagen so um, dass Schräglagen bei Kurvenfahrten möglich sind. Mit diesem optimierten Gespann gewinnt er 1934 ein vielbeachtetes Rennen gegen den Orient-Express auf der 1300 km langen Strecke zwischen Ostende und Wien.

Carlo Abarth: Der meisterhafte Ingenieur

Weitere Unfälle zwingen Abarth dazu, vom Feuerstuhl abzusteigen und sich wieder der Handwerkskunst des Fahrzeugbaus zu widmen. Während des Zweiten Weltkriegs lebte Abarth in Ljubliana und arbeitete als technischer Leiter in einer Werkstatt. Nach dem Krieg entsteht durch seine Frau, die damals als Sekretärin von Dr. Anton Piëch (dem Ehemann der Tochter von Ferdinand Porsche) arbeitet, ein Kontakt zur Familie Porsche, der in einer Anstellung von Abarth als Vertreter für Porsche in Italien mündet. Carlo Abarth, im Herzen immer ein Wettbewerbsmensch, zieht es aber wieder zurück in den Rennsport. Und so heuert er beim damaligen Sportwagenhersteller Cisitalia in Turin an.

Carlo Abarth konstruiert einen sagenhaften Rennwagen, den Cisitalia 360 Grand Prix mit 12-Zylinder-Motor und Allradantrieb. Er wird schließlich technischer Leiter bei Cisitalia, allerdings geht die Firma 1949 bankrott. Und so gründet Abarth noch im selben Jahr zusammen mit dem Rennfahrer Guido Scagliarini in Bologna seine eigene Firma namens Abarth & C. Als Markenzeichen wählt er den Skorpion, sein Sternzeichen. Dieses Symbol eines zwar kleinen, aber gefährlichen Tieres, passt dabei perfekt zu den Autos, die Abarth künftig bauen wird.

Das neue Unternehmen erzielt sofort Rennsporterfolge mit kleinen Autos: das erste Fahrzeug ist der 204 A. Der auf dem Fiat 1100 basierende Wagen kann Auf Anhieb die italienische 1100 Sport Meisterschaft und die Formel-2 gewinnen. Zusätzlich zum Neben dem Rennsport beginnt Abarth & C. Tuning-Kits für Serienfahrzeuge zu verkaufen. Außerdem entwickelt man Sportauspuffanlagen für verschiedene Modelle von Fiat, Alfa Romeo, Maserati und auch Vespa-Motorroller sowie die Rennwagen der Scuderia Ferrari. In wenigen Jahren wächst die Firma auf 375 Mitarbeiter und produziert jährlich rund 300 000 Auspuffsysteme.

Über die Jahre basieren Abarths Rennwagen auf Modellen von Porsche, Simca, Fiat und Alfa Romeo. Seine Einzelstücke designen bekannte Designer und Designbüros wie Bertone, Ghia, Pininfarina, Giorgio Giugiaro oder Zagato. Und auch seine Rennfahrer sind keine Unbekannten, unter ihnen auch einige Deutsche wie beispielsweise Walter Röhrl, Johann Abt und Hans Hermann.

Abarth 1000 TCR Radiale fahrend
Abarth 1000 TCR Radiale © Thomas Frey/dpa - Bildfunk

Abarth: Rennerfolge auf Basis des Fiat 600

1955 stellt Fiat den 600 vor, den Carlo Abarth fortan als Basis für seine Rennsportaktivitäten nutzt. Die enge Zusammenarbeit mit Fiat führt 1958 zu einem Kooperationsvertrag: der italienische Autogigant liefert Abarth Autos ohne die Teile, die er sowieso durch Tuningkomponenten ersetzt – zu besonders günstigen Preisen. Abarth ergänzt die fehlenden die Teile, und fertig sind seine auf Krawall gebürsteten kleinen Rennwagen. Zusätzlich bekommt er von Fiat eine Prämie für Rennsiege und Rekordfahrten mit einem ihrer Fahrzeuge. Und so vergeht in den 60er Jahren fast kein Wochenende, an dem die Zeitungen nicht über den Triumph eines Fiat-Abarth berichten. Ein Gewinn für beide Vertragspartner. Insgesamt holt Abarth über die Jahre mehr als 10.000 Siege auf Renn- und Rallyestrecken und schlägt dabei immer wieder mit kleinen Fahrzeugen größere und vermeintlich stärkere Konkurrenten. Das gelingt auch dank der so einfachen wie genialen Ideen des „Commendatore“: beim „1000 TCR Radiale“ lässt während des Rennens einfach die Hecklappe offen. Das kühlt den Motor und verhilft dem Wagen gleichzeitig zu mehr Anpressdruck, was den kleinen Flitzer schneller durch die Kurven fahren lässt. Im Heck des auf dem Fiat 600 basierenden Giftzwergs arbeitet ein von einem Weber-Doppelvergaser mit Luft versorgter Sternmotor, der 110 PS entwickelt. Ordentlich Zunder für ein 610 Kilogramm leichtes Fahrzeug.

Abarth: Rekorde en masse auf dem „Autodromo Nazionale di Monza“

Am 10. September 1958 bricht der „Fiat Abarth 500 Monoposto Record” mit seiner von Pininfarina entworfenen Stromlinienform zu einem zehntägigen Lauf auf dem Kurs von Monza auf. Am Ende dieses Marathons hat der 370 Kilogramm leichte und 34 PS starke Wagen 28.000 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 116,4 Stundenkilometer absolviert und stellt damit 23 internationale Rekorde auf. Ein Riesenerfolg nicht nur für Carlo Abarth, sondern auch für Fiat. Solche Rekorde stärkten das Vertrauen von Käufern in die Produkte des Herstellers aus Turin. Auf Basis von Fiat 500- und 600-Fahrzeugen stellt Abarth in den Jahren 1957, 1958 und 1960 zahlreiche Rekorde auf der Strecke von Monza auf.

Abarth 500 Record Monoposto Pininfarina 1957 stehend auf Messe
Abarth 500 Record Monoposto Pininfarina 1957 © Autodrom/sp-x

1965 setzt sich Carlo Abarth im Alter von 57 Jahren noch einmal selbst ans Steuer, um höchstpersönlich den 100. Rekord für seine Firma einzufahren. Um ins Cockpit des winzigen „Fiat Abarth 1000 Monoposto Record“ zu passen, hatte er zuvor mittels einer Apfeldiät 30 Kilogramm abgenommen. Der Wagen von 1965 fährt im Gegensatz zum Langstrecken-Rekordfahrzeug von 1960 ohne einen stromlinienförmigen Überbau. Es handelt sich um die Weiterentwicklung eines in der Saison 1964 eingesetzten Formel-2-Rennwagens mit 105 PS, einem Federgewicht von 500 Kilogramm und einem Mini-Tank, der lediglich 10 Liter fasst. Mit diesem Fahrzeug fährt Carlo Abarth am 20. Oktober 1965 zwei Weltbestleistungen ein: die Rekorde im Bereich Beschleunigung auf einer Viertelmeile und auf einer Strecke von 500 Metern. Für den nächsten Tag lässt er einen 2000-ccm-Motor einbauen und stellt damit zwei weitere Beschleunigungsrekorde in der Klasse der Einsitzer auf.

1971 verkauft Carlo Abarth schließlich die Namensrechte und Fertigungsstätten seines Unternehmens an Fiat und zieht sich nach Wien zurück. Der Firmengründer bleibt bis zu seinem Tod 1979 Berater.

Abarth heute: Die aktuellen Modelle von Fiats Sportabteilung

Abarth steht aktuell da: im Jahr 2018 verkaufte man 25 000 Autos, was einen Verkaufsrekord für die Marke bedeutete. Ein Jahr später, 2019, stand der 70. Geburtstag von Abarth an. Die Stadt Turin benannte zu Ehren des Firmengründers eine Straße nach Carlo Abarth und bei den „Abarth Days“ feierten 5.000 Fans den runden Geburtstag der Marke. Mehr als 3.000 Abarth-Fabrikate tummelten sich auf dem Mailänder Expo-Gelände.

Aktuell ist bei Abarth nur ein Modell im Konfigurator auf der offiziellen Webseite verfügbar: Der 595.

Den kleinen Flitzer auf Basis des Fiat 500 gibt es in fünf verschiedenen Varianten als Limousine oder Cabrio 595C.

Die Cabrioversion ist liegt im Preis jeweils 3.000 Euro über dem Basispreis der Limousine. Die komplette Preisliste finden Sie auf abarth.de.

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